7. VhU-Bildungsforum

Experte aus NRW plädiert: „Schulen müssen auf dem Weg zu mehr Freiraum bei gleichzeitig einheitlichen Bildungsstandards früh qualifiziert werden.“  

11.09.2006 3 Min. Lesezeit

Frankfurt am Main. „Auf dem Weg zur Selbstständigkeit brauchen Schulen vor allem rechtzeitige Beratung, Unterstützung und Qualifizierung. Gezielte Fortbildung zur Unterrichtsentwicklung und zum Management von Schule ist ein wichtiger Schlüssel für eine erfolgreiche Schulentwicklung.“ Dies sagte Wilfried Lohre, Leiter des Modellprojektes „Selbstständige Schule“ in Nordrhein-Westfalen (NRW), anlässlich des 7. Bildungsforums „Selbstständige Schule 2015“ bei der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).

„Die Selbstständigkeit von Schule ist nicht von heute auf morgen zu haben. Sie ist ein langer Prozess, mit einschneidenden Veränderungen für Lehrer, Schüler und Eltern. Die in und an Schule Beteiligten müssen auf diesem Weg ‚mitgenommen‘ werden. Die politisch Verantwortlichen im Land und in den Kommunen stehen hier vor einer großen Aufgabe. Sie ist nicht durch Gesetzesänderungen allein zu bewältigen und auch nicht zum Nulltarif. Es bedarf einer staatlich-kommunalen Verantwortungsgemeinschaft für die Bildung in der Region“, sagte Lohre mit Hinweis auf das von ihm geführte Projekt „Selbstständige Schule“ der Bertelsmann Stiftung und des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, an dem sich 278 Schulen in 19 Regionen Nordrhein-Westfalens beteiligen. Das Projekt wurde im Schuljahr 2002/2003 gestartet und hat eine Projektlaufzeit von insgesamt sechs Jahren.

Schule müsse sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, den Unterricht. Ziel müsse es sein, die Eigenverantwortung und Selbstständigkeit jedes einzelnen Schülers und jeder Schülerin zu stärken. Dies müsse die Grundlage jeder Schulreform sein, auch bei Reformen der Schulorganisation. Was für Schüler gelte, müsse auch für Lehrkräfte und Schulleitung selbstverständlich sein. Sie hätten schließlich Vorbildfunktion. „Schulen brauchen ein Höchstmaß an Eigenverantwortung und Flexibilität in der Gestaltung des Unterrichts, in der Schulentwicklung, der Personalauswahl und beim Management der Schule“, sagte Lohre. Dies zeigten nicht nur internationale Vergleichsstudien wie PISA, sondern auch der groß angelegte Modellversuch in NRW.

Mehr Freiraum für die einzelne Schule sei aber nur „eine Seite der Medaille“. Auf der anderen Seite seien landeseinheitliche Bildungsstandards, eine regelmäßige Leistungsüberprüfung der Schule und die kontinuierliche Qualifizierung der Mitarbeiter unverzichtbar. Und dies sei vor allem die Aufgabe eines regionalen Beratungs- und Unterstützungssystems. Die Aufgabe müsse es zukünftig sein, die Schulen auf ihrem Weg zu mehr Eigenverantwortung vor Ort zu unterstützen, mit Beratung und hochwertigen Fortbildungsangeboten. In Kooperation zwischen Kommunen und Schulaufsicht müsse die notwendige Hilfe zeitnah organisiert werden.

Zum Format: Das VhU-Bildungsforum wird seit über zwanzig Jahren von der VhU ausgerichtet. Es greift jeweils ein bildungspolitisches Thema auf, das in Form eines Fachvortrages fokussiert wird, auf den anschließend die thematisch zuständigen Sprecher/innen der Fraktionen aus dem Hessischen Landtag reagieren.

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