Wasserstoff

Dr. Ortlieb: Wasserstoff flächendeckend, ausreichend und zu konkurrenzfähigen Preisen zur Verfügung stellen // Neue VhU-Position zum Wasserstoff-Markthochlauf

Frankfurt am Main. Zum dringend nötigen Markthochlauf von Wasserstoff in Hessen und Deutschland hat die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) ihre Anliegen an die Politik in Europa, Bund und Land mit einem Katalog von 14 Empfehlungen veröffentlicht.

„Unser Energiesystem ist durch einen immer größeren Anteil an Elektrizität und durch volatil erzeugte erneuerbare Energien geprägt. Klar ist, auch weiterhin benötigen wir speicherbare und transportierbare Energieträger in Form von Gasen und Flüssigkeiten, die langfristig auch aus erneuerbaren Energien hergestellt werden müssen. Wasserstoff dürfte ein wichtiger Teil der Lösung werden. Deshalb müssen der Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur, die Sicherung von großer Importmengen von Wasserstoff sowie der Markthochlauf und die Nutzung von Wasserstoff in der Wirtschaft vorangebracht werden. Die Wasserstoffstrategie des Bundes ist dafür eine wichtige Grundlage. Auch die neue Landesregierung in Hessen sollte hier einen Schwerpunkt setzen“, sagte Dr. Brigit Ortlieb, Vorsitzende des VhU-Energieausschusses.

Laut Dr. Ortlieb sei Wasserstoff beim Umbau des Energiesystems aus drei Gründen wichtig: Erstens könne Wasserstoff dazu dienen, den CO2-Ausstoß von Anlagen und Prozessen zu reduzieren, bei denen eine Elektrifizierung aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht darstellbar sei. Zweitens trage Wasserstoff dazu bei, die Versorgungssicherheit in einem immer stärker wetterabhängigen Energiesystem zu erhöhen. Bei intensivem Sonnenschein und kräftigem Wind könne überschüssiger Strom in Form von Wasserstoff gespeichert werden, um ihn zu Zeiten mit geringerer Sonnen- und Windenergieerzeugung zu nutzen. Drittens könne Wasserstoff helfen, Energie besser zu transportieren und zu speichern, indem Erdgasnetze und große Gasspeicher weiter genutzt würden. Relativ weniger Energie müsse so über Stromnetze transportiert werden.

Dr. Ortlieb: „Nur wenn es gelingt, Wasserstoff flächendeckend, in ausreichender Menge und zu wirtschaftlichen Preisen zur Verfügung zu stellen, kann der Umbau des Energiesystems hin zur Treibhausgasneutralität gelingen. Dazu muss die Politik in EU, Bund und Land die notwendigen Entscheidungen treffen und zügig umsetzen. Die hessische Landesregierung sollte beispielsweise stärker koordinierend und unterstützend tätig werden und eine umfassende Wasserstoffstrategie des Landes entwickeln. Es sollten endlich valide Bedarfszahlen für Hessen erhoben werden. Zudem muss sie sich für die Realisierung der Querverbindung der Wasserstoff-Fernleitungen durch Hessen einsetzen.“

Die VhU spricht 14 Empfehlungen aus, damit der Wasserstoff-Hochlauf gesamtwirtschaftlich effizient erfolgt, damit Wettbewerbs­verzerrungen möglichst minimiert werden und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unter­nehmen am Standort Hessen nicht beeinträchtigt wird:

  • Der Wasserstoff-Hochlauf muss möglichst marktwirtschaftlich und technologieoffen erfolgen.
  • Die politische Klassifizierung von Wasserstoff in vermeintlich guten und schlechten Wasserstoff sollte aufhören. Die Entscheidung über die Nutzung einer „Wasserstofffarbe“ sollte durch marktwirtschaftliche Prozesse erfolgen.
  • Quoten für erneuerbaren Wasserstoff sind abzulehnen, da sie den Hochlauf teuer und ineffizient machen. Die Verteilung von Wasserstoff sollte durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, nicht durch staatliche Priorisierung.
  • Angesichts unzureichender heimischer Produktionskapazitäten sollte der Bund eine Importstrategie für Wasserstoff entwickeln.
  • Um eine CO2-neutrale Wasserstoffproduktion zu erhöhen, ist die großtechnische Nutzung und Speicherung von Kohlendioxid (CCU, CCS) in Deutschland zu erlauben. Der Bund muss seine Carbon-Management-Strategie vorlegen. Es ist zu begrüßen, dass die neue hessische Regierungskoalition ebenfalls eine Carbon-Management-Strategie beabsichtigt.
  • Die Bundesregierung sollte schnellstens den Bau von Energieersatzkapazitäten durch wasserstofftaugliche Gaskraftwerke, Speicher und Elektrolyseure ermöglichen. Zusätzliche installierte gesicherte Leistung ist für die Stromversorgungssicherheit nötig.
  • Ein flächendeckendes Wasserstoffnetz, unter Einbeziehung bestehender Erdgasleitungen, sollte zügig aufgebaut werden.
  • Die Finanzierung des privatwirtschaftlichen Aufbaus der Wasserstoffinfrastruktur sollte so erfolgen, dass prohibitiv hohe Netzentgelte vermieden werden.
  • Gas- und Stromnetzplanung sowie und die Planung der Wasserstoffinfrastruktur sollten integriert werden, um eine Gesamtkostenoptimierung zu erreichen.
  • Marktmechanismen sollten von physikalischen Energieflüssen entkoppelt werden, um auch den bilanziellen Zugang zu Wasserstoff zu ermöglichen.
  • Unter Berücksichtigung der Anforderungen wichtiger Nutzer wie der Industrie sollte Wasserstoff im Verteilnetz beigemischt werden.
  • Die Genehmigungsverfahren für Wasserstoffinfrastruktur sollten verkürzt werden.
  • Die hessische Landesregierung sollte koordinierend und unterstützend tätig werden und die Wasserstoffstrategie des Landes weiterentwickeln. Sie sollte valide Bedarfszahlen erheben und sich für die Realisierung der alternativen Querverbindung der Wasserstofffernleitungen durch Hessen einsetzen.
  • Landesregierung und Kommunen müssen sich dafür einsetzen und mittelfristig gewährleisten, dass Unter­nehmen in ganz Hessen Wasserstoff beziehen können.

Anlage:    VhU-EA_Position_Wasserstoff

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Ansprechpartner
Marius Schäfer

Marius Schäfer
Energie- und Klimapolitik