Gastbeitrag in Fuldaer Zeitung: Thomas Reimann spricht sich gegen eine Erhöhung der Fördermittel beim Neubau von Sozialwohnungen aus dem Sondervermögen aus und fordert stattdessen, die Baukosten zu senken
Günstiger bauen, statt immer teurer zu fördern
Günstiger bauen, statt immer teurer zu fördern
Thomas Reimann spricht sich gegen eine Erhöhung der Fördermittel beim Neubau von Sozialwohnungen aus dem Sondervermögen aus und fordert stattdessen, die Baukosten zu senken
Trotz Rekordförderung reicht in Hessen das Budget für den sozialen Wohnungsbau nicht aus. Der Bau neuer Sozialwohnungen wurde 2024 in Hessen mit 622 Millionen Euro vom Land gefördert. Und trotzdem waren die Fördermittel überzeichnet. Auch für 2025 wird in Hessen mit einer Überzeichnung der Fördermittel gerechnet. Von daher überrascht es nicht, wenn nach mehr Fördermitteln gerufen wird, um mehr „bezahlbare Wohnungen“ zu ermöglichen. Und es wird auch gleich mit vorgeschlagen, woher das Geld dafür kommen soll: aus den Mitteln, die dem Land vom Bund aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zur Verfügung gestellt werden. Ich halte die Forderung, mehr Fördermittel für den Bau neuer Sozialwohnungen aus dem Sondervermögen bereitzustellen, für gleich doppelt falsch.
Denn erstens können wir bei neugebauten Sozialwohnungen nicht von „bezahlbarem Wohnraum“ sprechen, nur weil andere ihn bezahlen. Wir müssen die Ursachen für zu hohe Baukosten angehen, anstelle nach immer mehr Fördermitteln zu rufen. Bauen ist in den letzten Jahren strukturell zu teuer geworden, vor allem durch immer höhere Standards. Seit Anfang 2021 ist der Baupreisindex in Hessen für den Wohnungsneubau um 37 Prozent gestiegen. Dieser enorme Kostenanstieg lässt sich nicht wegfördern und ist für den gesamten Wohnungsneubau ein Riesenproblem. Darum müssen wir bei den Baukosten ansetzen. Deswegen ist es gut, dass in Hessen die Landesbauordnung von einer Expertenkommission überarbeitet wird, damit Bauen günstiger, schneller und einfacher wird.
Zweitens wurde das schuldenfinanzierte Sondervermögen dafür eingerichtet, die in den letzten Jahr(zehnt)en unterlassenen Investitionen in die Infrastruktur nachzuholen und zwar zusätzlich zu bereits geplanten Investitionen. Das ist dringend nötig, denn 84 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen sich durch marode Straßen, kaputte Brücken oder unzuverlässige Bahnen beeinträchtigt. Beschäftigte dürften es sicher nicht weniger sein. Mit Investitionen in Infrastruktur lässt sich Wirtschaftswachstum anschieben, das wir brauchen, um die Schulden wieder tilgen zu können. Staatliche Förderungen für den Neubau von Sozialwohnungen können weder Baukosten senken noch einen nachhaltigen Wachstumseffekt erzielen, weil dadurch das Produktionspotenzial der Unternehmen nicht erhöht wird.
Im Jahr 2024 konnten in Hessen 1.096 Sozialwohnungen nicht gefördert werden, weil dem Land dafür Fördermittel in Höhe von 255 Millionen Euro gefehlt haben. Das ergibt rund 232.000 Euro Fördermittel pro Wohnung, die sich aus Förderdarlehen und Zuschüssen zusammensetzen. Das ist sehr viel Geld, zumal der Bau einer Sozialwohnung nicht weniger kostet, als der Bau einer normalen, freifinanzierten Wohnung.
Ich halte es für falsch, beim Neubau von Sozialwohnungen von „bezahlbaren Wohnungen“ zu sprechen, denn diese Wohnungen sind im Bau keinen Cent günstiger als normale Wohnungen und benötigen immer höhere Fördermittel. Wohnungen werden nicht bezahlbar, nur weil sie durch Steuergeld jemand anderes bezahlt – am Ende nämlich der Steuerzahler. Günstiger Wohnraum lässt sich nicht herbeifördern. Es wäre besser, die Baukosten zu senken und wieder mit niedrigeren Standards zu bauen, als im Neubau teure Sozialwohnungen mit immer noch mehr Geld zu fördern.
Gastbeitrag in Fuldaer Zeitung erschienen am Fr., 02.01.2026
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