Langzeitarbeitslosigkeit: Arbeitslose fördern und fordern

Um was geht es?

Langzeitarbeitslosigkeit in Hessen deutlich gesunken

Für die meisten Menschen ist Arbeitslosigkeit nur ein Übergang in eine neue Tätigkeit. Denn gegenwärtig sind rund zwei Drittel der Arbeitslosen nach maximal sechs Monaten wieder in Arbeit. Von Langzeitarbeitslosigkeit spricht man hingegen ab einer Dauer von 12 Monaten. Sie ist ein Kernproblem des Arbeitsmarkts in Deutschland und in Hessen.

Denn je länger die Arbeitslosigkeit dauert, des-to mehr gehen Grundtugenden wie Pünktlich-keit und Disziplin verloren. Einmal erworbene Qualifikationen werden durch lange Phasen der Nichtbeschäftigung entwertet und passen immer weniger zu den Anforderungen der Arbeitswelt. Langzeitarbeitslose finden deshalb mit fortschreitender Dauer immer schwerer ins Arbeitsleben zurück.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Hessen ist in den letzten 10 Jahren um 35.000 auf rund 50.000 zurückgegangen. Damit ist jeder dritte Arbeitslose in Hessen langzeitarbeitslos, darunter zwei Drittel ohne Berufsabschluss. Häufig kommen noch gesundheitliche Probleme hinzu. So kann z. B. eine nach wie vor unbekannte, mutmaßlich aber nennenswerte Zahl der Langzeitarbeitslosen aus gesundheitlichen Gründen nur drei, vier oder fünf Stunden täglich arbeiten. Für diese Personen ist die Rück-kehr in Arbeit besonders schwer.

Was braucht die Wirtschaft?

Auch Mitarbeiter ohne Berufsabschluss gesucht

Von den über 100.000 aktuell zu besetzenden Stellen in Hessen richten sich ca. 20.000 an niedrigqualifizierte Personen. Die hessische Wirtschaft kann jeden motivierten Mitarbeiter gebrauchen.

Was ist zu tun?

Chancen schaffen, Mitwirkung einfordern

Chancen auf Arbeit erhalten
Flexible Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse und Teilzeit sind für Langzeitarbeitslose das Sprungbrett in Beschäftigung. Diese Jobchancen dürfen nicht durch immer neue Regulierungen geschwächt werden.

Weniger Schulabbrecher
Die hessische Landesregierung muss die Zahl der Schulabbrecher und Personen ohne Berufsabschluss weiter reduzieren, indem sie vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Haushalten frühzeitig individuell fördert.

Dauererkrankungen verhindern
Die Jobcenter müssen gesundheitliche Einschränkungen der Langzeitarbeitslosen erfassen und frühzeitig RehaMaßnahmen einleiten, damit die Beschäftigungsfähigkeit schnell wieder hergestellt wird.

Ein Großfamilienmitglied in Arbeit
Aus den 6.800 Familien mit fünf oder mehr Mitgliedern in Hessen sollte priorisiert immer mindestens ein Erwachsener in Arbeit oder eine Maßnahme vermittelt werden, damit Kinder und Jugendliche ein Vorbild haben.

Ziel muss der erste Arbeitsmarkt sein
Der sog. soziale Arbeitsmarkt kommt nur für einen sehr kleinen Personenkreis in Frage: mindestens sieben Jahre langzeitarbeitslos mit gesundheitlichen Einschränkungen.

Mitwirkung einfordern
Ein funktionsfähiger Sanktionsmechanis-mus ist unentbehrlich für die konsequente Aktivierung von Langzeitarbeitslosen.