28. VhU-Bildungsforum

Beim VhU-Bildungsforum zeigt die Oskar-von-Miller-Schule, wie eine neue Lehr- und Lernkultur, zeitgemäße Ausstattung und individuelle Lernziele schulische Entwicklung unterstützen

09.12.2013 3 Min. Lesezeit

Nachdem die schulpolitische Diskussion in Hessen weitgehend vom Wahlkampfjahr 2013 geprägt war, ging und geht der Unterricht an unseren Schulen weiter. Dabei nehmen Lehrkräfte eine zunehmende Heterogenität von Schülerinnen und Schülern wahr. Die zielführende Folgerung aus dieser Wahrnehmung ist eine individuelle Förderung, die längst als zentrale Aufgabe schulischer Bildung erkannt wurde. Doch der Anspruch einer solchen zielgerichteten Förderung individuellen Lernens bedeutet an jedem Unterrichtstag eine Herausforderung, vor allem für Lehrende, aber auch für Lernende.

Viele zukunftsweisende Konzepte individueller Lernförderung sind bereits an hessischen Schulen entwickelt. Nicht immer gelingt jedoch die tägliche Umsetzung des eigenen Anspruchs. Daher hat die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) mit ihrer Veranstaltungsreihe „VhU-Bildungsforum“ am 09.12.2013 den Raum und Rahmen für ein Beispiel gelingender Praxis gegeben und den Austausch über praktikable Konzepte und Erfahrungen ermöglicht.

Herr Wilfried Dülfer, stellvertretender Schulleiter der Oskar-von-Miller-Schule in Kassel, stellte das Lehr- und Lernkonzept seiner beruflichen Schule beim Bildungsforum der Fachöffentlichkeit und den bildungspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen vor. Der Titel seines Vortrags lautete „Schule verändern – aber wie – Abenteuerland?“

Neben den weitgehend bekannten, doch nicht flächendeckend umgesetzten lernpädagogischen Erkenntnissen des gehirngerechten Lernens verdeutlichte er, wie bedeutsam das gemeinsame Erleben und der Spaß für ein erfolgreiches Lernen sind. Kommen viele Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte, mit dem Serviceanspruch in die Schule, die Lehrkräfte müssten wie beim Friseur am Kunden arbeiten, so sei das Trainieren im Fitnessstudio ein besseres (Vor-)Bild erfolgreichen Lernens, da der Lernende mit fachlicher Unterstützung viel effektiver lerne.

Der Wandel in der Gesellschaft bedarf eines entsprechenden Wandels auch in Schulen, nicht nur hinsichtlich des Lernens selbst. Neben einer veränderten Rolle der Lehrkräfte als Lerncoaches spielen auch die räumlich-technischen Anforderungen in Schulen eine Rolle. „Wenn die Betriebe unseres dualen Systems uns ernstnehmen sollen, können wir z. B. nicht mit veralteter EDV arbeiten“, so Dülfer. Neben den Lehrerinnen und Lehrern sind somit auch die Schulträger für eine zeitgemäße Ausstattung gefordert.

Anhand der Kompetenzraster des schweizer Instituts Beatenberg erläuterte Dülfer die Vorgehensweise an der Oskar-von-Miller-Schule in Kassel. Geleitet von der Frage „was man können könnte“, definiert jede Schülerin und jeder Schüler mit seiner Lehrkraft individuelle Ziele und dokumentiert die eigenen Anstrengungen durch Lernnachweise. All dies setzt ein verändertes Rollenverständnis in einer neuen Lehr- und Lernkultur voraus.

In der anschließenden Diskussion der 60 teilnehmenden Gäste kamen auch die Hürden für notwendige Veränderungen zur Sprache. Erkennbar wurde, dass neben Teamarbeit von Lehrkräften, z. B. durch gemeinsame Unterrichtsvorbereitung, auch veränderte Arbeitszeitmodelle überlegenswert sind.

Einigkeit bestand darin, dass Individualisierung Ressourcen braucht und vielen Schulen ein entsprechendes Coaching helfen kann. Ebenso war der Wert einer guten Ausstattung und ansprechender Klassenräume unumstritten.

Mit dem Hinweis, welche digitalen Medien sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden können und dass Schulprogramme Evaluation erfordern, regte Dülfer zu einer mitunter kontrovers geführten Diskussion aktueller technischer wie auch schulpolitischer Themen an.

Das Forum in Bildern:

Fotos: Dietrich vom Berge

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