VhU zu den Arbeitsmarktzahlen im Dezember 2018

Pollert: "Landesregierung muss im Bund für flexiblen Arbeitsmarkt kämpfen, damit alle Hessen auch bei unsicherer Wirtschaftslage Chance auf Arbeit haben."

Frankfurt am Main. Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im Monat Dezember 2018 winterüblich, aber nur leicht um 685 auf 144.774 gestiegen.

"Das Jahr 2018 war wieder ein Jahr der Rekorde am hessischen Arbeitsmarkt. Im Jahresdurchschnitt waren nur noch rund 154.000 Menschen arbeitslos. Das sind 12.000 weniger als noch 2017 und so wenige wie seit 26 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig haben wir in Hessen erstmals überhaupt mehr als 2,6 Millionen sozialversichert Beschäftigte. Die Arbeitsmarktrekorde stehen aber leider auf keinem Fundament für die Ewigkeit. Denn schon wenn der niedrige Ölpreis ansteigt, die niedrigen Zinsen wegfallen oder sich die Bedingungen auf dem Weltmarkt durch neue Zölle oder den BREXIT verschlechtern, geraten die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt unter Druck. Die Politik darf sich deshalb nicht zurücklehnen, sondern muss Bürger und Arbeitsmarkt für schlechtere Zeiten wappnen. Das heißt: Bildung verbessern, Wege in Arbeit für alle offen halten und ein investitionsfreundliches Klima schaffen", sagte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände.

"Die Erleichterungen bei Zeitarbeit, Minijobs und Befristungen im Rahmen der Agenda 2010 haben unseren Arbeitsmarkt deutlich flexibler gemacht und zu den Rekorden beigetragen. Auch viele Berufsanfänger, Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose oder Personen mit Teilzeitwunsch haben so in den letzten Jahren in Hessen Arbeit gefunden. Dennoch gibt es immer neue Anläufe, diese Beschäftigungsformen einzuschränken wie jüngst mit dem Teilzeit- und Befristungsgesetz oder den aktuellen Forderungen nach vollständiger Abschaffung der sachgrundlosen Befristung. Die hessische Landesregierung muss im Bund entschlossen für einen flexiblen Arbeitsmarkt kämpfen, damit alle Menschen in Hessen, auch wenn die Wirtschaftslage unsicherer wird, die Chance auf Arbeit haben", sagte Pollert.

Pollert fügte hinzu, dass am Arbeitsmarkt gefragte Qualifikationen auch in schlechteren Zeiten der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit seien. "Die hessische Landesregierung muss vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien frühzeitig individuell fördern, um die Zahl der Schulabbrecher zu reduzieren. Möglichst alle Schüler sollten dann bei Verlassen der Schule über die notwendigen Fähigkeiten in Rechnen, Schreiben und Lesen verfügen, um direkt eine Ausbildung aufzunehmen. Wer diese Fähigkeiten hat, sollte dann aber auch tatsächlich in eine Ausbildung wechseln und nicht unnötig in schulischen Bildungsgängen hängen bleiben. Das hessische Kultusministerium sollte daher die Zahl der Plätze im schulischen Übergangssystem reduzieren, damit es nicht zum Aufbewahrungssystem wird", sagte Pollert.

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Stefan Hoehl

Dr. Stefan Hoehl
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik