Entgeltunterschiede

Pollert: Höchste Zeit für eine ehrlichere Lohndebatte! Entgeltunterschiede entstehen durch unterschiedliche Berufs- und Familienentscheidungen von Männern und Frauen

Frankfurt am Main. „Es sind private Entscheidungen in Beruf und Familie, die zu Entgeltunterschieden zwischen Frauen und Männern führen. Denn Frauen arbeiten häufiger als Männer in weniger gut bezahlten Branchen, Berufen und Anforderungsniveaus. Außerdem arbeiten Frauen viermal so häufig in Teilzeit, was die Übernahme von Führungspositionen erschwert. Wenn man diese Faktoren herausrechnet, bleibt zwar zunächst ein Verdienstunterschied von 6 Prozent. Doch dann fehlen immer noch weitere für die Entgelthöhe wichtige Faktoren, vor allem Berufsauszeiten oder Risikoeinstellungen. Deshalb: Pauschales Arbeitgeber-Bashing ist ungerecht und geht am Kern der Sache vorbei“, sagte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V. (VhU).
 
Richtig sei, dass Frauen durchschnittlich viel häufiger als Männer Sorgearbeit etwa bei der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen ausüben. Doch auch hier lägen die Gründe in privaten Entscheidungen, die wiederum individuell in Familie und Partnerschaft gemeinsam ausgehandelt werden müssten. „Klar ist: Die hessische Wirtschaft hat ein hohes Interesse, noch mehr gut qualifizierte Mitarbeiterinnen möglichst vollzeitnah zu beschäftigen. Je mehr Frauen und Mädchen sich nach Möglichkeit für gut bezahlte Vollzeitstellen in Landwirtschaft, Bau, Industrie, Handel und Energie bis zu Handwerk, Verkehr, Banken, Versicherungen und IKT begeistern, desto stärker sinkt der Entgeltunterschied“, so Pollert.
 
Frauen stellten am Arbeitsmarkt das größte Potenzial dar: „Hätten wir vergleichbare Erwerbs-quoten von Männern und Frauen, insbesondere mit Migrationshintergrund, stünden dem hessischen Arbeitsmarkt schlagartig rund 180.000 Frauen mehr zur Verfügung. Und selbst dann gäbe es noch viel Spielraum durch mehr Voll- statt Teilzeit.“ Der VhU-Hauptgeschäftsführer wies aber auch darauf hin, dass sich die Betreuungssituation von Kindern weiter entscheidend verbessern müsse, damit möglichst viele Eltern die Möglichkeit hätten, Vollzeit zu arbeiten: „Die Verbesserung des Kinderbetreuungsangebots, gerade für Kleinkinder, ist eminent wichtig. Hier besteht auch in Hessen noch eine erhebliche Lücke zwischen Betreuungsangebot und -nachfrage. Zu Recht hat sich die neue Landesregierung eine bessere Kinderbetreuung auf die Fahnen geschrieben.“


Hintergrund
Der sog. „Equal Pay Day“ bezeichnet nach Ansicht seiner Veranstalter den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen angeblich „umsonst“ arbeiteten. Bundesweit verdienten Frauen bei vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien unbereinigt 18 %, bereinigt um bestimmte entgeltrelevante Unterschiede 6 % weniger pro Stunde als Männer. Allerdings lässt auch dieser „bereinigte“ Entgeltunterschied keine Rückschlüsse auf eine angebliche Lohndiskriminierung zu, da weitere entgeltrelevante Daten wie etwa Berufsunterbrechungszeiten nicht berücksichtigt sind. Hessenweit beträgt der unbereinigte Entgeltunterschied zwischen den Geschlechtern bei Vollzeit-Erwerbstätigkeit rund 8,4 % (Hessischer Lohnatlas 2023). Allerdings gibt es auch Branchen und Kommunen, in denen Frauen durchschnittlich mehr als Männer verdienen, etwa als Fachkraft in personenbezogenen Dienstleistungsberufen und, abhängig vom Qualifikationsniveau, im Main-Taunus-Kreis sowie in der Stadt Offenbach. 

Weitere Informationen: Mitteilung des Statistischen Landesamtes Hessen 2024 – https://statistik.hessen.de/unsere-zahlen/verdienste/gender-pay-gap

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Patrick Schulze

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