VhU zu den Arbeitsmarktzahlen im Mai 2021 in Hessen

Pollert: „100.000 offene Stellen in Hessen // Hessische Wirtschaft kann jeden tatkräftigen Mitarbeiter gebrauchen.“

Frankfurt am Main. Im Mai ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um rund 6.000 gesunken, und zwar von rund 188.000 auf rund 182.000. Hessenweit sind knapp 100.000 Arbeitsplätze unbesetzt. Davon sind nur gut 40.000 bei den Arbeitsagenturen gemeldet.

„Die hessische Wirtschaft sucht weiter nach Fachkräften. Chancen bieten sich über alle Anforderungsniveaus hinweg – vom Helfer bis zum Spezialisten. Allein knapp 20 Prozent der ausgeschriebenen Stellen sind Helfertätigkeiten. Es ist also keineswegs so, dass nur hochqualifizierte Mitarbeiter eingestellt werden. Ganz im Gegenteil: Die hessische Wirtschaft kann jeden motivierten und tatkräftigen Mitarbeiter gebrauchen“ sagte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).

Entgegen mancher Unkenrufe habe sich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt langfristig zum Besseren gewendet: „Die letzten Jahre waren von einem kräftigen Zuwachs sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gezeichnet – von rund 2,4 Mio. im Jahr 2014 auf immer noch deutlich über 2,6 Mio. im Februar 2021 – trotz Corona. Dagegen blieb die Anzahl flexibler Beschäftigter bis 2019 für eine Dekade weitgehend konstant. Auch der Niedriglohnsektor blieb über Jahre hinweg auf einem Stand von rund 19 % im Jahr 2018. Und die Hälfte der Niedriglohnbezieher hat den Niedriglohnbereich nach spätestens 5 Jahren wieder verlassen“ so Pollert. „Die Arbeitsmarkt-Entwicklung vor Corona war durchweg positiv. Jetzt muss sich aber auch die Einsicht durchsetzen, dass wir nicht durch mehr Sozialtransfers, sondern nur durch mehr Beschäftigung an das Vorkrisenniveau anknüpfen können. Denn nur Beschäftigung führt zu mehr Wohlstand, sowohl für den Einzelnen als auch für alle und ist damit eine Win-win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.“

Der VhU-Hauptgeschäftsführer ergänzte: „Damit das gelingt, müssen wir auch dafür sorgen, dass sich die Arbeitsaufnahme aus der Arbeitslosigkeit noch mehr lohnt. Gerade in der Grundsicherung für Arbeitsuchende müssen mehr Anreize hin zu einer Vollzeitbeschäftigung geschaffen werden. Ein Single im Arbeitslosengeld-II-Bezug, der mit 100 Stunden Arbeit 1.000 Euro brutto im Monat verdient, hat am Ende nur 280 Euro mehr in der Tasche als jemand, der überhaupt nicht arbeitet. Hat er hingegen nur eine Kleinstbeschäftigung mit 10 Stunden, bleiben ihm die 100 Euro brutto zusätzlich zum Arbeitslosengeld II. Die Privilegierung von Kleinstbeschäftigungen macht Mehrarbeit unattraktiv und ist eine Bremse für Leistungsbezieher, sich aus der Grundsicherung herauszuarbeiten. Hier besteht dringender Reformbedarf. Kleine Hinzuverdienste bis 200 Euro sollten vollständig auf das Arbeitslosengeld II angerechnet werden. Bei höheren Zuverdiensten sollte hingegen durch etwas großzügigere Freibeträge sichergestellt werden, dass dem Arbeitslosengeld-II-Empfänger mehr Netto verbleibt und Arbeit sich so mehr lohnt“, sagte Pollert.
 

Weiterführende Informationen:
https://www.iab.de/de/befragungen/stellenangebot/aktuelle-ergebnisse.aspx

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Ansprechpartner
Stefan Hoehl

Dr. Stefan Hoehl
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik