VhU zu den Arbeitsmarktzahlen im Juni 2019

Pollert: „Sachgrundlose Befristungen helfen beim Einstieg und Wechsel in Arbeit“ // Einschränkungen bei der Befristung bedrohen 75.000 Arbeitsplätze in Hessen

Frankfurt am Main. Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im Juni um 1.650 auf 147.280 gefallen. Die Zahl der sozialversichert Beschäftigten liegt auf dem Allzeithoch von fast 2,7 Millionen. „Der Anteil der befristeten Stellen liegt in Hessen seit Jahren konstant bei nur um die 7 Prozent.

Befristungen sind also beileibe kein Massenphänomen. Viele Arbeitnehmer schaffen aber über zunächst befristete Arbeitsverhältnisse den Einstieg in Beschäftigung, gerade auch Personen mit nur wenig oder gar keiner Berufserfahrung. Die von der schwarz-roten Koalition im Bund geplante Einschränkung der sachgrundlosen Befristung würde in Hessen rund 75.000 Arbeitsplätze bedrohen. Die hessische Landespolitik muss deshalb ihren Einfluss über Parteien und Bundesrat geltend machen, um diese Beschäftigungschancen zu erhalten“, sagte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).

„Schon die Möglichkeit der sachgrundlosen Befristung erhöht die Bereitschaft der Arbeitgeber, auch einmal einem Mitarbeiter mehr durch Einstellung eine Chance zu geben. Deshalb profitieren auch besonders Jugendliche: Rund die Hälfte der unter 25-jährigen, die eine sozialversicherte Beschäftigung aufnehmen, tut dies zunächst befristet. Die wenigsten empfinden die vorläufige Befristung als Problem. Denn drei Viertel der befristet Beschäftigten werden anschließend im selben Betrieb weiterbeschäftigt und meistens sogar unbefristet übernommen“, sagte Pollert.

Pollert warnte davor, mit Einschränkungen bei der sachgrundlosen Befristung Beschäftigungschancen zu vernichten. „Nach dem Koalitionsvertrag im Bund sollen Arbeitgeber mit mehr als 75 Mitarbeitern den Anteil sachgrundloser Befristungen auf 2,5 % der Belegschaft begrenzen. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung hat errechnet, dass dies bundesweit bis zu 840.000 Arbeitsplätze betrifft. In Hessen könnten damit bis zu 75.000 Stellen nicht mehr ohne Sachgrund befristet werden. Für viele wäre dies nicht der direkte Weg in unbefristete Beschäftigung, sondern in die Arbeitslosigkeit. Denn für Arbeitgeber würde es schwerer, auch bei unsicherer Auftragslage neue Mitarbeiter einzustellen und der Arbeitsmarkt würde für alle schlechter“, sagte Pollert.

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Stefan Hoehl

Dr. Stefan Hoehl
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik