Ein Paket für den Tourismus in Hessen

Gemeinsame Position, 24. Februar 2021

Erwartungen an den Bund und das Land

1.Durch die Krise helfen

1.1.Finanzielle Soforthilfen
Bund und Land:Wirtschaftshilfen und Förderprogramme kraftvoll fortsetzen. Keine Diskriminierung aufgrund der Unter­nehmensgröße (Mitarbeiterzahl, Umsatzgröße). Größere wie kleinere Unter­nehmen müssen Hilfen erhalten können. Misch-und Verbundunternehmen müssen ebenfalls antragsberechtigt sein.

1.2.Förderprogramm Belüftungs- und Luftreinigungssysteme
Land: Neues branchenübergreifendes Investitionsprogramm für Belüftungs-und Luftreinigungssysteme schaffen, flankierend zur möglichen Berücksichtigungim Rahmen der Überbrückungshilfe III.

1.3.Öffnungskonzept
Bund und Land: Verlässliches, transparentes Öffnungskonzept erarbeiten, das Planungssicherheit schafft. Ziel müssen erkenntnisbasierte Kriterien sein, die auch eine Differenzierung auf Basis der vorgehaltenen Hygiene-und Schutzkonzepte ermöglichen. Notwendig sind langfristige Strategien auch für etwaige künftige pandemische Situationen, um einen angemessenen Vorlauf zu gewährleisten.

1.4.Kontakt
Land: Unterstützung in der Gastkommunikation als Bestandteil des Tourismusmarketing. Durch die Corona-Krise ist eine Anpassung der Außenansprache erforderlich. Dies gilt sowohl für das Messe-und Kongressmarketing, die Tourismuswerbung für das Reiseland Hessen und seine Destinationen als auch entsprechende Unterstützung der Destinationsorganisationen selbst.Unterstützung beidigitalen Programmen für die Kontaktnachverfolgung sollte nicht auf Einzelbetriebe wie derzeit beschränkt bleiben, sondernals Gemeinschaftsprodukt einer ganzen Region erweitert werden.

1.5. Arbeitszeit
Bund: Moderne, praxisgerechte Arbeitszeitregeln: Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit zu Gunsten einer wochenbezogenen Betrachtung und Übernahme weiterer Flexibilisierungsmöglichkeiten aus dem EU-Recht.

1.6. Digitale Infrastruktur
Land: Den flächendeckenden und schnellstmöglichen Ausbau von Glasfaser und 5G erleichtern, unter anderem durch Unterstützung von Landkreisen und Gemeinden.

1.7.Bürokratieabbau und E-Government
Bund und Land:Bürokratieabbau, Digitalisierung und Vereinfachung von Verwaltungsleistungen auf ein neues Level heben. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel: weg von dem Anspruch, Risiken auf nullzu reduzieren und hin zu Reaktionsmöglichkeiten auf neue Erfordernisse und Situationen. Digitale Lösungen müssen umfassend ermöglicht werden, beispielsweise durch den Einsatz von Sensorik anstelle händischer Prüfungen oder die voll digitalisierte Erfüllung von Aufzeichnungs-und Meldepflichten. Die Notwendigkeit regulierender Eingriffe und der Eingriffsintensität, beispielsweise vorgegebener Intervalle, muss regelmäßig auf den Prüfstand gestellt werden, ob es sich um Gesetze, Verordnungen oder die Verwaltungspraxis handelt.

1.8. Nachwuchskräftesicherung
Bund und Land: Unterstützung der Arbeit von Kammern und Verbänden, die sich im Bereich der Ausbildungssicherung engagieren.

1.9.Besteuerung
Bund: Die Unter­nehmensbesteuerung muss auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau abgesenkt werden: Von derzeit mehr als 30 Prozent zumindest auf 25 Prozent. Die Reduzierung der Mehrwertsteuersätze in der Gastronomie muss als Stärkung des Unternehmertums auf dem Weg aus der Krise heraus betrachtet werden und deshalb auch Getränke umfassen. Hier handelt es sich auch um eine Maßnahme, die dazu beiträgt, den durch die staatlich angeordneten Betriebsschließungenaufgebauten Schuldenberg über die kommenden Jahre abzutragen und die Investitions-und damit Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten.

1.10. Modernisierung
Land: Gaststätten bei der Modernisierung weiter unterstützen, um die gewachsene Land-schaft nicht nur zu erhalten, sondern zugleich für die Zukunft zu rüsten.

1.11. Klimaanpassung
Land: Klimaanpassungsstrategien stärken und fördern, um den sich bereits in vielen Regio-nen abzeichnenden Auswirkungen des Klimawandels mindestens einen Schritt voraus zu sein.

1.12.Mobilität
Bund und Land: Mobilitätsangebote fürTourismusregionen verbessern: Bund und Land: Die Verkehrsinfrastruktur muss zügig weiter ausgebaut werden und den sich wandelnden Anforderungen beispielsweise an vernetzte Mobilität Rechnung tragen. Bund: Wo neue Erwartungen an die gewerbliche Wirtschaft gestellt werden, etwa beim Vorhalten von Lademöglichkeiten, müssen wirtschaftlich tragfähige Konzepte für die Refinanzierung immer mitbedacht und bei Bedarf regulativ erleichtert oder die Umsetzung gefördert werden. Land: Angebote im ÖPNV müssen stärker auf typische Mobilitätsanforderungen des Gastes auf der „letzten Meile“ und am Zielort ausgerichtet werden und dürfen nicht an Gemeinde-oder Landkreisgrenzen enden. Interkommunale Zusammenarbeit muss –nicht nur in diesem Bereich – gezielt gestärkt werden.

2. Neue Impulse setzen

2.1. Kommunikation
Land: Intensivierung der laufenden Kommunikation, um Gäste für Hessen zu begeistern, einschließlich gezielter Kampagnen zur Ansprache bestimmter Gruppen (z.B. inländische Zielgruppe) und Destinationstypen (z.B. Städte, Bäder) und noch weniger bekannter Regionen, sowie zur Bewerbung neuer Angebote. Um zu zeigen, dass Hessen gut aus der Krise kommt und zukunftsorientiert aufgestellt ist, gilt es auch in diesem Bereich, eine Vergleichbarkeit der Mittel mit unseren wichtigsten Wettbewerbern herzustellen.

2.2. Nachhaltigkeit
Land: Programme und Maßnahmen für Nachhaltigkeit stärker mit Tourismus zusammendenken und darauf ausrichten (z. B. Wandertourismus, Verknüpfung mit Mobilität).

2.3.Digitales
Land: Im Rahmen der Wirtschafts-und Regionalförderung kann das Land helfen, die digitale Professionalisierung der Betriebe und ihre Unterstützung bei der Schaffung neuer digital gestützter Angebote weiter zu intensivieren. Wichtiger Baustein ist eine Sensibilisierung für die Potenziale von Datenanalysen und darauf aufbauend der Datennutzung z. B. für die Optimierung bestehender betrieblicher Planungen oder die Etablierung neuer Lösungen. Eine einheitliche Anlaufstelle muss zügig aufgebaut werden, damit Einzelunternehmen und Destinationen beim Datenmanagement und der Implementierung neuer Tools und Konzepte kontinuierlich unterstützt werden können. Die Angebote kleiner und mittlerer Unter­nehmen in der digitalen Transformation sollten ausgebaut werden.

2.4. Forschung
Land: Es gilt, weiter über die Partner im Tourismus (insbesondere Hessischer Tourismusverband, HTV) Forschungsergebnisse zur Zukunft des Tourismus  in die Praxis zu transportieren und hierfür die notwendigen Mittel vorzusehen.

2.5.Wettbewerbe
Land:Um Innovationen generell zu fördern, sind Wettbewerbe ein geeignetes Instrument. Erste Ansätze können zum Beispiel Konzepte für den Städtetourismus der Zukunft oder flexiblere (Zwischen-)Nutzungsoptionen für touristische Infrastrukturen sein

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