Publikationen & Informationen

Ergebnisse der zehnten IW-Weiterbildungserhebung: Digitale Lernmedien beflügeln die betriebliche Weiterbildung

Ergebnisse der zehnten IW-Weiterbildungserhebung: Digitale Lernmedien beflügeln die betriebliche Weiterbildung

Alle drei Jahre befragt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Unter­nehmen zu deren Weiterbildungsaktivitäten, Motiven und Hemmnissen sowie zum Volumen der Investitionen in betriebliche Weiterbildung. Die vorliegende zehnte IW-Weiterbildungserhebung erfolgte erneut als Online-Befragung. Zwischen Ende April und Mitte August 2020 beteiligten sich insgesamt 1.340 Unter­nehmen an der Umfrage.

Zusammenfassung (Auszug aus der 10. IW-Weiterbildungserhebung)

Die Digitalisierung geht mit einem steigenden Qualifizierungsbedarf einher. Stärker digitalisierte Unter­nehmen sehen einen größeren Weiterbildungsbedarf als weniger digitalisierte Unter­nehmen. Gleichzeitig investieren sie mehr Zeit und Geld in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Die Digitalisierung stellt dabei nicht nur neue Anforderungen an Weiterbildungsinhalte, sondern sie bietet auch neue Lernmöglichkeiten, die immer mehr Unter­nehmen nutzen: Über 90 Prozent der weiterbildungsaktiven Unter­nehmen setzten im Jahr 2019 mindestens ein digitales Lernmedium ein, im Jahr 2016 waren es erst 84 Prozent. Die bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie intensivere Nutzung digitaler Medien dürfte erheblich dazu beigetragen haben, dass die Weiterbildungsaktivitäten in Zeiten des Lockdowns nicht stärker eingebrochen sind. Wichtigster Grund für den Einsatz digitaler Lernangebote im Jahr 2019 ist die gute Integrierbarkeit in den Arbeitsalltag. Digitale Lernmedien scheinen somit geeignet, die knappe Ressource „Zeit“ besser auszuschöpfen und das größte Hemmnis – die mangelnde Zeit für Weiterbildung – zu entschärfen. Aber auch finanzielle Hemmnisse können verringert werden. Denn 50 Prozent der Unter­nehmen nutzten digitale Angebote, weil sie kostengünstiger sind als herkömmliche Formate. Zudem fallen Auswahl und Einschätzung digitaler Angebote vielen Unter­nehmen leichter als die klassischer Weiterbildungsangebote. Um das Potenzial für eine didaktisch elaboriertere Nutzung digitaler Medien künftig noch intensiver zu nutzen, ist es wichtig, die Medienkompetenz des Bildungspersonals in den Unter­nehmen weiter auszubauen.

Lesen Sie  >> hier weiter.

Corona und Ausbildung: Bündnis Ausbildung unterstützt

Unter­nehmen dabei zu unterstützen Ausbildungen auch in Zeiten der Pandemie durchzuführen ist Ziel der Partner des Bündnisses Ausbildung Hessen. Hierzu haben die Partner am 8. Mai 2020 eine Erklärung vorgelegt. Grundtenor ist ein Bekenntnis zum dualen System und zur Sicherstellung der dualen Ausbildung, auch während der aktuellen Situation.

Die VhU ist Mitunterzeichnerin des Papiers und appelliert gemeinsam mit den anderen Partnern des Bündnisses - der Landesregierung, den Kammern, den Gewerkschaften, der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit und den kommunalen Spitzenverbänden – an die Akteure des dualen Systems, alles dafür zu tun, um die duale Ausbildung weiter zu stärken, Ausbildungen fortzuführen und auch mit Blick auf das Ausbildungsjahr 2020/2021 Perspektiven zu geben.

Ohne Zweifel ist es für sehr viele ausbildende Unter­nehmen in der momentanen Phase eine große Herausforderung, die Ausbildung wie gewohnt oder überhaupt fortzuführen. Gerade deshalb ist es wichtig, die bisherigen Aktivitäten und Maßnahmen der ausbildenden Unter­nehmen zu würdigen und mit dem Papier auch zu signalisieren, dass die Partner mit Unterstützung und Beratung an der Seite der Unter­nehmen stehen, die diesen Bedarf haben. Das Wirtschaftsministerium hat im Rahmen der Erklärung beispielsweise in Aussicht gestellt, Ausbildungszuschüsse zu entwickeln.

 Bündnis Corona

Modernisierung der IT-Berufe

Die technologischen Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung haben in den Unter­nehmen und insbesondere in ihren Produktionsprozessen zu deutlichen Veränderungen geführt. Davon sind insbesondere die IT-Ausbildungsberufe betroffen, die nun neu geordnet wurden. Die Anpassungen werden am 1. August 2020 in Kraft treten und haben die Änderungen der Ausbildungsordnungen für die Berufe zur Folge. Für Unter­nehmen bedeuten die Änderungen, dass sie diese auch während der Ausbildung umsetzen müssen.

Welche Berufe sind betroffen?

  • Fachinformatiker/-in - IT-System-Elektroniker/-in - Informatikkaufmann/-frau - IT-System-Kaufmann/Kauffrau

Was ist neu geregelt?

  • Der Ausbildungsberuf Fachinformatiker/-in mit seinen bisherigen Fachrichtungen Systemintegration und Anwendungsentwicklung wird um zwei neue Fachrichtungen Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung ergänzt.
  • Fachinformatiker/-innen der Fachrichtung Daten- und Prozessanalyse stellen die Verfügbarkeit sowie Qualität und Quantität von Daten sicher und entwickeln IT-Lösungen für digitale Produktions- und Geschäftsprozessen.
  • Fachinformatiker/-innen der Fachrichtung Digitale Vernetzung arbeiten mit der Netzwerkinfrastruktur und den Schnittstellen zwischen Netzwerkkomponenten und cyber-physischen Systemen.
  • Beim Beruf IT-System-Elektroniker/-in wurden vor allem die elektrotechnischen Inhalte überarbeitet.
  • Aus den bisherigen Informatikkaufleuten werden nun die Kaufleute für Digitalisierungsmanagement, die Digitalisierung von Geschäftsprozessen auf der operativen Ebene managen.
  • Bei den Kaufleuten für IT-System-Management (vormals: IT-System-Kaufmann/-frau) liegt der Schwerpunkt auf dem Angebot und der Vermarktung von IT-Dienstleistungen sowie dem Management und der Administration von IT-Systemen.

Für alle Berufe gilt übergreifend:

  • Die Themen IT-Sicherheit und Datenschutz werden deutlich ausgebaut.
  • Soziale und personale Kompetenzen rücken stärker in den Mittelpunkt.
  • Die gestreckte Abschlussprüfung wird eingeführt, bei der die Prüfung in zwei zeitlich voneinander getrennten Teilen stattfindet.
  • Das Prüfungsinstrument „Betriebliche Projektarbeit“ wird beibehalten.

Ab wann gelten die Veränderungen?

  • Die Änderungsverordnungen werden am 1. August 2020 in Kraft treten und gelten für alle Ausbildungsverhältnisse, die ab dann starten.
  • Für bestehende Ausbildungsverhältnisse gibt es Übergangsregelungen.

Hier finden Sie eine Präsentation vom Bundesinstitut für Berufsbildung mit einem Überblick zu den Änderungen. Außerdem können Sie die Änderungsordnungen und Zeugniserläuterungen für jeden der Berufe herunterladen.

 BIBB_Neuordnung IT-Berufe

Wo erhalten Unter­nehmen weitere Informationen?
Die wichtigsten Informationen erhalten Sie direkt beim Bundesinstitut für berufliche Bildung, unter folgendem Link: https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_121075.php

MINT Report

Der Bericht wird vom Institut der Deutschen Wirtschaft halbjährlich im Auftrag von Gesamtmetall, BDA, BDI und der Nationalen Initiative "MINT Zukunft schaffen" erstellt.
Der von der Corona-Pandemie verursachte konjunkturelle Einbruch, der sich auch auf die Nachfrage nach MINT-Fachkräften auswirkte, ist demnach überwunden. Die so genannte MINT-Lücke öffnet sich wieder, besonders stark in den akademischen Berufen. Besorgniserregend ist die Nachwuchssituation. Die Corona-Krise hat zu erheblichen Lernlücken und verringerten Ausbildungs- und Studienanfängerzahlen geführt. Viele Experten befürchten zudem höhere Abbruchraten insbesondere an den Hochschulen.

Wesentliche Ergebnisse des aktuellen Reports aus dem Frühjahr 2021 sind:

  •  In den akademischen MINT-Berufen liegt die Lücke Ende April 2021 bei 72.000 und damit mit 91 % relativ nah am April-Durchschnittswert von 2014 bis 2019 (78.900). Der größte Engpass zeigt sich mit einer Lücke zwischen Arbeitsplatz-Angebot und -Nachfrage von 48.600 in den Energie- und Elektroberufen, in den Bauberufen von 31.000 und in den IT-Berufen von 29.000.
  • Während die Beschäftigung in den MINT-Facharbeiterberufen vom vierten Quartal 2012 bis zum dritten Quartal September 2020 um 4,0 % anstieg, nahm die Zahl der beschäftigten IT-Fachkräfte um 59,2 % zu. Bei den Spezialistenberufen (Meister/Techniker) betrugen die Zuwächse 11,5 % für die MINT-Berufe insgesamt und 15,5 % für die IT-Spezialisten. Bei den akademischen Berufen war der Zuwachs in den IT-Expertenberufen mit 91,6 % deutlich höher als bei den MINT-Experten insgesamt (+36,1 %).
  • Für die Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte sind aus Sicht der Unter­nehmen in den kommenden fünf Jahren vor allem MINT-Experten von besondere Bedeutung. So erwarten 19 % der Unter­nehmen speziell zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte einen zusätzlichen Bedarf an Ingenieuren und Umweltingenieuren und 15 % einen steigenden Bedarf an sonstigen MINT-Experten. Einen steigenden Bedarf an IT-Experten erwarten sogar rund 32 % der Unter­nehmen.
  • In den kommenden Jahren werden jährlich über 62.200 MINT-Akademikerinnen und MINT-Akademiker aus Altersgründen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Der jährliche demografische Ersatzbedarf wird in den kommenden zehn Jahren um 13.000 auf 75.200 zunehmen. Das jährliche Neuangebot an beruflich qualifizierten MINT-Facharbeitern wird in den kommenden Jahren deutlich unter dem demografischen Ersatzbedarf liegen.
  • Der Anteil der MINT-Beschäftigten im Alter ab 55 Jahren an allen MINT-Beschäftigten ist in den letzten Jahren bundesweit kontinuierlich gestiegen. Auch während der Corona-Krise von Ende März 2020 bis Ende September 2020 ist der Anteil trotz der konjunkturellen Krise weiter gestiegen.
  • Der Anteil der Frauen in MINT-Berufen hat sich zwischen Ende 2012 und Ende September 2020 von 13,8 % auf 15,4 % erhöht. Auch während der Corona-Krise ist der Frauenanteil an den Beschäftigten weiter gestiegen.
  • Das MINT-Beschäftigungswachstum von ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern war im Zeitraum vom vierten Quartal 2012 bis zum dritten Quartal 2020 überproportional hoch. So ist die Beschäftigung von Deutschen in MINT-Facharbeiterberufen in diesem Zeitraum konstant geblieben, unter Ausländern nahm die Beschäftigung in MINT-Facharbeiterberufen um 5,3 % zu.
  • Auch wenn es bei Ausstattung und Nutzung digitaler Tools erste Fortschritte gibt, zeigen Untersuchungen von Anfang 2021, dass die Lernzeiten der Schülerinnen und Schüler weiterhin deutlich hinter den Phasen des Präsenzunterrichts zurückliegen und ein Teil von ihnen kaum über Videokonferenzen Unterricht erhält. Überträgt man die ersten empirischen Untersuchungen zu den Auswirkungen der Corona-bedingten Schulschließungen auf die MINT-Kompetenz, so könnte ohne kompensierende Maßnahmen in den Schulen ein Rückgang bei den PISA-Kompetenzen auf das Niveau von 2000 (PISA-Schock) erfolgen und die seit dem erreichten Fortschritte würden wieder verloren gehen. Dies würde langfristig die MINT-Fachkräftesicherung belasten. Da gerade Kinder mit bereits vorhandenen Lernschwierigkeiten besonders durch die Schulschließungen belastet wurden, dürfte es gravierende Probleme bei der Sicherung der Ausbildungsreife der Schulabsolventen geben.
  • Das MINT-Fachkräfteangebot dürfte zusätzlich sinken, wenn die mit der Corona-Krise verbundenen schwierigeren Studienbedingungen zu steigenden Abbrecherquoten führen sollten. Befragungen des DZHW im Sommer 2020 belegen, dass etwa jeder zehnte befragte Studierende einschätzt, ohne zusätzliche Förderung das Studium (eher) nicht fortsetzen zu können. Im Sommersemester 2020 nahm zudem im Vergleich zum Vorjahr die Anzahl an Bildungsausländern, die zum Studium nach Deutschland kommen, um 29 % ab. Da in den MINT-Fächern ein besonders hoher Anteil der Studierenden Bildungsausländer sind, ist in der Folge die Anzahl der Studierenden im ersten Hochschulsemester in den MITN-Fächern stark zurückgegangen.

Den aktuellen wie auch die beiden vorherigen MINT-Reporte finden Sie hier:

 MINT-Fruehjahrsreport 2021

 MINT-Herbstreport 2020

 MINT-Fruehjahrsreport 2020