Arbeitsunfähigkeit: Ungerechtfertigte Arbeitgeberkosten bei Krankheit vermeiden

Um was geht es?

Hohe Kosten durch Arbeitsunfähigkeit

Im Jahr 2017 entfielen in Deutschland insgesamt über 530 Millionen Arbeitstage aufgrund von arbeitsunfähig erkrankten Arbeitnehmern. Die Ausgaben der Arbeitgeber für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall inklusive der zu zahlenden Beiträge zur Sozialversicherung sind inzwischen auf rund 60 Mrd. Euro p. a. angestiegen (in Hessen: ca. 5 Mrd. Euro) (IW Köln).
 
Zu den Kosten für die Entgeltfortzahlung kommen weitere Kosten durch Krankengeldzahlungen in Höhe von inzwischen über 13 Mrd. Euro (GKV-Spitzenverband), die aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden sowie weitere Kosten durch das ebenfalls beitragsfinanzierte Krankentagegeld für privat versicherte Arbeitnehmer in unbekannter Höhe. Hinzu kommt häufig ein erheblicher Planungsaufwand, um die wegfallende Arbeitsleistung durch Vertretung aufzufangen.

Was braucht die Wirtschaft?

Gesunde Mitarbeiter
Unternehmen brauchen arbeitsfähige Mitarbeiter, für deren Gesundheit sie sich z. B. mit einem wirksamen Arbeitsschutz arrangieren.         

Was ist zu tun?

Gesundheit verbessern, Arbeitgeberrechte stärken

Arbeitsunfähigkeit korrekt feststellen:
Ärzte dürfen Arbeitsunfähigkeit nicht leichtfertig oder zu Unrecht feststellen und müssen immer die vom Arbeitnehmer ausgeüb-te Tätigkeit berücksichtigen. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen muss ihre Mitglieder hierfür sensibilisieren. Außerdem muss die Landesärztekammer Hessen ihre Aufsichtspflicht wahrnehmen und Ärzte, die zu Unrecht, zu häufig oder zu lange krankschreiben berufsrechtlich zur Verantwortung ziehen.

Ungerechtfertigte Entgeltfortzahlung verhindern
Vorerkrankungszeiten, die entscheidend für die Dauer des Entgeltfortzahlungsanspruchs sind, müssen von den Kranken-kassen korrekt erfasst werden. Dies sollte durch regelmäßige Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) sichergestellt werden.

Gesundheit verbessern
Der Gesetzgeber sollte die Eigenverantwortung jedes Einzelnen durch mehr Kostentransparenz und eine höhere Selbstbe-teiligung der Versicherten wieder stärker ins Bewusstsein rufen. Das freiwillige Engagement der Arbeitgeber in der Gesundheitsförderung sollte steuerlich attraktiver werden.

Schnelle Rückkehr an die Arbeit
Bei Erkrankungen müssen die Reha-Träger (Rentenversicherung, Krankenkassen, Unfallversicherungsträger, Arbeitsagentur, Träger der Eingliederungshilfe und Integrationsamt) effektiv zusammenarbeiten, damit die Arbeitnehmer schnell wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können und chronische Erkrankungen und Behinderungen - wo es geht - verhindert werden.