Rückblick

Start der Reihe „Bildungspolitik in den Wahlprogrammen der Parteien in Hessen 2018“ // FDP setzt Schwerpunkte bei frühkindlicher Bildung und Digitalisierung // Wirtschaft sieht Handlungsbedarf bei Berufsschulen

Frankfurt/Wiesbaden. Das 36. VhU-Bildungsforum am 23.04.18 hat die langjährige Tradition aufgenommen, sich vor der Landtagswahl mit den bildungspolitischen Zielen der hessischen Parteien in ihren Wahlprogrammen auseinanderzusetzen.


Den Start machte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion und Stellv. Landtagspräsident, MdL Wolfgang Greilich. Eine besondere Priorisierung messe die FDP der frühkindlichen Bildung in Kindergärten und Kindertagesstätten zu. Zudem gelte es, den Übergang zwischen Kindergarten und Grundschule zu verbessern. „Wir brauchen die Besten der Besten“, so MdL Greilich, „um eine weltbeste Bildung als Schlüssel für mehr Chancengerechtigkeit zu ermöglichen“. Eine solche Bildung setze auf mehr pädagogisches und multiprofessionelles Personal sowohl in der frühkindlichen Bildung als auch in der Schule. Für beide Bildungsabschnitte würden gut ausgestattete Einrichtungen mit ausreichendem Platz- und Betreuungsangebot benötigt.

Neben einer Qualitätsoffensive mit gezielter Qualitätsentwicklung und Qualitätsstandards sollten nach Auffassung der FDP die bereits in der vorigen Legislaturperiode eingeführten 105%ige Lehrkräftezuweisung beibehalten und der Ausbau der Ganztagsangebote und der Selbstständigen Schulen verstärkt werden. Große Chancen sehe die FDP in den großen Möglichkeiten, die die digitale Bildung mit sich bringen werde.

All das habe seinen Preis, den MdL Greilich mit rund 750 Mio. € zusätzlich pro Jahr bezifferte. Für die Infrastrukturkosten der notwendigen Digitalisierung kämen auf das Land jährlich zusätzliche 50 Mio. € Investitionskosten hinzu. Hierbei gelte es jedoch, die Chancen zu sehen und den Lehrkräften mehr Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, um ihren pädagogischen Auftrag erfüllen zu können und neue Methoden auszuprobieren.

MdL Greilich plädierte dafür, die Inklusion bedarfsgerecht zu realisieren und dabei auch an Förderschulen festzuhalten. Weitere Schwerpunkte setzte er bei der Kooperation von Schulen und Wirtschaft zur Berufsorientierung, aber auch, um unternehmerisches Denken in der Schule zu vermitteln und zu stärken. Wichtig seien ebenfalls mehr Wirtschafts- und Finanzthemen in den schulischen Curricula.

Um die Lehrkräfte zu entlasten, schlage die FDP in ihrem Entwurf des Wahlprogramms vor, die Bürokratie an Schulen abzubauen, indem Schulverwaltungsassistenten, wie auch IT-Systemadministratoren, angestellt werden sollten. Insgesamt solle die Schulvielfalt erhalten und die Wahlfreiheit der Eltern gewährleistet bleiben.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, MdL Armin Schwarz, stellte fest: „Nach gemeinsamen Ansätzen in der vorigen Legislaturperiode mit der FDP haben wir den Stellenwert von Bildung in dieser Legislaturperiode mit Bündnis 90/Die Grünen noch einmal erhöht. Im Schulwesen ist die Fachkräftesicherung ein ganz zentrales Anliegen. Daher haben wir in dieser Legislaturperiode 4.300 zusätzliche Stellen geschaffen. Durch die zunehmende Digitali-sierung unserer Schulen wird weiterer Bedarf, etwa an Assistenzkräften, hinzukommen. Den häufig genannten Wunsch nach weniger Bürokratie im Schulsystem unterstütze ich von Herzen, sehe aber gerade im Landtag immer wieder die Nachfrage nach mehr statistischem Material.“

Der bildungspolitische Sprecher und Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen, MdL Mathias Wagner, bestätigte die dargelegten bildungspolitischen Grundziele auch für seine Partei: „Ab einer bestimmten Flughöhe, wenn es etwa um gute Bildung für alle und von Anfang an geht oder um die Forderung, kein Kind zurückzulassen, sind wir uns bei solchen Zielen in der Politik schon einig. Bei den Wegen und konkreten Maßnahmen zeigen sich dann aber die Unterschiede. Heute wird z. B. kein einziger Antrag auf eine Umwandlung in eine Ganztagsschule mehr abgewiesen, wenn die Voraussetzungen, auch beim Schulträger, dafür stimmen. Und bei der Inklusion haben die Erfahrungen gezeigt, dass es besser und wirkungsvoller ist, Förderschullehrer an Schulen zu binden, statt sie auf Rundreisen im Schulsystem zu schicken“.

Aus Sicht der hessischen Wirtschaft beschrieb der VhU-Geschäftsführer für Bildungspolitik, Jörg E. Feuchthofen, einige Handlungsfelder zu bildungspolitischen Inhalten im Vorfeld des Wahlkampfs in Hessen: „Sorgen bereitet uns derzeit vor allem die Situation der Berufsschulen. Für einige Ausbildungsberufe fehlen bereits seit längerem geeignete Fachlehrer, allen voran in den Berufen der Metall- und Elektroindustrie. Angesichts der anhaltend guten wirtschaftlichen Lage und einem zunehmendem Fachkräftemangel in den Unternehmen wird es immer schwieriger, Quereinsteiger aus der Wirtschaft als Berufsschullehrer zu gewinnen. Zudem müssen die Berufsschulen auf dem Weg in die Wirtschaft 4.0 mitgenommen werden. Die entsprechenden Veränderungen in den Unternehmen und die damit verbundenen Qualifikationen und Kompe-tenzen erfordern nicht nur moderne Ausbildungsordnungen, sondern auch entsprechende Wei-terbildungen und Hintergrundwissen in der Berufsschullehrerschaft.“


Hintergrund
Die Marke VhU-Bildungsforum greift seit 2004 aktuelle Themenstellungen in der hessischen Schulpolitik auf und bietet leitenden Vertretern des Schulsystems eine Plattform, mit in der Regel nur einem renommierten Gastreferenten zu diskutieren. Die schulpolitischen Sprecher der Fraktionen im Hessi-schen Landtag greifen Vortrag und Diskussion auf und ziehen jeweils ein eigenes Fazit. Die breite Spannweite der VhU-Forenthemen reicht von der Vorstellung erfolgreicher Schulsysteme im Ausland über die Diskussion neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse bis hin zu den bildungsbezogenen Wahlprogrammen der Parteien und zentralen Veränderungen aufgrund des Regierungshandelns im hessischen Schulwesen.

 Präsentation 36. VhU-Bildungsforum / FDP - Greilich MdL