Bedarf an MINT-Arbeitskräften in Hessen unverändert groß

Pollert: „Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit für die Fachkräftesicherung und eine hessische Fachkräfteoffensive 4.0“ / MINT-Bildung und Industriestandort in Hessen stärken

Frankfurt am Main. Für hessische Unternehmen bleibt es schwierig, ihre offenen MINT-Stellen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) mit geeigneten Fachkräften zu besetzen. Das belegt der MINT Frühjahrsreport 2019 des Instituts der deutschen Wirtschaft.

„Im April 2019 zählte die MINT Lücke in Hessen rund 31.700 Stellen, die nicht durch das Arbeitskräftepotenzial auf dem Arbeitsmarkt besetzt werden konnten. Der Druck auf die Unternehmen bleibt damit im Vergleich zum Herbst unverändert hoch“, so Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), zu den Ergebnissen des Frühjahrsreport.

Die fehlenden Fachkräfte würden mittel- und langfristig zum Risiko für den Standort Hessen, warnt Pollert: „Fehlen die geeigneten Mitarbeiter, hat das natürlich Auswirkungen auf die Produktivität und die Innovationskraft der Unternehmen. Das ist in einem ressourcenarmen Land mit einer starken Industrie natürlich fatal.“ Abhilfe sieht Pollert beispielsweise in einem besseren Matching von Bewerbern und Unternehmen: „Den offenen Stellen stehen rund 10.000 Arbeitslose in Hessen gegenüber, die eine MINT-Ausbildung haben. Dieses Potenzial müssen wir besser nutzen.“ Selbst eine optimales Matching würde jedoch nicht ausreichen, um den Bedarf insgesamt zu decken, so Pollert: „Die Unternehmen sehen sich heute und morgen mit einem deutlichen Engpass konfrontiert, denn im Schnitt blieben zwei Drittel der Stellen unbesetzt.“

Aus dem Grund seien Unternehmen gefordert, weitere Zielgruppen in den Blick zu nehmen. Hessen profitiere dabei im erheblichen Maße und im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich von ausländischen Fachkräften: „Rund jeder zehnte MINT-Beschäftigte hat ausländische Wurzeln. Damit liegt Hessen als eines von fünf Ländern über dem bundesweiten Durchschnitt. Ohne die Beschäftigung von ausländischen Mitarbeitern, könnte der Fachkräftebedarf der Unternehmen nicht gedeckt werden. Das gilt insbesondere für Südhessen und hier insbesondere den Odenwaldkreis und die Stadt Offenbach, wo jede fünfte MINT-Fachkraft aus dem Ausland stammt.“

Weitere Maßnahmen sieht Pollert in Investitionen in die MINT-Bildung und die Berufsorientierung. „Es muss gelingen, noch mehr Jugendliche für die Berufe zu begeistern. Denn sie bieten Jugendlichen beste Chancen, sei es beim Einkommen, den Aufstiegsmöglichkeiten oder der Sicherheit der Arbeitsplätze. Junge Menschen davon zu überzeugen, da sind wir alle gefordert – Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Politiker, Lehrer und Eltern.“ Außerdem wünsche sich Pollert in Hessen insgesamt wieder mehr Aufmerksamkeit für das Thema Fachkräftesicherung: „Die hessische Fachkräfteoffensive, die vor Jahren bereits gestartet wurde, befürworten wir sehr. Von der Landesregierung erwarten wir in der laufenden Legislaturperiode neue Impulse und empfehlen, bisherige Maßnahmen auf den Prüfstand zu stellen und die Fachkräfteoffensive 4.0 zu starten.“

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