Eigenverantwortung und Schul-TÜV sind die zwei Seiten der Medaille „Qualität in der Schule“
3. VhU-Bildungsforum
Frankfurt am Main. „Schulen haben in den Niederlanden ein Höchstmaß an Eigenverantwortung. Sie entscheiden über Profil, Stundentafel, Personal und den Einsatz der finanziellen Mittel. Im Gegenzug unterziehen sie sich regelmäßig einer Prüfung und Beratung durch unabhängige Gutachter, sogenannte Schulinspektoren. Dadurch stellen wir sicher, dass der staatliche Bildungsauftrag landesweit erfüllt wird, ohne die Schulen in ihrer Kreativität und ihrem Engagement zu behindern.“ Dies sagte Dr. Bob van de Ven, Vorsitzender der Niederländischen Gesellschaft für Bildungsverwaltung in Utrecht, anlässlich des 3. Bildungsforums „Selbstständige Schule 2015“ der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).
Der Bildungsexperte betonte, dass man in den Niederlanden mit der Deregulierung des Schulsystems und mit mehr Eigenverantwortung für die einzelne Schule sehr gute Erfahrungen gemacht habe. „Die Schulen gehen verantwortungsvoll mit ihrer neuen Freiheit um. Sie haben erfahren, dass die Schulinspektion ihnen hilft, die Qualität ihres Unterrichts und der Schule zu verbessern. Der Blick von außen ist Gold wert“, betonte Van de Ven. Am Anfang hätten die Schulleitungen und Lehrkräfte die Kontrolle der Inspektion gefürchtet. Jetzt seien sie für deren Beratung und Unterstützung dankbar. Interne und externe Überprüfung gingen so Hand in Hand.
Eigenverantwortung der Schule und Schulinspektion seien die beiden Seiten derselben Medaille „Qualität an der Schule“. Sie seien untrennbar miteinander verbunden. „Bei der Einführung des Instrumentes Schulinspektion ist es daher zwingend notwendig, den Schulen gleichzeitig ein Höchstmaß an Handlungsfreiheit einzuräumen“, sagte Van de Ven mit Blick auf den neuen Modellversuch des hessischen Instituts für Qualitätsentwicklung. Ab dem neuen Schuljahr soll an 50 hessischen Schulen ein Inspektionsmodell getestet werden, das dem in den Niederlanden sehr ähnlich ist. Ziel des Versuchs: landesweite Einführung von Schulinspektionen ab Herbst 2006.
Zum Abschluss seines Vortrages zog Van de Ven ein positives Fazit aus den bisherigen Erfahrungen: „Schulen in den Niederlanden werden besser gesellschaftlich vernetzt. Durch mehr Entscheidungsfreiräume und die Inspektion wird ihre Arbeit transparenter. Dazu trägt bei, dass die Schulinspektion die Resultate im Internet veröffentlicht. Schule lädt so zur Mitarbeit ein. Dies spüren die Eltern und die anderen Partner der Schule.“
Dr. Bob van de Ven ist Vorsitzender der „Niederländischen Gesellschaft für Bildungsverwaltung“ und Mitglied im „Steering Committee“ des „European Forum for Administration in Education“. Er ist Mitglied des Vorstandes der „Stiftung Internationale Bildung“ in Den Haag und Vorsitzender der „European League for Schoolquality“. Dr. Van de Ven arbeitet seit 1978 als Schulleiter in Den Haag und Utrecht und ist seit 1998 Vorstandsvorsitzender einer Stiftung für Primar- und Sekundarunterricht, die in der Region Utrecht für insgesamt 42 Schulen zuständig ist.
Zum Format: Das VhU-Bildungsforum wird seit über zwanzig Jahren von der VhU ausgerichtet. Es greift jeweils ein bildungspolitisches Thema auf, das in Form eines Fachvortrages fokussiert wird, auf den anschließend die thematisch zuständigen Sprecher/innen der Fraktionen aus dem Hessischen Landtag reagieren.
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