Versorgungssicherheit Strom: Kohleausstieg nicht politisch übereilen. Keinen Blackout riskieren!

Um was geht es?

Bei gleichzeitigem Kohle- und Atomausstieg droht 2023 Versorgungslücke

Die Stromnachfrage in Deutschland liegt bei 70 bis 80 Gigawatt (GW). Das Bundeswirschaftsministerium (BMWi) rechnet mit in der Spitze 89 GW. Derzeit gibt es eine jederzeit verfügbare Kraftwerkskapazität von 105 GW, die hauptsächlich von Kohle-, Atom-, Gas- und Biomassekraftwerken bereitgestellt wird.

Die Kommission „Wachstum, Strukturwandel, Beschäftigung“ (sog. Kohlekommission) hat einen raschen nationalen Kohleausstieg empfohlen. Bis Ende 2022 sollen Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke stillgelegt werden: Ihre sichere Kraftwerksleistung soll um 12 GW auf 30 GW reduziert werden. Gleichzeitig gehen 9,5 GW Kernenergie vom Netz. Insgesamt soll bis Januar 2023 gesicherte Leistung in Höhe von 21,5 GW abgeschaltet werden. Hinzu kommt die planmäßige Abschaltung alter Kraftwerke.

Noch vor den Beschlüssen der Kommission haben die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Zahlen vorgelegt, wonach auch ohne Abschaltung der Kohlekraftwerke bereits im Januar 2021 eine Versorgungslücke von rund 5,5 GW im deutschen Stromsystem zu erwarten ist. Würden die Empfehlungen der Kommission umgesetzt, wüchse die Versorgungslücke bis Januar 2023 auf rund 14 GW an, weil zudem alte Kraftwerke regulär ausscheiden. Diese drohende Unterversorgung wird von der Politik derzeit nicht ausreichend wahrgenommen.

Ein verstärkter Ausbau von Wind- und Solarenergie kann diese Lücke nicht sicher schließen, da gerade im Winter häufig „Dunkelflaute“ herrscht. So lag die Stromnachfrage am Donnerstag, 24.01.2019, 18:00 Uhr bei 81,7 GW. Wind und PV lieferten lediglich 1,5 GW – trotz einer installierten Leistung von 90 GW. Das zeigt, dass Wind und PV kaum etwas zur Versorgungssicherheit beitragen können.

Was braucht die Wirtschaft?

Das Stromsystem muss jederzeit zuverlässig den Bedarf decken!

Eine zuverlässige Stromversorgung ist für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Deutschland unverzichtbar.

Zu wenig gesicherte Kraftwerkskapazität 2023
 
Quelle: BMWi, Juni 2019; ÜNB Januar 2019

Was ist zu tun?

Keine übereilten Abschaltungen
Abschalten nur bei sicherer Versorgung    
Bevor die Bundesregierung die Abschaltung von Kohlekraftwerken veranlasst, muss sie anhand einer Kraftwerksliste darlegen, dass auch nach den Abschaltungen die Stromversorgung in Deutschland den Bedarf jederzeit sicher decken kann.    

Übertragungsnetze ausbauen:    
Der Ausbau der Stromübertragungsnetze hinkt den Planungen um Jahre hinterher. Bund und Länder müssen gewährleisten, dass die Nord-Süd-Verbindungen „Ultranet“ und „SuedLink“ zügig und kostengünstig fertig gestellt sind, bevor gesicherte Leistung abgebaut wird.