Statement von Dirk Pollert für die hessenschau zur Diskussion über eine Homeoffice-Pflicht

Grundlage des hessenschau Beitrags vom 13. Januar 2021

hessenschau mit der Einstiegsfrage: Warum gibt es einen Rückgang bei der Homeoffice-Nutzung gegenüber 1. Lockdown (von 27 auf 14%, Quelle Studie Hans-Böckler-Stiftung)?

hessenschau vom 13.01.20:

Dirk Pollert:

1. Da haben wir andere Erkenntnisse, - die hessische Wirtschaft hat in ihrer Breite die Erfolge der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt genutzt, um sicherer durch die Corona-Pandemie zu kommen. Einvernehmlich mit Beschäftigten und Betriebsräten wurden Pandemiepläne, Hygienekonzepte, Arbeitsschutzstandards passend zum Unter­nehmen eingeführt, Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt und fortlaufend angepasst. Zudem wurde Homeoffice in großem Umfang überall dort ermöglicht, wo es passt… Wir brauchen keinen Einzelaktionismus!

2.    Ein Auto, ein Impfstoff oder eine Maschine kann z. B. nicht zu Hause zusammengeschraubt oder produziert werden, unser TV-Interview findet ja auch gerade vor Ort statt. Radiointerviews gehen higegen gut von zu Hause. Es geht immer um die richtige Balance: Homeoffice überall dort, wo es sinnvoll und möglich ist. Ausgangspunkt sind die zu erledigenden Aufgabe und Arbeiten. Viele kreative, innovative Arbeiten und Projekte werden auch besser durch Teams in Präsenz bearbeitet.

3.    Ansprüche oder gar eine Pflicht auf Homeoffice wären vor Corona bereits falsch gewesen, sind während Corona weiterhin falsch und wären nach der erfolgreichen Corona-Bewältigung besonders kontraproduktiv, da die Wirtschaft dann schnellstmöglich Fahrt aufnehmen muss.

4.    Wir haben doch alle ein gesamtwirtschaftliches Interesse, dass die Wirtschaft bestmöglich durch die Coronakrise kommt und in ihrer Breite schnellstmöglich Fahrt aufnimmt. Nur über Wachstum können wir die Schulden, die gerade angehäuft werden, zügig tilgen. Sonst zahlen unsere Kinder und Enkelkinder die Zeche. Dort, wo das Infektionsrisiko gering und die Wertschöpfung hoch ist, macht ein Herunterfahren überhaupt keinen Sinn. Die Entschädigungen, die hier zusätzlich bezahlt werden müssten, sind nicht finanzierbar. In solch herausragend schwierigen Zeiten sollten die Erfolge unserer Kurzarbeiterentgeltregelungen, für die ich sehr dankbar bin, nicht unnötig belastet werden. Wir sollten nicht noch mehr Arbeitsplätze gefährden!


5.    Wenn wir die Corona-Pandemie bewältigt haben, müssen wir allesamt die Ärmel hochkrempeln und mehr arbeiten, um Wettbewerbsvorteile und Wachstum zu schaffen. Dazu wäre es extrem hilfreich, wenn die Bundespolitik endlich das Arbeitszeitgesetz der digitalen Arbeitswelt anpasst.

6.    Im Übrigen weisen die RKI-Zahlen (Lagebericht 05.01.) klar andere Werte aus: Bei der Höhe der Infektionszahlen liegen die Alten- und Pflegeheime mit 44% auf Platz 1, die Haushalte mit 25% auf Platz 2 und die Industrie ist mit geringen 2 bis 4% hier gutes Schlusslicht.

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