VhU Präsidentenbriefe – Überlegungen zur Bundestagswahl

Nr. 6 – Luftfahrt: Kurzstreckenflüge erhalten, Schnittstellen Bahn-Airport verbessern

Sehr geehrte Damen und Herren,

morgen beginnen in Hessen die Sommerferien. Das Mittelmeer lockt und viele fernere Ziele. Nur dank Flugzeug erreichen wir Traumstrände und erleben andere Kulturen. Auch als Kaufleute wissen wir: Die Luftfahrt eröffnet uns neue Märkte. Nicht nur im Geschäft mit Asien und Amerika, auch in Europa gilt: Wer persönlich zum Kunden oder in die Fabrik im Ausland will, muss fliegen. Auto oder Bahn sind nicht möglich oder würden viel zu lange dauern.

Umso mehr waren viele irritiert, als die grüne Parteichefin und Kanzlerkandidatin erklärte, dass Kurzstreckenflüge abzuschaffen seien. Frau Baerbock sagte im Interview der BILD am Sonntag am 16. Mai 2021: „Kurzstreckenflüge sollte es perspektivisch nicht mehr geben.“ Vermutlich wusste sie nicht, dass ein Kurzstreckenflug bis 1 500 Kilometer reicht, oder doch? Ohne Kurzstreckenflüge gäbe es keine Flüge von Frankfurt nach Dublin, Tallinn, Tunis oder nach Mallorca.

Kurze Direktverbindungen sind nicht nur für Touristen und Geschäftsleute innerhalb Europas wichtig. Sie fungieren auch als Zubringer für die Langstrecke und garantieren gute Anbindungen in die Welt. Mit der Forderung nach Abschaffung von Kurzstreckenflügen legen die Grünen die Axt an unseren Weltflughafen Frankfurt. Dieser „hub“ ist gerade wegen der Drehkreuzfunktion global bedeutsam und so einer der wichtigsten Standortfaktoren der hessischen Wirtschaft.

Auch ökologisch wäre die Abschaffung von Kurzstreckenflügen kontraproduktiv. Der innereuropäische Luftverkehr ist bereits vom EU-Emissionshandel (ETS) mit sinkendem CO2-Deckel erfasst und erreicht – gemeinsam mit den anderen ETS-Branchen Industrie und Stromerzeugung – die Minderungsziele punktgenau. Mehr Klimaschutz ist durch neue Regulierung innerhalb der EU nicht zu erzielen. Nur der CO2-Deckel ist relevant. Übrigens: Auch das Fliegen ist treibhausgasneutral möglich: Mit synthetisch hergestelltem Kraftstoff auf Basis erneuerbarer Energien.

Verbot oder Verteuerung innereuropäischer Kurzstreckenflüge würde die Umsteigeverkehre zu Hubs außerhalb der EU verlagern. Beispiel: Berlin nach Kapstadt: Man würde künftig in Istanbul umsteigen, nicht mehr in Frankfurt. Der Flug Berlin-Istanbul wäre nicht mehr vom ETS und der CO2-Minderung erfasst – im Unterschied zum bisherigen Zubringerflug Berlin-Frankfurt.

Auch der Umstieg auf die Bahn stößt in der Praxis an zeitliche Grenzen: Die meisten Hessen können natürlich gut mit der Bahn zum Flughafen fahren. Aber wer aus Hamburg oder Berlin kommt und einen Langstreckenflug ab Frankfurt erreichen will, ist froh, dass er mit seinem Gepäck im Flieger pünktlich nach Frankfurt kommt – und nicht mit Koffern am Bahnsteig steht.

Erfreulicherweise ist die Bahn immer attraktiver geworden, dank Hochgeschwindigkeitsverbindungen, auch ins Ausland. Innerdeutsch steigt der Anteil der Flüge auf langen Strecken, z. B. Berlin-Stuttgart oder Hamburg-München. Hier ermöglicht es das Flugzeug als einziges Verkehrsmittel, an einem Tag an- und abzureisen und am Zielort Termine wahrzunehmen.

Statt Kurzstreckenflüge abzuschaffen, sollte die Politik helfen, die Schnittstellen von Bahn- und Luftverkehr zu verbessern: mehr Bahnverbindungen unter 3 Stunden, Ausbau der Schiene, Verbesserung des Gepäcktransports auf der Schiene und mehr Anschlusssicherheit. Dafür wäre u. a. eine drastische Verkürzung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Infrastrukturen nötig, was die Grünen bislang tendenziell blockieren. Davon würden wir in Hessen besonders profitieren. Schon heute ist der Frankfurter Flughafen die europäische Nummer 1 beim Thema Intermodalität.

Wenn Sie diesen Brief an Interessierte weitergeben, würde ich mich freuen. Gerne stehe ich Ihnen für einen politischen Dialog zur Verfügung. Ich freue mich auf Ihr Feedback: wmang@vhu.de

Ich wünsche Ihnen später einen guten Start in das Wochenende.

Freundliche Grüße
 
Wolf M. Mang
VhU-Präsident