VhU zum 7. Platz Hessens im „Bildungsmonitor 2021“

Hessen weist Stärken bei Integration und geringem Schulabbruch auf / Pollert: „Lernlücken schließen und digitale Bildung vorantreiben“

Frankfurt am Main. Im heute vorgestellten „Bildungsmonitor 2021“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) belegt Hessen wie im vorigen Jahr Platz sieben unter allen Bundesländern. Stärken bei Integration und geringem Schulabbruch stehen Schwächen bei der MINT-Förderung und der Forschungsorientierung gegenüber. „Nach dem deutlichen Sprung nach vorne im vergangenen Jahr ist positiv, dass Hessen den Platz sichern konnte, aber Hessen könnte noch ambitionierter sein. Und es gibt weiterhin viel zu tun, gerade mit Blick auf die Konsequenzen der Pandemie auf die Bildung. Hier fordern wir schon lange einen Masterplan, der zeigt, wie Lernlücken evaluiert und geschlossen werden. Auch bei der Digitalisierung der Bildung brauchen wir einen Schub nach vorne, gerade an den Berufsschulen mit einem eigenen Pakt und bei der digitalen Grundbildung aus einem Guss für alle Lehrkräfte“, kommentierte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), das Ergebnis aus Sicht der Wirtschaft.

Nach wie vor punktet das hessische Bildungssystem beim Thema Integration. Im Vergleich zu allen anderen Bundesländern verlässt der niedrigste Anteil ausländischer Jugendlicher die Schule ohne Abschluss. Hessen hat bundesweit zudem Vorbildcharakter mit der geringsten Schulabbrecherquote. Auch beim Thema Ganztagsbetreuung schneidet Hessen bei dem Anteil der Schüler und Schülerinnen in der Sekundarstufe I und beim Anteil der betreuten Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren gut ab.

„Es ist erfreulich, dass das Bildungssystem in Hessen in einigen Themengebieten im Bundesvergleich konstante Stärken hat“, so Pollert. „Allerdings müssen wir uns auch die Schwachstellen genau ansehen. So gibt es beispielsweise Handlungsbedarf bei der Förderung von Naturwissenschaft und den MINT-Fächern. Dass zusätzlich die durchschnittlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler unter dem Bundesdurchschnitt liegen, kann uns nicht zufrieden stellen. Das ist für die künftige Fachkräftesicherung alarmierend und hier ziehen uns andere Länder davon.“ Auch bei den Investitionen in Bildung, der Schulqualität und der Forschungsorientierung besteht in Hessen Luft nach oben. So nimmt das Bundesland den vorletzten Platz aller Bundesländer bei der Anzahl der Forscher an Hochschulen in Relation zum BIP ein.

Weiterhin ist auch der Abstand Hessens zur Spitzengruppe groß. „Das Ziel in der hessischen Bildungspolitik sollte schon sein, zur Spitze aufzuschließen“, fordert Pollert. Ein wichtiges Gestaltungsmittel hierbei sei das Lehrerbildungsgesetz, für das die Landesregierung derzeit einen Entwurf vorgelegt hat. „Die Lehrkräftebildung erhält mit dem Entwurf eher ein Lifting der bestehenden, aber keine neuen Strukturen. Angesichts der sehr großen Herausforderungen im Bildungssystem hätten wir uns hier mehr Mut gewünscht, beispielsweise mit einer digitalen Grundbildung für alle Lehrkräfte aus einem Guss oder einem Bekenntnis zu Bachelor und Master. Es würde sich lohnen, aus dem Entwurf einen großen Wurf zu machen.“

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Sabine Stoll Wewior

Sabine Stoll Wewior
Referentin Bildung
und Gesellschaft