MINT-Lücke an Arbeitskräften in Hessen auf Rekordhoch

Unternehmen fehlen aktuell über 19.000 Arbeitskräfte im MINT-Bereich // VhU fordert intensive Berufsorientierung und mehr MINT-Bildung an den Schulen

Frankfurt/Main. Der Bedarf an Fachkräften in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) steigt auch in Hessen immer weiter an. Die MINT-Lücke beträgt im Land derzeit bereits über 19.000 Arbeitskräfte, wie der heute erschienene MINT-Frühjahrsreport 2018 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt.

 „Den im April rund 30.000 offenen Stellen für Fachkräfte, Spezialisten und Experten in MINT-Berufen stehen nur knapp 11.000 Arbeitssuchende mit entsprechenden Qualifikationen gegenüber. Schon rechnerisch lässt sich dieser Engpass nicht schließen, selbst wenn die Arbeitssuchenden und die offenen Stellen miteinander kompatibel wären“, verdeutlichte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), den wachsenden Bedarf der Wirtschaft. Weil zum Beispiel ein im hessischen Süden gesuchter Mechatroniker kaum durch einen nordhessischen Biologen ersetzt werden könne, sei die bereinigte Arbeitskräftelücke in den MINT-Berufen mangels Passgenauigkeit von Angeboten und Nachfragen noch deutlich größer, so der VhU-Hauptgeschäftsführer.

„Durch die zunehmende Digitalisierung unternehmerischer Geschäftsprozesse steigt die Nachfrage nach MINT-Fachkräften ebenfalls und zusätzlich an“, betonte Pollert einen weiteren Engpassfaktor. Bei Informatikern und IT-Fachkräften sei die Fachkräftelücke besonders stark gewachsen. Immerhin trügen in Hessen schon überdurchschnittlich viele ausländische Arbeitnehmer zur MINT-Fachkräftesicherung bei. Der Anteil ausländischer Beschäftigter liege nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit und des IW in Hessen bei 10,8 % und betrage damit 2 Prozentpunkte mehr als der Bundesdurchschnitt.

Der VhU-Hauptgeschäftsführer sieht eine Stärkung der schulischen MINT-Bildung als eine besonders langfristig wesentliche Komponente der Nachwuchssicherung. „Ebenso wichtig ist eine zielführende Berufsorientierung, um die Chancen einer dualen Ausbildung für junge Menschen zu verdeutlichen“, forderte Pollert. Für dual ausgebildete MINT-Fachkräfte übertreffe die Arbeitskräftenachfrage – also die offenen Stellen – im April 2018 das Arbeitskräfteangebot in Hessen um 153 %. Auch Meister, Techniker und Akademiker in MINT-Berufen hätten dem IW-Gutachten zufolge derzeit hervorragende Chancen auf dem hessischen Arbeitsmarkt. Diese gravierende Arbeitskräftelücke zeige sich ebenso auf dem Ausbildungsmarkt. Die VhU erwartet daher von der Schulpolitik, diese Lücke systematisch durch eine frühzeitige schulische Berufsorientierung und MINT-Bildung in Verbindung mit der Stärkung digitaler Kompetenzen besser abzufedern.

Der  MINT-Report des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln erscheint zweimal pro Jahr als Gutachten im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Bundesverbands der Deutschen Industrie und der Initiative MINT Zukunft schaffen. Der heute veröffentlichte Frühjahrsreport 2018 ist als Anlage beigefügt.
 

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Jörg Feuchthofen

Jörg Feuchthofen
Bildungs- und Gesellschaftspolitik