VhU begrüßt 50-Millionen-Euro-Paket der Landesregierung, vermisst aber klare Zielmarken für die Umsetzung
Hessisches Bildungschancenpaket
Frankfurt am Main. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) bewertet das heute von Ministerpräsident Boris Rhein, Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori und Kultusminister Armin Schwarz vorgestellte Bildungschancenpaket als zielführend. „Das Bildungschancenpaket setzt die richtigen Prioritäten bei Grundkompetenzen, digitaler Bildung und Leistungswertschätzung. Der INSM-Bildungsmonitor 2025 hat Hessen im Handlungsfeld Digitalisierung zuletzt nur auf Platz 13 von 16 Bundesländern gesehen. Dass die Landesregierung mit 50 Millionen Euro und 680 Stellen gegensteuert, verdient Anerkennung. Offen bleibt, mit welchen konkreten Zielen sie die Wirkung dieser Maßnahmen bis zum Ende der Legislatur belegen will“, so VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert.
Grundkompetenzen: der richtige Schwerpunkt
Mit der zusätzlichen Deutschstunde in Klasse 1, der verbindlichen täglichen Lesezeit in den Klassen 3 und 4 sowie den Mathematik-Mitlauf- und Basiskursen greift die Landesregierung Empfehlungen der Bildungsforschung auf. PISA 2022, IGLU und der IQB-Bildungstrend 2024 belegen bei Lesen und Mathematik erheblichen Handlungsbedarf. „Wer Lesen, Schreiben und Rechnen früh und systematisch fördert, öffnet Kindern jede weitere Bildungs- und Berufsperspektive. Investitionen allein reichen aber nicht. Die Landesregierung sollte messbare Ziele setzen, etwa eine spürbare Reduktion des Anteils der Schülerinnen und Schüler, die den Mindeststandard in Deutsch und Mathematik nicht erreichen“, so Pollert.
Digitale Zukunftskompetenzen: Standortvorteil für Hessen
Mit dem Medienführerschein in Klasse 4, dem bundesweit erstmals verpflichtenden Fach „KI und Digitale Welt“ in den Klassen 5 und 6, der Belegverpflichtung mit Informatikschwerpunkt in der Sekundarstufe I sowie dem flächendeckenden Ausbau digitaler Lernsysteme setzt die Landesregierung zentrale Forderungen der hessischen Wirtschaft aus dem VhU-Positionspapier „Digitale Bildung“ um. Positiv wertet die VhU zudem die Stärkung der Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherbildung, für die sie sich seit Längerem eingesetzt hat.
„Das ist ein richtungsweisender Schritt und ein Standortvorteil für Hessen. Hessen geht bundesweit voran und bereitet Kinder früh auf einen kompetenten Umgang mit KI vor. Damit dieser Anspruch in den Klassenzimmern ankommt, müssen die Lehrkräftefortbildung verbindlich und die digitale Infrastruktur dauerhaft gesichert werden“, erklärt Pollert.
Schulen mit besonderen Herausforderungen: wichtiges Signal auch für die Ausbildung
Auch die Weiterentwicklung der sozialindizierten Lehrkräftezuweisung mit zwei Tranchen von je 100 zusätzlichen Stellen ist ein wichtiger Schritt. Die Ausbildungsumfrage 2026 des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL zeigt: 72 Prozent der Unternehmen nennen Defizite beim Arbeits- und Sozialverhalten von Ausbildungsanfängerinnen und -anfängern als zentrale Herausforderung, jeweils 70 Prozent fehlende schulische Basiskenntnisse und lernmethodische Schwächen. „Gerade an Schulen mit besonderen Herausforderungen können frühe Förderung und mehr personelle Ressourcen einen entscheidenden Unterschied machen, vorausgesetzt, die zusätzlichen Stellen kommen schnell und zielgerichtet in den Schulen an“, betont Pollert.
Leistung fördern und wertschätzen
Zielführend sind aus Sicht der VhU die gezielte Förderung von Talenten über den Talente-Campus, die Ehrung der besten Absolventinnen und Absolventen sowie der Ausbau des Landesfinaltags bei „Jugend trainiert für Olympia“. „Eine Bildungspolitik, die Leistung und Engagement fördert und wertschätzt, motiviert alle Schülerinnen und Schüler und stärkt zugleich die Ausbildungsreife und die Fachkräftebasis unseres Landes“, so Pollert.
„Hessen ist bei Integration und Schulabschlüssen stark, hat die wenigsten Schulabbrecherinnen und -abbrecher, bei der Digitalisierung aber Nachholbedarf. Das Bildungschancenpaket setzt hier wirksam an und definiert insgesamt die richtigen Prioritäten. Damit daraus messbare Fortschritte werden, braucht Hessen überprüfbare Zielmarken für die Grundkompetenzen in Deutsch und Mathematik sowie bei digitalen Basiskompetenzen, eine verbindliche Umsetzungs- und Fortbildungsagenda ab dem Schuljahr 2027/2028 und eine Verstetigung bei frühkindlicher Sprachförderung und digitaler Infrastruktur. An diesen Zielen wird die VhU die Wirkung des Pakets in den kommenden Jahren messen“, so Pollert abschließend.
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