Landtagsdebatte Energiepolitik

Bartholomäus: „Stromnetzstabilisierung kostete bundesweit 1,4 Mrd. Euro in 2017. Engpässe im Stromnetz machen weiteren Ökostromausbau unsinnig.“

Frankfurt am Main. Die Kosten für die Stabilisierung des Stromnetzes stiegen im Jahr 2017 auf den Rekordwert von 1,4 Milliarden Euro, wie die Bundesnetzagentur am Montag mitteilte. „Wieder zahlen Hessens Bürger und Betriebe die Zeche für den zu schnellen Ausbau der volatilen erneuerbaren Energien, mit dem der Netzausbau nicht Schritt hält.

Wind und Sonne richten sich nicht nach der Stromnachfrage. Dennoch erhalten Betreiber von Ökostromanlagen über das EEG feste Vergütungen – unabhängig davon, ob ihr Strom gebraucht wird oder transportiert werden kann. Weht der Wind nicht oder kann der Ökostrom nicht transportiert werden, springen konventionelle Kraftwerke ein, die ebenfalls vergütet werden müssen. Die Folge sind immer weiter steigende Kosten für die Stabilisierung des Stromnetzes, die bislang von den Stromkunden geschultert werden müssen. Das muss korrigiert werden!“, sagte Peter Bartholomäus, Vorsitzender des VhU-Energieausschusses und Vorsitzender der Geschäftsleitung des Industrieparkbetreibers InfraServ Wiesbaden, anlässlich der Debatte im Hessischen Landtag zu den steigenden Strompreisen.

Bartholomäus rief die hessische Landesregierung auf, sich auf Bundesebene energisch dafür einzusetzen, die staatliche Strompreisverteuerung zu beenden. Kurzfristig seien drei Maßnahmen nötig:

„Erstens dürfen in der laufenden EEG-Reform keine zusätzlichen Sonderausschreibungen für Windräder durchgesetzt werden. Das Stromnetz ist schon jetzt oft überlastet, wenn der Wind weht. Es wäre kontraproduktiv, Anlagen unabhängig von der Nachfrage ans Netz zu bringen.

Zweitens müssen Bundes- und Landesregierung den Ausbau der Stromnetze schneller voran bringen. Die Inbetriebnahme der sog. ‚Thüringer Strombrücke‘ zeigt, dass neue Kapazitäten im Stromnetz die Kosten für die Netzstabilisierung dämpfen können.

Drittens sollten die Betreiber von Ökostromanlagen künftig mit in die Verantwortung für ein stabiles Stromnetz genommen werden. Die Betreiber von Ökostromanlagen müssen die Energiewende und insbesondere den Ausbau, die Nutzung und die Stabilisierung der Stromnetze mitfinanzieren.“

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Vladimir von Schnurbein

Dr. Vladimir von Schnurbein
Leiter Energie-, Umwelt- und Klimapolitik