Immobilienmärkte deregulieren, Bauinvestitionen ankurbeln!

Im VhU-Bauausschuss formuliert die VhU ihre baupolitischen Positionen. Diesem branchen- und regionenübergreifenden Gremium gehören 30 Vertreter aus Unternehmen und Verbänden an. Die Ausschussmitglieder erarbeiten Stellungnahmen zu aktuellen Themen und führen Gespräche mit politischen Entscheidern in Wiesbaden und Berlin.



Mit öffentlichen VhU-Bauforen und Medienarbeit beteiligt sich die VhU an baupolitischen Debatten. Das Gremium soll 2019 zu einem Ausschuss für Bau- und Immobilienpolitik erweitert werden. Aktuell begleitet der Ausschuss die Novellierung der hessischen Bauordnung, das Dauerthema Energieeinsparverordnung und das Gebäude-Energie-Gesetz.

Bau- und Immobilienmärkte deregulieren

In Hessen gibt es zu wenig günstigen Wohnraum. Insbesondere in der Metropolregion Frankfurt Rhein-Main und in einigen Städten im übrigen Hessen machen die Wohnkosten mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens der Haushalte aus. Wer sich das nicht leisten kann, muss fernpendeln: Zehntausende Bürger bringen täglich viel Zeit und Geld für die Fahrt zur Arbeit auf und stehen im Stau im Auto oder in überfüllten Bussen und Bahnen. So vergrößert der Mangel an günstigem Wohnraum die Schwierigkeit von Unternehmen, offene Stellen zu besetzen.

Klar ist: Der Wirtschaftsstandort Hessen kann umso mehr prosperieren, je schneller die Probleme des Wohnstandorts Hessen gelöst werden. Die Probleme sind Folgen des starken Zuzugs in die Städte, der Überregulierung von Bauen, Vermieten und Wohnen sowie der ungenügenden Ausweisung von Bauland.

Bauinvestitionen ankurbeln

Die hohe Nachfrage nach günstigem Wohnraum in vielen Städten sollte durch eine Erhöhung des Angebots befriedigt werden. Die Kommunen müssen mehr Bauland ausweisen, und das Land darf nicht über den Landesentwicklungsplan die Flächeninanspruchnahme unangemessen beschränken. Nötig ist ferner, die Regelungen des Bauordnungs- und des Baunebenrechts sowie die hessische Bauordnung und die kommunalen Satzungen, z.B. für Stellplätze, auf kostentreibende Standards zu überprüfen.

Bei der Planung neuer Wohnungen sollten die Möglichkeiten wirtschaftlicher und ökologischer Vorteile modularer Bauweisen im Vergleich zu konventioneller Bauweise besser genutzt werden. Durch optimierte Planungs- und Vorfertigungsprozesse kann serielles Bauen zu einer verkürzten Bauzeit und somit auch zu weniger Lärmbelastung beitragen.

Skaleneffekte können die Baukosten erheblich senken. Nachrüstungen kostenintensiver Gebäudekomponenten und Außenanlagen, wie z. B. Aufzüge, sollten erleichtert werden.

Die notwendigen Flächen könnten geplant, der Einbau der Anlagen dann aber zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden. Auch computergestützte Planungsmethoden, wie Building Information Modeling, können Kostenvorteile und Zeitersparnisse bei Planung und Ausführung von Bauvorhaben zur Folge haben, wenn sie richtig genutzt werden.

EnEV-Verschärfungen zurücknehmen

Ein Kostentreiber für Bauen und Wohnen ist die Energieeinsparverordnung (EnEV). Seit 2000 wurden die Anforderungen der EnEV vier Mal erhöht mit dem Ergebnis, dass die Kosten deutlich anstiegen. Die seit Januar 2016 geltenden energetischen Anforderungen führen noch einmal zu Kostenerhöhungen um rund 7 Prozent.

Die Grenze der wirtschaftlichen Vertretbarkeit ist aus Sicht der VhU insbesondere für den mehrgeschossigen Wohnungsbau mit der EnEV 2014 erreicht.
Vorschriften wie die Zwangsbelüftung in Bauwerken kosten viel Geld und bringen oft keinerlei ökologischen Mehrwert.

Nutzungszwänge für erneuerbare Energien sollten abgeschafft und die Mindeststandards bei Neubau und Sanierung abgesenkt werden. Die Reduktion von Treibhausgasen in Gebäuden sollte über eine jährlich sinkende CO2-Obergrenze und nicht durch teure Einzelregulierungen erfolgen.

„Mietpreisbremse“ abschaffen

Die sog. „Mietpreisbremse“ sollte abgeschafft werden. Solch eine staatliche Marktintervention ist unwirksam, weil der Anstieg der Mieten durch Angebot und Nachfrage bestimmt ist. Sie hemmt Investitionen in neue und bestehende Wohnungen statt sie zu befördern. Gerade im unteren Preissegment ist das Verhältnis zwischen Baukosten und erzielbaren Mieten meist nicht mehr rentabel.

Um Investitionen in Wohnungen zu stimulieren, sollte die lineare Abschreibung Wohngebäude von 2 auf 4 Prozent erhöht werden. Ferner sollte der Bund mit den Ländern eine Absenkung der Grunderwerbsteuer vereinbaren.

Tweet-Kampagne anlässlich der #BTW2017:

 

 

Ausschussvorsitzender
Jörg Brömer

Jörg Brömer
Geschäftsführer Brömer & Sohn GmbH, Wiesbaden

Ansprechpartner
Clemens Christmann

Dr. Clemens Christmann
Wirtschafts- und Umweltpolitik

Ansprechpartner
Anna von Gruenewaldt

Anna von Gruenewaldt
Referentin für Bau- und Verkehrspolitik