Landtagsdebatte zu Kohleausstieg

Bartholomäus: „Politik muss erklären, wie Stromversorgung sicher bleibt“ // Bereits 2023 droht Versorgungslücke von 23 Gigawatt

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) hat mit Unverständnis auf den heutigen Antrag der schwarz-grünen Koalition im Landtag reagiert, wonach der Kohleausstieg schnell umgesetzt und durch die wegbrechenden Kraftwerkskapazitäten vor allem durch Windkraft ersetzt werden sollten.

Frankfurt am Main. Peter Bartholomäus, Vorsitzender des VhU-Energieausschusses und Vorsitzender der Geschäftsleitung des Industrieparkbetreibers InfraServ Wiesbaden, sagte: „Eine zuverlässige Stromversorgung ist für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Deutschland unverzichtbar. Bevor die Politik die Abschaltung von Kohlekraftwerken beschließt, muss sie anhand einer Kraftwerksliste darlegen, wie die Stromversorgung auch nach den Abschaltungen jederzeit sicher bleibt.“

Die Stromnachfrage in Deutschland betrug 2018 in der Spitze gut 82 Gigawatt (GW). Derzeit gibt es eine jederzeit verfügbare Kraftwerkskapazität von 85 GW, die hauptsächlich von Kohle-, Atom-, Gas- und Biomassekraftwerken bereitgestellt wird. Die Kommission „Wachstum, Strukturwandel, Beschäftigung“ (sog. Kohlekommission) hat nun einen raschen nationalen Kohleausstieg empfohlen. Bis Ende 2022 sollen Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke stillgelegt werden: Ihre sichere Kraftwerksleistung soll um 12 GW auf 30 GW reduziert werden. Gleichzeitig gehen 9,5 GW Kernenergie vom Netz. Insgesamt soll bis Januar 2023 gesicherte Leistung in Höhe von 21,5 GW abgeschaltet werden.

Noch vor den Beschlüssen der Kommission haben die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Zahlen vorgelegt, wonach auch ohne Abschaltung der Kohlekraftwerke bereits im Januar 2021 eine Versorgungslücke von rund 5,5 GW im deutschen Stromsystem zu erwarten ist. Würden die Empfehlungen der Kommission umgesetzt, wüchse die Versorgungslücke bis Januar 2023 auf rund 23 GW an, weil zudem alte Kraftwerke regulär ausscheiden.

„Diese drohende Unterversorgung wird von der schwarz-grünen Koalition ignoriert. Denn auch ein verstärkter Ausbau von Wind- und Solarenergie kann diese Lücke nicht sicher schließen, da gerade im Winter häufig „Dunkelflaute“ herrscht. So lag die Stromnachfrage am Donnerstag, 24. Januar 2019, 18:00 Uhr bei 78,2 GW. Wind und Sonne lieferten lediglich 1,6 GW – trotz einer installierten Leistung von 104 GW“, so Bartholomäus.

Bartholomäus: „Angesichts dieser beängstigenden Fakten reicht das vage Bekenntnis von Schwarz-Grün zu Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit nicht aus. Als Wirtschaft erwarten wir klare Antworten, welche Kraftwerke in Zukunft die Stromversorgung sicherstellen sollen und wie die Strompreise auf ein wettbewerbsfähiges Niveau abgesenkt werden können. Denn in Deutschland liegt der Industriestrompreis mit 19,7 ct/kWh deutlich über dem unserer europäischen Nachbarn Frankreich (11,7 ct/kWh) oder Polen (10,8 ct/kWh). Darum sollte sich die Landesregierung endlich kümmern, statt den Strompreis immer weiter in die Höhe zu treiben.“

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