Schwedischer Bildungsexperte plädiert für mehr Eigenverantwortung in deutschen Schulen
2. VhU-Bildungsforum
„Deutsche Schulen brauchen mehr Eigenverantwortung bei der Gestaltung ihres Unterrichts, bei der Auswahl ihres Personals und dem Einsatz ihrer finanziellen Mittel.“ Dafür plädierte Prof. Dr. Mats Ekholm, Generaldirektor beim Bildungs- und Kulturministerium in Stockholm, anlässlich des Bildungsforums „Selbstständige Schule 2015“ bei der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).
Nach Auffassung des OECD-Bildungsexperten Ekholm hätten die internationalen Vergleichsstudien wie PISA gezeigt, dass die Bildungssysteme der Länder erfolgreich seien, die ihren Schulen ein Höchstmaß an Eigenverantwortung gäben.
„Mehr Eigenverantwortung von Schule braucht aber auch ein hohes Maß an Teamarbeit in der Schule sowie ein staatliches System der Leistungsüberprüfung, Rückmeldung, Beratung und Unterstützung. Sie benötigt eine Kultur der Zusammenarbeit und Förderung“, führte Ekholm in seinem 45-minütigen Vortrag aus.
Der Weg von einem staatlich gelenkten Schulsystem zu einer Organisation mit eigenverantwortlichen Schulen sei lang, aber machbar. Dies zeigten die Erfahrungen aus seinem Heimatland Schweden. Seit Anfang der 60er-Jahre sei man dort kontinuierlich den Weg der Dezentralisierung gegangen. Schwedische Schulen seien heute in der Verantwortung der Kommunen und agierten weitgehend selbstständig. Dennoch bleibe Bildung Aufgabe des Staates. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler würden regelmäßig und landesweit einheitlich getestet. Die Ergebnisse dieser Tests und die Prüfung der Schulleistungen durch unabhängige Experten seien für die Lehrkräfte unverzichtbare Grundlagen zur kontinuierlichen Verbesserung ihrer Schule.
Seinen Vortrag beendete Ekholm mit der Empfehlung, Schulleiterinnen und Schulleitern in Deutschland mehr zuzutrauen, sie besser auszubilden und mit mehr Verantwortung auszustatten. Schulleiterinnen und Schulleiter seien ein wichtiger Faktor für den Erfolg einer Schule. Sie verkörperten die Kultur der Zusammenarbeit und Förderung.
Prof. Dr. Mats Ekholm ist seit Anfang 2004 Generaldirektor am Bildungsministerium in Stockholm. Davor war er Generaldirektor der schwedischen Bildungsagentur Skolverket. In seiner beruflichen Laufbahn war Ekholm für diverse Bildungseinrichtungen und Forschungszentren in Schweden und Europa tätig. Er ist Mitglied in mehreren Arbeitsgruppen bei der OECD.
Zum Format: Das VhU-Bildungsforum wird seit über zwanzig Jahren von der VhU ausgerichtet. Es greift jeweils ein bildungspolitisches Thema auf, das in Form eines Fachvortrages fokussiert wird, auf den anschließend die thematisch zuständigen Sprecher/innen der Fraktionen aus dem Hessischen Landtag reagieren.
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