VhU-Konzept „Für ein langes und durchgehendes Erwerbsleben“

Walter: „Frühverrentungsmentalität endgültig überwinden und Chancen für ein langes Erwerbsleben ergreifen“

Wiesbaden. „Viele ältere Arbeitnehmer sind mit ihrer Erfahrung wertvolle Fachkräfte, die von ihren Unternehmen gerne über das Renteneintrittsalter hinaus beschäftigt werden und die auch selbst häufig länger arbeiten wollen. Deshalb können sie helfen, den Fachkräftemangel abzumildern“, sagte Roland Walter, Vorsitzender des VhU-Fachbeirats Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik und geschäftsführender Gesellschafter von Walter Verpackungen Offenbach.

 Positionspapier: Was für ein langes   
und durchgehendes Erwerbsleben
zu tun ist



Erfreulicherweise ist das durchschnittliche Renteneintrittsalter seit dem Jahr 2000 bereits um eineinhalb Jahre auf heute über 64 Jahre gestiegen. Die weitere schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre ist „ein unverzichtbarer Baustein für eine auskömmliche Altersvorsorge und ein Schutz der aktiven und der nächsten Generation vor Überforderung. Vor allem die Bundespolitik muss jetzt die Frühverrentungsmentalität endgültig hinter sich lassen und die gesetzliche Frühverrentung beenden sowie Einstellungsbarrieren für Ältere beseitigen. Die hessische Landespolitik muss in den Schulen für guten Sportunterricht, Ernährungserziehung und gesundes Schulessen sorgen. Die Rehabilitationsträger – Krankenkassen, Rentenversicherung, Bundesagentur und Integrationsamt –müssen wirksamere Gesund-heitsmaßnahmen erbringen. Und die Jobcenter müssen ihre Vermittlungsbemühungen steigern, um die überwiegend in Teilzeit beschäftigten Hartz-IV-Aufstocker in Vollzeitarbeit zu bringen.“ Diese Erfolgsfaktoren für ein langes und durchgehendes Erwerbsleben helfen, die Rente demografiefest zu machen und den Generationenvertrag abzusichern.

Qualifikation
und lebenslanges Lernen sind die wichtigsten Bausteine für ein langes Erwerbsleben und der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit. Die hessische Landesregierung muss mit einer noch besseren frühkindlichen Sprachförderung dafür sorgen, dass alle Kinder in Hessen gute Startchancen haben. „In der Schule sollten dann die Grundlagen für ein erfolgreiches Berufsleben geschaffen werden. Schüler sollten einen umfassenden Einblick in das Arbeitsleben erhalten, damit sie den für sie passenden Beruf finden können“, sagte Walter.

„Mindestens genauso wichtig ist Gesundheit. Deshalb engagieren sich die Unternehmen erfolgreich für den Gesundheitsschutz ihrer Arbeitnehmer“. Die Zahl der Arbeitsunfälle hat sich in den letzten 25 Jahren mehr als halbiert. Viele Arbeitgeber bieten darüber hinaus gesundheitsfördernde Maßnahmen wie Sport oder Ernährungsprogramme an und investieren insgesamt deutschlandweit jedes Jahr über eine Milliarde Euro in Prävention und Gesundheit. Erkrankt ein Arbeitnehmer, müssen Ärzte, Krankenkassen, Rentenversicherung, Arbeitsagenturen und Integrationsamt schnell eine notwendige Rehabilitation einleiten, um lang-fristige Gesundheitsschäden und Berufsunfähigkeit zu verhindern.

„Damit alle erwerbsfähigen Menschen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben aus eigener Kraft erhalten, brauchen wir einen starken und aufnahmefähigen Arbeitsmarkt. Hiervon profitieren alle Gruppen, wie etwa Ältere, Schwerbehinderte und Langzeitarbeitslose“, erläuterte Walter. Weil hohe Lohnzusatzkosten Gift für Beschäftigung sind, muss Hessen dringend darauf pochen, dass die Bundesregierung den Gesamtsozialversicherungsbeitrag auch langfristig unter 40 Prozent hält und wichtige Brücken in den Arbeitsmarkt nicht durch Überregulierung eingerissen werden. „Mit flexibler Beschäftigung wie Zeitarbeit oder befristeten Arbeitsverhältnissen gelingt gerade Niedrigqualifizierten und Personen ohne Berufserfahrung häufig der Einstieg. Ich warne deshalb ausdrücklich vor einer weiteren Überregulierung diese Beschäftigungsformen.“

Durchgehendes Erwerbsleben heißt, dass Phasen der Arbeitslosigkeit am besten gar nicht auftreten oder aber so kurz wie möglich sind. „Die Jobcenter müssen gerade Langzeitarbeitslose gezielt ansprechen, eigene Anstrengungen einfordern und sie möglichst in Vollzeitarbeit vermitteln. Dies gilt auch für die sogenannten Aufstocker, von denen 70 Prozent in Hessen nur in Teilzeit arbeiten“, so das VhU-Präsidiumsmitglied. Vollzeit- oder zumindest vollzeitnahe Arbeit sollte immer attraktiver sein als Leistungsbezug. Der Gesetzgeber sollte deshalb die Anrechnungsregeln beim Arbeitslosengeld II so anpassen, dass sich mehr Arbeit mit eigenem Einkommen auch mehr lohnt. Arbeitsagenturen und Jobcenter sollten außerdem den Gesundheitszustand von Arbeitslosen fördern und im Bedarfsfall über die Krankenkasse, die Rentenversicherung oder die Bundesagentur für Arbeit die Rehabilitation einleiten.

„Besonders ältere Arbeitslose stehen häufig vor unerwarteten Barrieren bei der Rückkehr in Beschäftigung. Gerade der doppelte Kündigungsschutz für Ältere – der sowohl die Dauer der Betriebszugehörigkeit als auch das Lebensalter berücksichtigt- , steht ihnen oftmals im Weg. Das erhöhte Kündigungsschutzrisiko ist für kleine und mittlere Betriebe oft zu hoch, weswegen sie Ältere dann lieber nicht einstellen“, so Walter. Der Gesetzgeber sollte diese Barriere abbauen, indem er allein die Dauer der Betriebszugehörigkeit zum maßgebenden Kriterium im Kündigungsschutz macht.

Abschließend wies Walter darauf hin, dass viele Arbeitnehmer auch nach Erreichen des Rentenalters gerne weiterarbeiten würden. Auch die Arbeitgeber sind in vielen Fällen daran interessiert, langjährige Fachkräfte noch länger im Unternehmen zu halten. Gerade die befristete Beschäftigung von Rentnern erweise sich jedoch oft als Minenfeld voller Rechtsunsicherheiten. „Für Rentner, die weiter arbeiten oder wieder einsteigen möchten, fordern wir vom Bundesgesetzgeber, dass er die sachgrundlose Befristung ermöglicht. Bis heute gibt es im deutschen Arbeitsrecht dafür keine rechtssichere Grundlage. Unternehmen, die Rentner unter der geltenden Rechtslage rechtssicher beschäftigen wollen, empfehlen wir aktuell eine Sachgrundbefristung – z. B. für ein laufendes Projekt oder die Einarbeitung eines Nachfolgers – und zwar auf höchstens fünf bis sieben Jahren nach Eintritt des Rentenalters befristet“, so Walter.

 Positionspapier: Was für ein langes   
und durchgehendes Erwerbsleben
zu tun ist



 Redetext Roland Walter, Vorsitzender des VhU-Fachbeirats Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik und geschäftsführender Gesellschafter von Walter Verpackungen Offenbach

 

 

Zurück zur Übersicht
Ansprechpartner
Stefan Hoehl

Dr. Stefan Hoehl
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik