Corona-Krise

Mang: „Wirtschaft ist erleichtert, dass Bund und Länder zumindest einige Geschäfte und Schulen vorsichtig und schrittweise wieder öffnen“ // Ruths: „Für eine diskriminierungsfreie Wiederöffnung der Geschäfte“ // Kink: „Enttäuschung über andauernde Schließung, aber Verständnis für Vorfahrt des Gesundheitsschutzes!“

Frankfurt am Main. „Die hessische Wirtschaft ist erleichtert, dass Bund und Länder erwägen, zumindest einige Geschäfte und auch Schulen in den kommenden Wochen vorsichtig und schrittweise wieder zu öffnen. Es ist eine gute Nachricht, dass immer mehr Wissenschaftler zu der Einschätzung kommen, dass die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland offenbar wirksam verlangsamt worden ist. Klar bleibt: Die Gefahr ist noch lange nicht gebannt“, sagte der Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), Wolf Mang nach der heutigen Telefonkonferenz der Bundeskanzlerin und der Regierungschefs der Länder.

Für Hessen erwartet Mang, dass die Landesregierung nun zügig „erste Lockerungen für die Zeit nach den Osterferien in Bereichen beschließen werde, in denen der Abstand zwischen Personen eingehalten werden kann. Dazu sollten neben dem Einzelhandel auch möglichst schnell Restaurants zählen.“ Wenn Geschäfte wieder öffnen, werde auch die Industrie profitieren, so Mang: „Je früher die Autohäuser wieder öffnen dürfen und Autos verkaufen können, desto eher kann die Herstellung von Autos wieder aufgenommen werden. Das sichert dann auch die Jobs bei vielen Zulieferbetrieben in Hessen. Das gilt auch für viele andere Industriezweige.“

Jochen Ruths, Präsident des Handelsverband Hessen, sagte: „Die schrittweise Rückkehr zum Geschäftsbetrieb sollte für den gesamten Einzelhandel und nicht nur für einen Teil davon ermöglicht werden. Lockerungen sollten nicht nach Betriebsgröße, Verkaufsfläche oder Einzelhandelsbranchen differenzieren. Dies würde Wettbewerbsverzerrungen und Rechtsunsicherheit verursachen. Alle Geschäfte sollten ihre Räume wieder öffnen dürfen, in denen die Anzahl der Kunden begrenzt und der Abstand von Personen gewährleistet werden können. Ich denke etwa an Kleidungs- und Schuhgeschäfte, Möbel- und Einrichtungsgeschäfte oder Elektrofachgeschäfte. Nicht nur Buchhandlungen und Verkaufsstellen für Autos oder Fahrräder können die Anforderungen erfüllen. Zur Limitierung der Personenzahl in Räumen bzw. pro Fläche kann man sich daran orientieren, was für Bäckereien und Supermärkte gilt.

Wir begrüßen es ausdrücklich, dass erste Öffnungen des Einzelhandels wieder in Betracht gezogen werden, gleichwohl vermissen wir eine nachvollziehbare Stringenz, die berücksichtigt, dass gerade in großflächigen Betrieben wesentlich einfacher z.B. Abstandsgebote einzuhalten sind. Der Einzelhandel in Hessen ist bereits heute in der Lage und bereit, einheitliche Hygienestandards und klare Maßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung der Pandemie einzuhalten und umzusetzen. Wir fordern auf dieser Grundlage eine diskriminierungsfreie Wiederöffnung der Geschäfte.“

Gerald Kink, Präsident des Hotel- und Gastronomieverbands DEHOGA Hessen, sagte: „Natürlich sind wir als Branche enttäuscht, dass wir heute kein konkretes Datum für das schrittweise Wiederhochfahren unserer Betriebe erfahren haben. Aber auch wir akzeptieren den grundsätzlichen Vorrang medizinisch gebotener Notwendigkeiten vor wirtschaftlichen Überlegungen. Es wäre fatal, wenn wir zu früh wieder für unsere Gäste öffnen und dann aufgrund dramatisch hochschnellender Infektionszahlen ein erneuter Shutdown drohen würde. Dieser wäre für uns alle noch weitaus schlimmer. Jetzt kommt es für uns darauf an, wie wir gemeinsam mit der Politik das Bestehen unserer Betriebe weiter sichern können. Unsere Unter­nehmen wie die Bürgerinnen und Bürger auch, brauchen eine Perspektive.“
Ruths und Kink sagten: „Den Abstand zu wahren und die Schutzregeln einzuhalten – das ist in allen Betrieben im Einzelhandel und auch in der Gastronomie machbar und wird beachtet. Die Politik sollte jetzt keine diskriminierenden Vorgaben im Zuge der Lockerungen machen.“

VhU, Handelsverband und DEHOGA begrüßten, dass schnellstmöglich ab Ende April in Hessen auch eine schrittweise und differenzierte Öffnung von Schulen, insbesondere der Abschlussklassen sowie hoffentlich auch der Berufsschulen, angestrebt werde – soweit es die Erfordernisse des Infektionsschutzes erlauben, erklärten Mang, Ruths und Kink.

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