28. Hessischer Unternehmertag: „Digital gesund?“

Mang: Generationengerechte Gesundheitspolitik! // Bouffier: „Fast ein Viertel des deutschen Pharmaumsatzes in Hessen erwirtschaftet“ // Große: „Visualisierung im KI-OP macht chirurgische Eingriffe sicherer“

Wiesbaden. Mit der Digitalisierung erlebt die Medizin aktuell die vielleicht größte Revolution seit der Erfindung des Penicillins. Das größte Potenzial sehen Fachleute in einer personalisierten Medizin, die auf Prävention setzt.

In Forschung und Entwicklung geht es darum, Datenbanken nutzbar zu machen und das Wissen intelligent zu verknüpfen und zu teilen. Um mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz schneller und günstiger neue Medikamente marktfähiger zu machen. Digital gesund heißt: bessere persönliche Vorsorge, bessere ärztliche Vorsorge und mehr geteiltes Wissen über Krankheiten. Dies war das Thema beim 28. Hessischen Unternehmertag (HUT) am 5. November in Wiesbaden. Rund 1.000 Gäste hörten im Kurhaus Wiesbaden die Impulsvorträge von Prof. Dr. Heinz-Walter Große, Mitglied des Vorstands der B. Braun Familienholding, des Ministerpräsidenten Volker Bouffier und von Wolf Matthias Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).

Hessen ist führender Pharmastandort Deutschlands und der innovativste in Europa

„Kluge Köpfe in den Unternehmen und der Wissenschaft müssen innovative Lösungen für die ökonomischen, sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit entwickeln. Das gilt für den Bereich der Gesundheitsversorgung, um die wir in der ganzen Welt beneidet werden. Die Grundlage hierfür legen die Unternehmen der Gesundheitsindustrie und ihre mehr als 90.000 Beschäftigten mit der Entwicklung hochwirksamer Arzneimittel und der Herstellung modernster medizintechnischer Geräte.

Hessen ist nicht nur der führende Pharmastandort Deutschlands. Er gilt als der innovativste in ganz Europa. Das liegt vor allem auch daran, dass Unternehmen hervorragende Forschungs- und Produktionsbedingungen in Hessen vorfinden. Fast ein Viertel des Umsatzes der deutschen Pharmabranche erwirtschaften die hessischen Unternehmen. Das ist im Vergleich mit anderen Bundesländern absolute Spitze. Gemeinsam müssen wir weiter daran arbeiten, dass dies so bleibt“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier.

Generationengerechte Gesundheitspolitik für eine personalisierte Medizin mit KI

„Im Silicon Valley versuchen Firmen und Ingenieure, den Tod abzuschaffen. Dazu sage ich: Nein, danke! Mich beruhigt die bislang gültige Endlichkeit unseres Erdendaseins: Als Vater zweier Kinder bin ich gerne Anwalt der nächsten Generationen. Was wir brauchen? Eine personalisierte Medizin, die KI nutzt und digital gesünder macht. Eine generationengerechte Gesundheitspolitik, die mehr persönliche und ärztliche Prävention ermöglicht. Und ein bezahlbares Gesundheitssystem“, sagte Wolf Matthias Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Die zahlreichen medizinisch-technischen Neuerungen treffen aber schon heute auf eine Gesellschaft mit immer mehr älteren Menschen. Deshalb dürfen wir den jüngeren Generationen keine unzumutbare Last aufbürden.

Dafür müssen wir die Sozialversicherungsbeiträge bei maximal 40 Prozent des Gehalts deckeln. Wie kann eine gute digitale Gesundheitspolitik aussehen? Digitale Gesundheitspolitik heißt zum einen Krankheitsvermeidung durch mehr Vorsorge, besseres Monitoring, bessere Diagnostik. Digitale Gesundheitspolitik heißt auch, dass für die bestmögliche Behandlung alle relevanten Informationen vorliegen müssen. Ein entscheidender Baustein ist eine funktionierende elektronische Gesundheitskarte, wie es sie in den skandinavischen Ländern bereits, aber bei uns leider noch nicht gibt. Außerdem muss digitale Gesundheitspolitik generationengerecht, transparent und demokratisch legitimiert sein, um das Notwendige vom bloß Wünschbaren zu trennen.“

 Komplette Begrüßungsrede von VhU-Präsident Wolf Matthias Mang


Als Systemanbieter für digitale Gesundheit den Weg in die Zukunft bahnen

Wie die Pharma- und Medizintechnikanbieter als Systemanbieter für digitale Gesundheit den Weg in die Zukunft bahnten war das Thema von Prof. Dr. Heinz-Walter Große, Mitglied des Vorstands der B. Braun Familienholding. Er erläuterte die digitale Patientenakte als Voraussetzung für Digitalisierung des Gesundheitssystems. Er zeigte auf, wie flächendeckend inzwischen die Heimdialyse das Leben der Patienten einfacher macht und das Gesundheitssystem entlastet. Welche Chancen die End-to-End-Vernetzung von Patienten und medizinischem Fachpersonal schafft und wie das die Interaktion verbessert. Wie der Operationssaal heute schon Künstliche Intelligenz einbaut und durch einzigartige Visualisierung chirurgische Eingriffe sicherer macht.

Sein Fazit: „Politik und Wirtschaft müssen die Voraussetzungen schaffen, um ein digitalisiertes Gesundheitssystem entwickeln zu können. Die Digitalisierung bietet vielfältige Chancen in nahezu allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft, sei es in der Arbeit und Ausbildung von medizinischem Fachpersonal, in  der Herstellung und Entwicklung von Medikamenten und Medizinprodukten, der Diagnostik oder in innovativen Behandlungsalternativen. Das Ausmaß digitaler Gesundheit der Zukunft ist derzeit nicht abschätzbar. Umso wichtiger ist es, sich offen und ohne selbstgemachte Grenzen mit allen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, um die Gesundheit von Menschen zu schützen und zu verbessern“. 

Zurück zur Übersicht
Ansprechpartner
Ulrich Kirsch

Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse