Bei Jugendlichen muss für die Chancen und Wege einer Berufsausbildung geworben werden. Berufliche und akademische Bildung sind dabei gleichwertig und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
DUALE AUSBILDUNG: Attraktivität des Erfolgsmodells steigern
Um was geht es?
Die duale Ausbildung ist hoch anerkannt, kämpf jedoch um Nachwuchs
Die duale Ausbildung ist ein Erfolgsmodell und für Unternehmen ein jahrzehntelang bewährtes wie zentrales Instrument der Nachwuchsgewinnung. Auch im Ausland ist das Modell hoch anerkannt, nicht zuletzt aufgrund der recht geringen Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland. In Hessen steht die duale Ausbildung jedoch unter Druck: Die Zahl neuer Ausbildungsverträge ist seit einiger Zeit rückläufig, während die Gesamtzahl der Abgängerinnen und Abgänger nach Sekundarstufe I stabil bleibt. Immer weniger junge Menschen wählen unmittelbar nach der Sekundarstufe I eine Berufsausbildung, während der Anteil derjenigen, die den Weg über höhere Schulabschlüsse und ein Studium einschlagen, zunimmt. Angebote zur beruflichen Orientierung erreichen viele Jugendliche nach wie vor nicht ausreichend: Betriebe und Ausbildungsinteressierte finden oft zu spät oder gar nicht zueinander. Passungsprobleme und Informationslücken tragen dazu bei, dass zahlreiche Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben oder es zu Abbrüchen kommt. Darüber hinaus verfügen zu viele Ausbildungsinteressierte nicht über hinreichende (Grund-)Kompetenzen für den Ausbildungsstart.
Was braucht die Wirtschaft?
Gleichwertige Investitionen in duale und akademische Ausbildung
Als dualer Partner sind Unternehmen die primären Akteure, wenn es darum geht, Jugendliche von den Vorzügen einer Ausbildung zu überzeugen. Die Wirtschaft braucht jedoch Unterstützung, um bei Jugendlichen und ihren Eltern für die Wege, Chancen und Möglichkeiten einer Berufsausbildung zu werben. Die Landesregierung sollte berufliche und akademische Bildung gleichwertig fördern.
Was ist zu tun?
Für die duale Ausbildung werben, Matching verbessern, Mobilität erhöhen
- Grundkompetenzen stärken
Es braucht eine bildungspolitische Priorität für die Vermittlung von Grundkompetenzen. Schülerinnen und Schüler müssen mit Abschluss hinreichend gut lesen, schreiben, rechnen und mit digitalen Medien umgehen können. Dieses Mindestmaß ist unabdingbar, damit Ausbildung für Betriebe und Auszubildende gelingen kann. - Matching weiter verbessern
In Hessen gibt es große regionale Unterschiede auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Um das „Matching“ zwischen Ausbildungsinteressierten und Ausbildungsunternehmen weiter zu verbessern, braucht es daher nach Regionen differenzierte Strategien und Unterstützungsmaßnahmen. - Standortkonzept mit Fragezeichen
Das Konzept „Zukunftsfähige Berufsschule“ lässt wichtige Zukunftsfragen wie z. B. den Umgang mit Neuordnungen von Berufen offen. Hier muss dringend nachgesteuert werden. Wichtig ist auch die Ermöglichung hybrider Beschulung und die Digitalisierung der Zusammenarbeit mit Betrieben. - Gut ausgebildeter Lehrkräftenachwuchs
Bereits jetzt fehlen in Hessen Berufsschullehrkräfte. Dieser Mangel wird sich weiter verschärfen. Kultus- und Wissenschaftsministerium sind gefordert, eine gemeinsame Strategie zur Lehrkräftegewinnung zu entwickeln und umzusetzen, um die duale Ausbildung weiter zu ermöglichen. - Gut ausgestattete, moderne Berufsschulen
Berufsschulen können ihrem Bildungsauftrag nur dann gerecht werden, wenn sie angemessen ausgestattet sind. Die Lücke zwischen betrieblicher und berufsschulischer Realität ist aktuell vielerorts zu groß. Hier braucht es ein konzertiertes Vorgehen aller politischen Ebenen und eine umfangreiche Investitionsstrategie.
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