Bildung und Wissenschaft

Mehr Potenziale heben!

Gute Bildung ist nicht nur die Basis für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftlichen Wohlstand. Sie ist auch vorsorgend die wirksamste Sozialpolitik. Die größten Bildungserfolge können dann erreicht werden, wenn sie sich am einzelnen Schüler orientieren. Deshalb sind Investitionen in Bildung unverzichtbar. Schulen und Hochschulen sind die Plattform und Basis eines lebenslangen Bildungswegs, von dessen jeweiligem Erfolg der Einzelne, die Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft profitieren.

Die zentralen Herausforderungen für das Bildungssystem mögen regional in ihrer Bedeutung unterschiedlich ausgeprägt sein. Sie prägen aber die Bildungspolitik in allen Bundesländern und in der Zusammenarbeit mit dem Bund. Internationaler Konkurrenzdruck und zunehmender Nachwuchsmangel erfordern, alle Begabungspotenziale zu heben und die Qualität der Grundbildung zu verbessern.

Nach den Jahren der Umstellung der Bildungsziele auf eine stärkere Kompetenzorientierung neben den Inhalten gewinnt eine weitere Herausforderung an Gewicht. Die Digitalisierung und ihre Auswirkungen für Arbeit und Wirtschaft erzeugen Qualifikationsbedarf für neue Formen und Inhalte des Wissenstransfers, der Zusammenarbeit und der Vernetzung. Schulen müssen diesen Bedarf in der Grundbildung berücksichtigen, Hochschulen darauf aufbauen.

Kompetenzorientierung, Qualitätsentwicklung und Digitalisierung

Die Einführung der Kompetenzorientierung als Ziel der Wissensvermittlung war ein zukunftsweisender Ansatz im Schulwesen, der nunmehr überprüft werden muss. Dabei gilt es, das Verhältnis von Kompetenzzielen und fachlichen Lehrinhalten ausgewogen auszurichten.

Die Ergebnisse im Bildungssystem zeigen, dass die Qualität dort besonders hoch ist, wo Verantwortung vor Ort angelegt ist. Neben klaren Qualitätsstandards ist daher die Selbstständigkeit von Schulen weiter auszubauen.

Mit dem Ausbau von Selbstständigkeit wächst in gleichem Maß die Verantwortung vor Ort. Das setzt ein ausgebautes System im Qualitätsmanagement voraus, das von der externen über die interne Evaluierung bis hin zur Personalentwicklung reicht und über Kennzahlen für den Leistungserfolg verfügt.

Die Beherrschung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und die Nutzung ihrer Netzwerke ergänzen in der Schul- und auch Hochschulbildung die traditionellen Kulturtechniken. Digitale Bildung muss sowohl inhaltlich vermittelt werden als auch Instrument des Lernens im Bildungsprozess sein.

Angesichts begrenzter Ressourcen und einer sich schnell entwickelnden Gesellschaft müssen sich Schulen und Hochschulen noch mehr für die Außenwelt öffnen. Strategische und praxisnahe Partnerschaften weisen den Weg.

Die VhU bietet hierzu mit ihren Verbänden und dem Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT zahlreiche Möglichkeiten der Kooperation. Wir arbeiten mit der Politik an modernen Rahmenbedingungen und für das gemeinsame Ziel, jedem Bildungsteilnehmer gute Startchancen, eine für ihn optimale Bildung und einen passenden Anschluss in weiterführende Bildungswege zu ermöglichen.

Was haben wir erreicht? Was bleibt zu tun?

Modernes Schulgesetz setzt auf Berufsorientierung und Kooperationen mit Wirtschaft
Mit der grundlegenden Novelle des Hessischen Schulgesetzes in der laufenden Legislaturperiode wurden zentrale Ziele der Wirtschaft einbezogen. Die schulische Berufs- und Studienorientierung ist nunmehr für alle Schulformen verpflichtend und bezieht auch die gymnasialen Bildungsgänge mit ein.

Von der VhU mitgetragene Maßnahmen wie das Gütesiegel Berufs- und Studienorientierung flankieren und unterstützen den neuen Bildungsauftrag. Mit der Stimme der VhU konnte zudem ein umfassendes Werbeverbot an Schulen mit der Ausnahme Sponsoring abgemildert werden. Künftig können Unternehmen wie bisher mit Schulen zusammenarbeiten.

VhU-Bildungsforen sind zur Traditionsplattform für den Dialog mit der Politik geworden
Mit unseren über 30 Bildungsforen identifizieren und diskutieren wir die Schulthemen der Zukunft  im direkten Gespräch mit den Fachleuten und der Landespolitik. In den vergangenen zwei Jahren reichte die Themenbreite von der Schule von morgen mit Kultusminister Prof. Lorz über den sinkenden Stellenwert von Schulzeugnissen bis zur Bildung digital und der Zukunft des digitalen Bildungspakts von Bund und Ländern.

 
 Wirtschaft unterstützt Politik, Rechnen, Schreiben und Lesen als Basis-Kulturtechniken zu stärken

Nicht nur ausbildende Unternehmen, sondern auch Hochschulen beklagen eine stetig abnehmende Vermittlung bzw. Beherrschung der zentralen Kulturtechniken Rechnen, Schreiben, Lesen. Die VhU hat daher die konkrete Ankündigung des Kultusministers und der Regierungsfraktionen unterstützt, beginnend in der Grundschule konkrete Vorgaben für Lernziele im Fach Deutsch vorzugeben. Dazu gehören ein Grundwortschatz und Kenntnisse in Rechtsprechung und Grammatik, die mit jedem Schuljahr gesteigert werden müssen.

Wirtschaft kritisiert Abbau des verpflichtenden externen Qualitätsmanagements

Die VhU hat sich immer wieder für den Aufbau eines professionellen Qualitätsmanagements an Schulen eingesetzt. Deshalb unterstützen wir aktiv das hessische Gütesiegel für Berufs- und Studienorientierung BSO. Umso mehr kritisieren wir die deutlichen Rückschritte bei der Evaluation hessischer Schulen durch die Abwertung der externen Schulinspektion in ein fast ausschließlich internes Instrument.

Promotionsrecht für Hochschulen für Angewandte Wissenschaften
Mit Unterstützung der VhU ist es gelungen, in Hessen als erstes Bundesland den Hochschulen für Angewandte Wissenschaft das Promotionsrecht für einzelne Fachbereiche zu gewähren. Voraussetzung sind ausgewiesene Leistungen in der Forschung. Die VhU erwartet hiervon vor allem Impulse für eine stärkere Einbindung von kleinen und mittleren Unternehmen in die anwendungsorientierte Forschung sowie eine Aufwertung der praxisorientierten Lehre.

SCHULEWIRTSCHAFT: Ein Netzwerk für den Dialog zweier Welten

Schule und Wirtschaft erscheinen häufig wie zwei voneinander getrennte Welten: personell, strukturell und weitgehend unabhängig voneinander. Die für die Berufsorientierung, die ökonomische Bildung und die MINT-Förderung wichtigen Brücken baut SCHULEWIRTSCHAFT: Das Netzwerk für Schule und Wirtschaft.

Mit vielfältigen Ansätzen unterstützen wir Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitungen in der anspruchsvollen Welt der Schule. Gleichzeitig soll Schule in der Welt sein und auf die Arbeitswelt vorbereiten. Die im Zuge der Digitalisierung und durch Industrie 4.0 sich rasant entwickelnden Veränderungen der Arbeitswelt haben notwendige Auswirkungen auf das Lehren und Lernen von heute und morgen. Diese Chancen und Lösungsansätze für künftige Herausforderungen eröffnen wir den Schulgemeinden. Unsere Angebote reichen von Arbeitskreisen in allen Regionen Hessens über Ferienakademien zur Lehrkräftefortbildung bis zu Großveranstaltungen, wie die jährliche MINT-Messe oder den Schule-Wirtschaft-Kongress. Leitfäden und Broschüren, wie Checklisten für das Betriebspraktikum, Praxisbeispiele gelingender Elternarbeit oder zur inklusiven Gestaltung der Berufs- und Studienorientierung sind praktische Hilfsmittel.

Personalentwicklung: Manager und Schulleitungen tauschen sich aus
Zur Unterstützung des Führungskräfte Know-hows führt die Landesarbeitsgemeinschaft
SCHULEWIRTSCHAFT seit über zehn Jahren das Personalentwicklungsprojekt „Partners in Leadership“ durch. Es bringt Führungskräfte der beteiligten Unternehmen mit den Leitungskräften hessischer Schulen zusammen. Unterdessen starteten die Kultusbehörden jüngst ein von der VhU begrüßtes Pilotprojekt zur systematischen Schulleitungsqualifizierung.

Wettbewerbe
Anreize führen zu motiviertem Lernen. Eines dieser Anreizsysteme sind unsere Wettbewerbe.

Um das Interesse an wirtschaftspolitischen Themen zu steigern, gestalten wir gemeinsam mit der Frankfurter Rundschau den erfolgreichen Wettbewerb „präsentieren & gewinnen“. Seit nunmehr elf Jahren beteiligen sich zahlreiche Oberstufenkurse mit bemerkenswerten Ausarbeitungen selbstgewählter Themen. Jedes Jahr dürfen neun Schülerinnen und Schüler in drei Gewinnerteams ihre Reflexion aktueller wirtschaftspolitischer Themen vor einem Fachpublikum mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft präsentieren. Die Frankfurter Rundschau begleitet diese Schülerforen mit einer umfassenden Berichterstattung. (Anm.: Nur, wenn nicht auf separaten Seiten)

Eine individuelle Reflexion des Betriebspraktikums führt zu einer besseren beruflichen Orientierung. Deshalb führen die SCHULEWIRTSCHAFT-Regionen den Wettbewerb „Bester Praktikumsbericht“ durch. Eine Breitenwirkung erzielen wir durch regionale Siegerehrungen mit Event-Charakter. Zusätzlich werden die besten Praktikumsberichte landesweit ermittelt und die Schülerinnen und Schüler prämiert.

 
Schulterschluss von Bildungspolitikern bei unserer MINT-Messe im hessischen Landtag. Landtagspräsident Kartmann (3.v.r.) mit Christoph Degen, dem bildungspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion (l.), Hans-Jürgen Irmer von der CDU-Landtagsfraktion (2.v.r.) und dem Landtagsvizepräsidenten Wolfgang Greilich, FDP (r.), mit Schülern an dem Stand einer ausstellenden Schule

Ansprechpartner
Jörg Feuchthofen

Jörg Feuchthofen
Bildungs- und Gesellschaftspolitik