16. VhU-Bildungsforum

Was kostet eine gute Schule und welchen Beitrag leisten freie Träger zu Qualität und pädagogischer Innovation? Das 16. VhU-Bildungsforum nahm Finanzierung, Bildungsverständnis und schulische Gestaltungsspielräume in den Blick

22.03.2010 3 Min. Lesezeit

Mit diesen Fragen beschäftigte sich das 16. VhU-Bildungsforum „Selbstständige Schule 2015“ am 22. März 2010. Prof. Dr. Eckhard Nordhofen des Bistums Limburg beleuchtete in seinem Vortrag die Kosten guter Schulen, die Finanzierung freier Träger und deren Bedeutung für die Weiterentwicklung der gesamten Schullandschaft.

Ausgangspunkt war die Frage nach den tatsächlichen Vollkosten einer Schule. Prof. Dr. Eckhard Nordhofen verwies darauf, dass deren Ermittlung durch die geteilten Zuständigkeiten erschwert werde: Während Landkreise und kreisfreie Städte unter anderem für Gebäude, Ausstattung sowie Verwaltungs- und Hausmeisterpersonal zuständig seien, lägen Schulaufsicht, pädagogische Fragen und Lehrkräfte beim Land. Dadurch entstünden Unklarheiten bei der Bestimmung der landesweiten Gesamtkosten.

Für die von ihm vertretenen Schulen in freier Trägerschaft nannte Prof. Dr. Eckhard Nordhofen damalige jährliche Kosten von insgesamt 6.375 Euro pro Schüler. Davon entfielen nach seiner Darstellung 4.800 Euro auf das Personal und 1.575 Euro auf Sachkosten wie Gebäude, Investitionsabschreibungen, Instandhaltung, Verwaltung und Hausmeisterdienste. Die Zahlen stammen aus seinem Vortrag und beziehen sich auf die damaligen Schulen des Trägers.

Freie Schulen könnten nach seiner Einschätzung Impulse für einen effizienteren Ressourceneinsatz geben. Als Beispiele nannte er den Einsatz von Unterstützungskräften für Aufgaben in Aufsicht, Betreuung und Verwaltung sowie flexiblere Möglichkeiten beim Personaleinsatz. Zugleich kritisierte er die damalige Refinanzierung freier Schulen, durch die nach seiner Darstellung Finanzierungslücken bei den Trägern entstanden.

Der Vortrag beschränkte sich jedoch nicht auf die Finanzierung. Prof. Dr. Eckhard Nordhofen stellte die grundsätzliche Frage, was eine gute Schule ausmacht. Schule dürfe nicht allein als Zulieferer für das Beschäftigungssystem betrachtet und ausschließlich nach kurzfristiger wirtschaftlicher Verwertbarkeit bewertet werden. Neben grundlegenden Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen komme es auch auf Persönlichkeitsbildung und einen weiten Bildungsbegriff an.

Literatur, Musik, Kunst und Religion seien Bestandteile einer umfassenden Bildung. Eine gute Schule müsse Freiräume für Reflexion schaffen und dürfe sich nicht allein am kurzfristigen Nutzen orientieren. Nach der Argumentation des Referenten fördere ein solcher weiter Bildungsbegriff langfristig auch die Fähigkeit, bestehende Denkmuster zu hinterfragen und neue Lösungen zu entwickeln.

Freie Schulen könnten dabei als Impulsgeber für pädagogische Innovationen wirken. Durch größere Gestaltungsmöglichkeiten könnten sie neue Ansätze erproben und damit die schulische Debatte insgesamt bereichern. Die geplante stärkere Selbstständigkeit aller Schulen sollte ihnen ebenfalls ermöglichen, eigene Profile zu entwickeln. Als bereits bestehende Beispiele für solche Gestaltungsprozesse verwies Prof. Dr. Eckhard Nordhofen auf Schulen in freier Trägerschaft.


Zum Format: Das VhU-Bildungsforum wird seit über zwanzig Jahren von der VhU ausgerichtet. Es greift jeweils ein bildungspolitisches Thema auf, das in Form eines Fachvortrages fokussiert wird, auf den anschließend die thematisch zuständigen Sprecher/innen der Fraktionen aus dem Hessischen Landtag reagieren.

Ansprech­partner

Jonas Fidler
Jonas Fidler

Bildungspolitik

069 95808-215

Julia Mungenast

Bildungspolitik

069 95808-212

Matthias Rust

SCHULEWIRTSCHAFT

069 95808-255