VhU zu den Arbeitsmarktzahlen im Februar 2018

Pollert: „Demnächst eine Million Frührentner, gleichzeitig sind offene Stellen immer schwerer zu besetzen – das passt nicht zusammen!“

Frankfurt am Main. Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im Februar um 1.582 auf 166.028 gefallen.

Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen liegt bei 50.000, zusammen mit nicht gemeldeten Stellen bei 100.000.

„Seit der abschlagfreien Rente ab 63 rollt eine Frühverrentungswelle – in den nächsten Monaten werden wir in Deutschland die Millionenmarke überschreiten. Die Jungen zahlen hierfür die Rechnung und den Unternehmen fehlen die Arbeitskräfte. Frühverrentung und Arbeitskräftemangel passen nicht zusammen und müssen gestoppt werden. Wer erfreulicherweise immer länger Rente bezieht, muss hierfür entweder länger arbeiten oder Abschläge für eine Frührente akzeptieren“, sagte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. (VhU).

„Angesichts des hohen Personalbedarfs in allen Bereichen können wir es uns nicht länger erlauben, dringend benötigte Mitarbeiter mit Frühverrentungsanreizen aus dem Arbeitsmarkt zu führen. Seit 2014 sind deutschlandweit bereits über 900.000 Menschen – in Hessen rund 55.000 – vorzeitig in die abschlagsfreie Rente mit 63 bzw. 65 gegangen, in wenigen Monaten werden es über eine Million sein. Diese Arbeitnehmer fehlen jetzt in den Unternehmen und bei der Finanzierung der Sozialversicherungssysteme. Dies war und ist der größte arbeitsmarktpolitische Fehler der Großen Koalition und die größte Ungerechtigkeit gegenüber der jungen Generation, die für die Privilegierung einiger weniger älterer Jahrgänge zahlen sollen. Die Hessische Landesregierung sollte sich im Bundesrat dafür einsetzen, dass die abschlagfreien Frührentenzugänge geschlossen werden, damit der Schaden für die Wirtschaft und die jüngere Generation nicht noch größer wird“, so der VhU-Hauptgeschäftsführer.

„Wie gravierend der Fachkräftemangel inzwischen ist, zeigt sich auch daran, dass die hessischen Unternehmen inzwischen im Durchschnitt 100 Tage länger als gewünscht nach geeigneten Bewerbern suchen müssen, 20 Tage oder ein Viertel länger als noch vor fünf Jahren. Vor allem technische Berufe wie die Mechatronik sowie das Handwerk und Baugewerbe sind von Fachkräfteengpässen betroffen. In Hessen wird es außerdem immer schwerer, Berufskraftfahrer sowie Softwareentwickler und Programmierer zu finden. Zu lange unbesetzte Stellen gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und damit letztlich auch die Arbeitsplätze der anderen Mitarbeiter“, sagte Pollert abschließend. 

Weiterführende Informationen:

-    Durchschnittliche Vakanzzeiten von gemeldeten Arbeitsstellen in Hessen
-    Zugang zur Rente für besonders langjährig Versicherte 2014 - 2017

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Ansprechpartner
Stefan Hoehl

Dr. Stefan Hoehl
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik