VhU Präsidentenbriefe – Überlegungen zur Bundestagswahl

Nr. 9 – Wohnen: Investitionsanreize für zusätzliche Wohnungen setzen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Fachkräftesuche wird immer öfter zur Wohnungssuche: Wo sollen unsere neuen Mitarbeiter und ihre Familien wohnen? Es liegt im ureigenen Interesse von uns Unternehmern, dass sich die Lage auf den Wohnungsmärkten entspannt. Damit der Anstieg der Mieten und Immobilienpreise endlich gedämpft wird, muss das Angebot an Wohnraum schneller steigen.

Viele in der Politik behandeln Wohnen als „die soziale Frage unserer Zeit“. Die Bundestagswahl ist eine Richtungsentscheidung für alle, die heute oder zukünftig auf Wohnungssuche sind, und damit indirekt auch für uns Arbeitgeber: Sollen wir als Gesellschaft versuchen, mit mehr Regulierung das knappe Gut Wohnraum möglichst „gerecht“ zu verteilen? Oder setzen wir auf mehr Angebot und mehr private Investitionen durch fairen Wettbewerb und Deregulierung, damit der Markt zumindest mittel- bis langfristig Angebot und Nachfrage ausgleicht?

SPD und Grüne streben Nachschärfungen bei der Mietpreisbremse an und wollen den Betrachtungszeitraum beim Mietspiegel weiter erhöhen. Die Grünen wollen hierfür sogar Mietverträge der letzten 20 Jahre heranziehen, obwohl der Zeitraum eben erst auf 6 Jahre verlängert wurde. Würden tatsächlich Mietverträge von 2001 zur Berechnung der aktuellen Mietspiegel betrachtet, müssten wohl viele Mieten gesenkt werden. Letztlich wäre das ein Mietendeckel durch die Hintertür. Auch die CO2-Kosten wollen SPD und Grüne voll auf die Vermieter umlegen, damit Mieten nicht weiter steigen. Die Grünen wollen das Gleiche sogar noch für die Grundsteuer.

So eine Politik, wir kennen es bereits aus Berlin, sorgt leider nicht für zusätzliche Wohnungen. Sie verhindert, dass private Investitionen in neue Wohnungen getätigt werden. Wohnungssuchende haben das Nachsehen – und mit ihnen Unter­nehmen, die freie Stellen nicht besetzen können. Es muss vor allem mehr gebaut werden! Auf Bundesebene hilfreich wäre eine verbesserte steuerliche Abschreibung im Wohnungsbau, wie sie CDU/CSU und FDP vorschlagen. Und klar ist auch: Die Kommunen müssen endlich mehr neue Bauflächen zur Verfügung stellen, auch und gerade für private Investoren, nicht nur für die eigenen öffentlichen Unter­nehmen.

Die ganz einfache Logik „Alles, was schlecht für Vermieter ist, ist gut für Mieter“ ist zu wenig nachgedacht. Der beste Schutz vor zu teuren Mieten ist, wenn Wohnungssuchende tatsächlich eine Auswahl haben. Dafür braucht es Wettbewerb und Anreize für private Investitionen in zusätzliche Wohnungen. So paradox das für Teile der Politik auch klingen mag: der beste Mieterschutz ist weniger Regulierung.

Wenn Sie diesen Brief an Interessierte weitergeben, würde ich mich freuen. Gerne stehe ich Ihnen für einen politischen Dialog zur Verfügung. Ich freue mich auf Ihr Feedback: wmang@vhu.de

Ich wünsche Ihnen später einen guten Start in das Wochenende.

Freundliche Grüße
 
Wolf M. Mang
VhU-Präsident