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Chance auf längeres Leben!

Wiesbaden. „Who wants to live forever?“ Mit dieser Frage, gestellt in einem Megahit über das ewige Leben, begann der 28. Hessische Unternehmertag am 5. November in Wiesbaden. Die Ballade um den unsterblichen Krieger Highlander von der legendären Rockband Queen stimmte die rund 1.000 geladenen Gäste im Wiesbadener Kurhaus auf das Thema „Digital gesund?“ ein.

Generationengerechte Gesundheitspolitik

Nach Expertenmeinung erlebt die Medizin durch die Digitalisierung aktuell vielleicht die größte Revolution seit der Erfindung des Penizillins. Im Silicon Valley geben Firmen bereits Milliarden aus, damit Wissenschaftler und Ingenieure das Altern aufhalten und den Tod vielleicht sogar abschaffen. Wolf Matthias Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), beantwortete jedoch gleich zu Beginn seiner Begrüßungsrede die Frage nach dem ewigen Leben für sich klar mit: „Nein danke! Mich beruhigt die bislang gültige Endlichkeit unseres Erdendaseins.“ Als Vater zweier Kinder sei er gerne Anwalt der nächsten Generationen. „Aber wir brauchen eine personalisierte Medizin, die künstliche Intelligenz nutzt und digital gesünder macht, eine generationengerechte Gesundheitspolitik, die mehr persönliche und ärztliche Prävention ermöglicht, und ein bezahlbares Gesundheitssystem“, betonte der Unternehmer.

Das größte Potenzial sehen Fachleute laut Mang in einer personalisierten, auf jeden Patienten individuell zugeschnittenen Medizin, die auf Prävention setzt. In Forschung und Entwicklung gehe es darum, Datenbanken nutzbar zu machen und Wissen intelligent zu verknüpfen und zu teilen. Mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz könnten neue Medikamente schneller und günstiger zur Marktreife kommen.

Digital gesund bedeute folglich eine bessere persönliche und auch ärztliche Vorsorge sowie mehr geteiltes Wissen über Krankheiten. Die zahlreichen medizinisch-technischen Neuerungen treffen aber schon heute auf eine Gesellschaft mit immer mehr älteren Menschen. „Deshalb dürfen wir den jüngeren Generationen keine unzumutbare Last aufbürden“, so Mang. Er forderte, die Sozialversicherungsbeiträge bei maximal 40 Prozent des Gehalts zu deckeln. Für ihn steht fest: „Die digitale Gesundheitspolitik muss generationengerecht, transparent und demokratisch legitimiert sein.“

Europas innovativster Pharmastandort

„Kluge Köpfe in den Unternehmen und der Wissenschaft müssen innovative Lösungen für die ökonomischen, sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit entwickeln, und das gilt auch für den Bereich der Gesundheitsversorgung, um die wir in der ganzen Welt beneidet werden“, erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier. Die Grundlage hierfür legten die Unternehmen der Gesundheitsindustrie und ihre mehr als 90.000 Beschäftigten mit der Entwicklung hochwirksamer Arzneimittel und modernster medizintechnischer Geräte. Bouffier: „Hessen ist der innovativste Pharmastandort in ganz Europa, dank hervorragender Forschungs- und Produktionsbedingungen.“ Fast ein Viertel des Umsatzes der deutschen Pharma­branche wird in Hessen erwirtschaftet. „Im Ländervergleich ist das absolute Spitze, und wir müssen weiter daran arbeiten, dass dies so bleibt.“

Wie die Medizintechnik- und Pharmaunternehmen als Systemanbieter für digitale Gesundheit den Weg in die Zukunft bahnen, war das Thema von Heinz-Walter Große, Mitglied des Vorstands der B. Braun Familienholding in Melsungen. Er erläuterte unter anderem die digitale Patientenakte sowie die Vernetzung von Patienten und medizinischem Fachpersonal und zeigte den Einsatz künstlicher Intelligenz im OP-Saal, die chirurgische Eingriffe sicherer macht.

Gesundheit von Menschen schützen und verbessern

Politik und Wirtschaft müssten die Voraussetzungen für ein digitalisiertes Gesundheitssystem schaffen. Die Digitalisierung biete vielfältige Chancen: „Das Ausmaß ist derzeit nicht abschätzbar. Umso wichtiger ist es, sich offen und ohne selbst gemachte Grenzen mit allen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, um die Gesundheit von Menschen zu schützen und zu verbessern.“ Und er rief dem faszinierten Auditorium zu: „Planen Sie schon mal Ihren 100. Geburtstag!“


TEXT: MAJA BECKER-MOHR