Wie lässt sich die hessische Lehramtsausbildung in eine Bachelor-Master-Struktur überführen? Beim 15. VhU-Bildungsforum stellte Prof. Dr. Joybrato Mukherjee die Vorschläge der Arbeitsgruppe „Lehrerbildungsreform in Hessen“ vor
15. VhU-Bildungsforum
Wie kann die hessische Lehramtsausbildung in das Bachelor-Master-System überführt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich das 15. VhU-Bildungsforum am 7. Dezember 2009. Prof. Dr. Joybrato Mukherjee stellte die Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Lehrerbildungsreform in Hessen“ und deren Vorschläge für gestufte Studiengänge in der hessischen Lehramtsausbildung vor.
Die Arbeitsgruppe, die Prof. Dr. Joybrato Mukherjee leitete, hatte einen gemeinsamen Rahmen für die Weiterentwicklung der Lehramtsstudiengänge erarbeitet. Dazu gehörten insbesondere eine einheitliche Bachelor-Master-Struktur, die stärkere Einbindung der Lehrerbildung in den Bologna-Prozess sowie mehr berufliche Flexibilität und Mobilität für die Studierenden.
Vorgeschlagen wurde eine einheitliche Grundstruktur für alle Lehramtsstudiengänge: ein sechssemestriges Bachelorstudium und ein viersemestriges Masterstudium. Diese sogenannte 6+4-Struktur sollte auch für die Lehrämter an Grundschulen sowie an Haupt- und Realschulen gelten. Die Arbeitsgruppe begründete dies mit der qualitativen Gleichwertigkeit der unterschiedlichen Lehrämter und den gestiegenen beruflichen Anforderungen.
Der Bachelor sollte fachwissenschaftliche, bildungswissenschaftliche und fachdidaktische Elemente verbinden und zugleich Wechsel in andere Studien- und Berufsfelder ermöglichen. Der Master sollte eindeutig auf den Lehrberuf ausgerichtet sein und mit dem Abschluss „Master of Education“ enden. Nach dem Konzept der Arbeitsgruppe sollte dieser Abschluss das bisherige Erste Staatsexamen vollständig ersetzen und den grundsätzlichen Zugang zum Vorbereitungsdienst eröffnen.
Das Positionspapier nahm auch die beruflichen Möglichkeiten nach dem Bachelorabschluss in den Blick. Genannt wurden Tätigkeitsfelder in der Kinder- und Jugendarbeit, der Erwachsenenbildung, der Aus- und Weiterbildung, der Berufsberatung sowie in bildungsbezogenen Medien- und Verlagsunternehmen. Innerhalb von Ganztagsschulen könnten Bachelorabsolventinnen und -absolventen beispielsweise als pädagogische Assistenzkräfte in der Förderung, Betreuung und Gestaltung zusätzlicher Lernangebote eingesetzt werden. Die Verantwortung für den schulischen Unterricht sollte weiterhin bei vollständig ausgebildeten Lehrkräften mit Masterabschluss und absolviertem Vorbereitungsdienst liegen.
Eine besondere Bedeutung maß die Arbeitsgruppe den schulpraktischen Studien bei. Ein vorbereiteter, universitär begleiteter und reflektierter Praxiskontakt sollte den Studierenden eine fundierte Auseinandersetzung mit dem angestrebten Beruf ermöglichen. Gleichzeitig wies die Arbeitsgruppe darauf hin, dass für eine Ausweitung der Praxisanteile zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen erforderlich seien.
Auch die Zusammenarbeit zwischen Studium und Vorbereitungsdienst sollte intensiviert werden. Darüber hinaus verstand die Arbeitsgruppe Lehrerbildung als lebenslangen Prozess: Studium und Referendariat sollten die Grundlage bilden, während Fort- und Weiterbildung die beruflichen Kompetenzen im weiteren Berufsleben aktualisieren, vertiefen und erweitern sollten.
Die vorgeschlagene 6+4-Struktur war mit zusätzlichen Kosten verbunden. Nach den im Positionspapier wiedergegebenen damaligen Berechnungen hätten sich die jährlichen Kosten der Lehramtsstudiengänge an den hessischen Universitäten von rund 34,7 Millionen Euro auf rund 50,5 Millionen Euro erhöht. Die Arbeitsgruppe bezifferte die daraus entstehenden Mehrkosten auf knapp 16 Millionen Euro jährlich und forderte eine entsprechende Aufstockung der universitären Ressourcen.
Zum Format: Das VhU-Bildungsforum wird seit über zwanzig Jahren von der VhU ausgerichtet. Es greift jeweils ein bildungspolitisches Thema auf, das in Form eines Fachvortrages fokussiert wird, auf den anschließend die thematisch zuständigen Sprecher/innen der Fraktionen aus dem Hessischen Landtag reagieren.
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