11. VhU-Bildungsforum

Bildungsstandards sind unverzichtbar, müssen aber mit Leben gefüllt werden

15.09.2008 3 Min. Lesezeit

Frankfurt am Main. Das hessische Schulsystem braucht Bildungsstandards. Sie sind das Markenzeichen international erfolgreicher Schulreformen. Die Einführung kompetenzorientierter Standards bietet die große Chance, Schule und Unterricht grundlegend zu verbessern, hin zu mehr individueller Förderung der Schüler und hin zu mehr Selbstständigkeit von Schule, sagte Jörg E. Feuchthofen, Geschäftsführer für Bildungspolitik der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) heute (15. September 2008) anlässlich der Eröffnung des 11. VhU-Bildungsforums Selbstständige Schule 2015 in Frankfurt.

Die Bundesländer hätten bereits 2001 beschlossen, Bildungsstandards in ganz Deutschland einzuführen, in Hessen für das Schuljahr 2010/11. Der Schulpraxis sei aber noch nicht klar, welche Folgen sich daraus für ihre tägliche Arbeit ergäben, so der VhU-Geschäftsführer. Selbst führende Vertreter von Lehrerverbänden erklärten in öffentlichen Anhörungen des Landtags, dass Bildungsstandards das Kerngeschäft und die Kernsituation von Unterricht nicht berührten und bei den Lehrkräften nicht mehr als ein müdes Achselzucken hervorriefen. Das Kultusministerium ist hier gefordert. Wir brauchen ein klares Konzept und einen Zeit- und Maßnahmenplan zur Einführung“, forderte Feuchthofen und ergänzte: Nur so lassen sich alle Beteiligten auf dem Weg mitnehmen. Beim Bau eines Hauses kommt auch keiner auf die Idee, einfach die Steine auf dem Bauplatz abzukippen und zu mauern, ohne dass der Architekt dem Bauleiter die Zeichnung erklärt hat“.

Bildungsstandards waren das Thema des 11. VhU-Bildungsforums und des Einführungsreferates, das von Prof. Dr. Jörg Schlömerkemper vom Institut für Pädagogik der Sekundarstufe der J. W. Goethe-Universität in Frankfurt gehalten wurde. Das Kerngeschäft von Schule muss zukünftig das `Lernen lehren´ sein, forderte er. Nur so lasse sich nachhaltig die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler fördern und stärken. Unterricht braucht einen ganzheitliche Lernansatz, der aus Kompetenz- und Prozessorientierung sowie Übung besteht, referierte Schlömerkemper. Das bedeute, Unterricht so zu organisieren, dass Kinder ihre eigenen Kompetenzen in einen gemeinsamen Lernprozess einbringen, aus dem heraus sie selbst neue Kompetenzen erwerben. Die neuen Fähigkeiten müssten dann immer wieder in Leistungssituationen erprobt und reflektiert werden. Für einen solchen pädagogischen Ansatz seien die geplante Ablösung der Lehrpläne und die Einführung kompetenzorientierter Bildungsstandards eine grundlegende Voraussetzung. Bildungsstandards als solche seien keine Allheilmittel. Auch Bildungsstandards stehen wie Lehrpläne zunächst nur auf dem Papier. Sie müssen im Unterricht mit Leben gefüllt werden. Dies gelingt nur mit neuen Formen des Unterrichts. Individuelle Förderung und gemeinsame Lernerlebnisse, bei denen auch Leistung gefordert wird, sind hier die entscheidenden Faktoren, folgerte Schlömerkemper abschließend.

Das VhU-Bildungsforum wird seit 2004 regelmäßig veranstaltet und beleuchtet das Thema „Selbstständige Schule“ unter verschiedenen thematischen Blickwinkeln. Erfolgreiche Beispiele aus dem In- und Ausland werden vorgestellt und mit Experten und Expertinnen aus Politik, Institutionen und Verbänden diskutiert.

Zum Format: Das VhU-Bildungsforum wird seit über zwanzig Jahren von der VhU ausgerichtet. Es greift jeweils ein bildungspolitisches Thema auf, das in Form eines Fachvortrages fokussiert wird, auf den anschließend die thematisch zuständigen Sprecher/innen der Fraktionen aus dem Hessischen Landtag reagieren.

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