VhU zu den Arbeitsmarktzahlen im März 2021 in Hessen

Pollert: „Langzeitarbeitslose zum Einstieg in Befristung und Zeitarbeit vermitteln“ // Enorme Unterschiede in den 26 Jobcentern bei Älteren und Langzeitkranken erklärungsbedürftig

Frankfurt am Main. Im März ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um rund 6.600 gesunken, und zwar von rund 197.800 auf rund 191.200. Die Langzeitarbeitslosigkeit ist leider zurück. Binnen eines Jahres ist die Zahl in Hessen um rund 19.300 auf über 65.000 gestiegen. Damit ist offiziell jeder dritte Arbeitslose länger als ein Jahr ohne Arbeit. Hinzu kommen weitere fast 10.000 Langzeitarbeitslose ab 58 Jahren, die wegen eines Statistik-Tricks des Gesetzgebers nicht mehr gezählt werden. 

„Es ist höchste Zeit für eine neue Aktivierungsoffensive von Jobcentern und Arbeitsagenturen in Hessen, um wieder mehr Langzeitarbeitslose für den Arbeitsmarkt zu mobilisieren, oder – noch besser – Langzeitarbeitslosigkeit zu verhindern. Denn je länger Arbeitslosigkeit andauert, desto höher werden die Einstiegshürden, weil einmal erlernte berufliche Fähigkeiten und Tugenden wie Disziplin oder Pünktlichkeit verloren gehen“ erklärte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V. (VhU). Zwar sei die Arbeitsmarktlage derzeit angespannt, es gebe aber auch für Geringqualifizierte weiterhin Beschäftigungschancen: „Insbesondere Zeitarbeit, Befristung & Co. können gerade in der jetzigen wirtschaftlich schwierigen Situation ein Sprungbrett aus der Langzeitarbeitslosigkeit sein“, so Pollert. 

Erklärungsbedürftig sei die große Spreizung innerhalb der 26 hessischen Jobcenter bei Dauererkrankungen von Langzeitarbeitslosen. Langzeitarbeitslose melden sich besonders häufig arbeitsunfähig: Im Jahr vor Corona meldeten sich über 23.000 Langzeitarbeitslose langzeitkrank, also länger als 6 Wochen. Im Laufe des vergangenen Jahres waren es dagegen immer noch 12.000. „Dieser drastische Rückgang auf hohem Niveau wirft ebenso Fragen auf wie die enormen Unterschiede innerhalb Hessens: Die geringste Langzeitkranken-Quote hatte der Kreis Bergstraße mit rund 5 %, die höchste der Schwalm-Eder-Kreis mit 37 %. Bei Zweifeln an einer Arbeitsunfähigkeit müssen die Jobcenter und Arbeitsagenturen den Medizinischen Dienst einschalten und zusammen mit Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern erforderliche Reha-Maßnahmen einleiten“, sagte Pollert.

Im Übrigen seien die riesigen Unterschiede bei Jobangeboten für ältere Langzeitarbeitslose nicht nachvollziehbar und nicht zu tolerieren. „Gemessen an allen Langzeitarbeitslosen hat das Jobcenter Lahn-Dill-Kreis nur rund 2 % der Arbeitslosen ab 58 Jahren ein ganzes Jahr lang keinen Job angeboten, während diese Quote beim Jobcenter Fulda mit 25 % deutlich schlechter ist. Dies zeigt, dass die Geschäftspolitik der Jobcenter entscheidenden Einfluss darauf haben kann, ob eine ganze Gruppe aus dem Blick gerät. Diese Praxis gehört auf den Prüfstand, auch in Gesprächen mit dem Sozialministerium als Aufsichtsbehörde“, erklärte der VhU-Hauptgeschäftsführer.

Weiterführende Informationen: BA Statistik Langzeitarbeitslosigkeit (Link),  Reform der Jobcenter-Organisation (VhU-Position)
Rechts als Download: Auswertung Sonderregelungen gem. § 53a SGB II, Grafiken zu Langzeiterkrankungen und Älteren

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Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse