Weidemann: „Qualitative Weiterentwicklung der Berufsausbildung stärkt Bildungssystem und sichert Vollversorgung“ / Preisträger: Adolf-Reichwein-Schule, Schulze-Delitzsch-Schule und Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung
5. VhU-Bildungsforum
Frankfurt am Main. „Der Hessische Ausbildungspakt hat auch 2005 das Ziel der Vollversorgung erreicht. Den entscheidenden Schub wird aber erst die qualitative Weiterentwicklung des Berufsbildungssystems bringen“, resümierte Prof. Dieter Weidemann, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), auf dem 5. VhU-Bildungsforum „Selbständige Schule“ anlässlich der Verleihung des Innovationspreises Berufliche Schulen. Er skizzierte als Trends der Zukunft: neue Berufsbiografien, lebenslanges Lernen durch Verbindung von Arbeit und Lernen, Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation sowie die Verzahnung der beruflichen und tertiären Bildung als Teile eines Bildungssystems.
Gastreferent Thomas Schmidt von Cisco Systems zeigte, wie das Internet die Arbeitswelt und das Lernen verändert. Darauf müsse die Schule mit neuen Konzepten reagieren. Er stellte das größte Zentrum für virtuelles Lernen aus Großbritannien, das City Learning Centre, als Best-Practice-Beispiel vor. In diesem arbeiteten das regionale Management der Unternehmen, Schulmanagement, Eltern und Schüler mit neuen Rollen in einem umfassenden Netzwerk zusammen. Dies verbessere das Bildungsangebot der Gemeinde.
Der Innovationspreis Berufliche Schulen wurde zum zweiten Mal für die kreative und innovative Nutzung des Internets an berufliche Schulen in Hessen vergeben: Der erste Preis mit 4.000 Euro ging an die Adolf-Reichwein-Schule aus Limburg. Zwei zweite Preise mit 3.000 Euro wurden an die Schulze-Delitzsch-Schule aus Wiesbaden und die Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode verliehen. Drei dritte Preise und den Cisco Aironet Accesspoint gewannen die Max-Eyth-Schule aus Alsfeld, die Peter-Paul-Cahensly-Schule aus Limburg und die Werner-von-Siemens-Schule aus Wetzlar. Der Innovationspreis wird seit 2004 vom Hessischen Kultusministerium und der VhU gemeinsam vergeben und von Cisco Systems unterstützt.
Weidemann hob die Medienkompetenz als ein zentrales Ziel der schulischen und beruflichen Ausbildung der Zukunft besonders hervor. In der Wirtschaft sei die Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie bereits Alltag. Aber es stelle sich die Frage, ob die Schule schon in dieser Realität angekommen sei. Der Internetauftritt einer Schule sei wie in der Wirtschaft eine Visitenkarte und ein Spiegel der Gesamtorganisation. „Aus den Erfahrungen des Innovationspreises 2004 und 2005 wissen wir, dass die beruflichen Schulen in Hessen einiges zu bieten haben. Aber die Entwicklung geht weiter. Die Schulen in diesem Entwicklungsprozess zu unterstützen und zu fördern, ist die Aufgabe unseres Wettbewerbs“, so Weidemann.
Die steigenden Qualifikationsanforderungen der Wirtschaft stellten auch neue Anforderungen an das System der beruflichen Bildung. Der hessische Ausbildungspakt habe durch seine Instrumente auch 2005 die Vollversorgung der Jugendlichen sichergestellt. Um auch in Zukunft die quantitativen Probleme lösen zu können, müssten wir uns den qualitativen Fragen zuwenden und das Berufsbildungssystem weiterentwickeln. „Wir müssen Bildung neu denken“, so der VhU-Präsident.
Berufliche und tertiäre Bildung würden in Zukunft nahtlos ineinander übergehen und als Bildungssysteme prinzipiell gleichwertig sein. Dafür müsste der Zugang zu Qualifizierungsangeboten neu gestaltet werden. Die gegenseitige Anrechnung und Anerkennung von Leistungen im beruflichen und tertiären Bildungssystem müsse endlich vorangebracht werden. Dazu seien auch neue Angebote der Hochschulen an Berufspraktiker erforderlich. Aber auch die beruflichen Schulen stünden vor neuen Anforderungen, wenn das berufliche Qualifikationsprofil gleichzeitig eine Brücke zur tertiären Ausbildung eröffnet.
Die VhU habe gemeinsam mit dem Hessischen Wirtschaftsministerium und dem Institut der deutschen Wirtschaft eine Studie erarbeitet, die sie nun der Öffentlichkeit zur Verfügung stelle. Die Studie „Verknüpfung von Berufsbildung und Studium – Personalentwicklungskonzepte hessischer Unternehmen“ belege den steigenden Qualifikationsbedarf hessischer Unternehmen und zeige der Politik vielfältige Handlungsfelder auf, wie der Standort Hessen durch eine Weiterentwicklung der Bildungsinfrastruktur und neue Modelle der Kooperation von Hochschulen, Berufsschulen und Wirtschaft weiterentwickelt werden könne.
Zum Format: Das VhU-Bildungsforum wird seit über zwanzig Jahren von der VhU ausgerichtet. Es greift jeweils ein bildungspolitisches Thema auf, das in Form eines Fachvortrages fokussiert wird, auf den anschließend die thematisch zuständigen Sprecher/innen der Fraktionen aus dem Hessischen Landtag reagieren.
Das Forum in Bildern:
Fotos: Christoph Boeckheler
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