VhU zu den Arbeitsmarktzahlen im Oktober 2021 in Hessen

Pollert: „Fachkräftemangel auf breiter Front bekämpfen“ // Rund 100.000 offene Stellen in Hessen

Frankfurt am Main. Die Arbeitslosigkeit ist im Oktober von rund 168.300 auf rund 163.200 gesunken. Der hessische Arbeitsmarkt ist weiterhin auf Erholungskurs. Viele Branchen leiden allerdings unter dem anhaltenden Rohstoff- und Halbleitermangel.

Auch der Fachkräftemangel verschärft sich. Besonders betroffen sind etwa Hotels und Gastronomie, Handwerk, Einzelhandel und das verarbeitende Gewerbe.

„Derzeit steuern wir auf eine manifeste Fachkräftekrise zu, denn bis zum Jahr 2026 werden allein in Hessen 130.000 Fachkräfte fehlen. Gravierende Nachteile für die Wirtschaft und den Standort Hessen lassen sich nur vermeiden, wenn wir mehr Menschen als bisher in den Arbeitsmarkt integrieren und weniger in Frührente gehen. Dabei ist Fachkräftezuwanderung zwar wichtig. Viel zu wenig Beachtung findet aber, dass wir auch im Inland die Erwerbsbeteiligung steigern müssen: etwa durch passgenaue Qualifizierung und konsequente Vermittlung von Arbeitslosen. Mit der Rente mit 63 muss Schluss gemacht werden. Und wir müssen mehr junge Menschen für eine betriebliche Ausbildung begeistern. Insgesamt liegen heute noch große Potenziale brach, die es zu aktivieren gilt“ sagte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V.

Anders als im Bundestagswahlkampf müsse auch die die Diskussion um die Lebensarbeitszeit ehrlich und generationengerecht geführt werden: „Sinnvoll wäre es, das Renteneintrittsalter automatisch an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Die Umstellung auf die Rente mit 67 zeigt doch dass es funktioniert und immer mehr Ältere länger in Arbeit bleiben. Zusammen mit den anderen Bausteinen kann und muss der Fachkräftemangel so ein Stück weit abgemildert werden“ so der VhU- Hauptgeschäftsführer.

Pollert warnte vor Konsequenzen, sollte die Politik weiterhin zu passiv bleiben: „Nicht nur Betriebe sondern auch die Menschen in Hessen erleben bereits jetzt vielfach, dass Aufträge abgelehnt werden müssen, weil qualifiziertes Personal fehlt. Jeder unerledigte Auftrag bedeutet aber auch, dass Steuern und Sozialversicherungsabgaben ausbleiben und die betroffenen Branchen und Unter­nehmen an Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Das ist eine echte Gefahr für unseren Wohlstand. Die Landesregierung sollte daher nicht nur in Hessen sondern auch im Bundesrat alle politischen Hebel in Bewegung setzen, um jetzt die Weichen für eine langfristige Fachkräftesicherung zu stellen. Andernfalls droht uns ein böses Erwachen.“

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