Lkw-Ladungsdiebstahl

Hohe Diebstahlsschäden für Wirtschaft erfordern gemeinsames Vorgehen von Unternehmen, Polizei und Politik gegen organisierte Kriminalität.



29.04.2026 3 Min. Lesezeit

Frankfurt am Main. „Lkw-Ladungsdiebstahl ist keine Randerscheinung. Es ist ein massives Problem, das die gesamte Breite der hessischen Wirtschaft betrifft – Verlader, Spediteure und Transportunternehmen. Und das jeden Tag. Die Schäden in der Wertschöpfungskette sind immens. Sie reichen vom Wert des gestohlenen Frachtguts bis hin zu Produktionsausfällen in der Industrie. Es ist uns deshalb ein großes Anliegen, Aufmerksamkeit für dieses Thema zu schaffen und gemeinsam mit der Branche, den Versicherern, Sicherheitsexperten, der Polizei und auch mit der Politik nach Möglichkeiten zu suchen, wie die meist organisierte Kriminalität in diesem Bereich zurückgedrängt werden kann“, sagte Christoph Schäfer, Vorsitzender des Verkehrsausschusses der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), anlässlich des gemeinsamen Fachgesprächs von BGL Hessen, SLV Hessen/Rheinland-Pfalz und VhU zum Thema Ladungsdiebstahl.

Thorsten Hölser, Geschäftsführer des Speditions- und Logistikverband Hessen/Rheinland-Pfalz e.V. (SLV), sagte: „Es ist gut, dass die Polizei in Hessen sehr aktiv ist bei der Bekämpfung der Kriminalität im Bereich Ladungsdiebstahl. Vor allem beim klassischen Planenschlitzen auf Rastanlagen oder auf Lkw-Abstellplätzen spielt der deutsche Föderalismus den Kriminellen leider häufig in die Karten. Unterschiedliche Zuständigkeiten bremsen die Strafverfolgung über Landesgrenzen hinweg aus. Deshalb braucht es eine noch engere, länderübergreifende Verzahnung der polizeilichen Kriminalitätsbekämpfung in diesem Bereich. Außerdem sollten die Befugnisse der Polizei für die Strafverfolgung erweitert werden, beispielsweise bei der Funkzellenüberwachung. Und auch das Phänomen der ‚Phantomfrachtführer‘ muss viel stärker in den Blick genommen. Neue polizeiliche Befugnisse, wie etwa die Vorratsdatenspeicherung, könnten hier zu einer höheren Aufklärungsquote solcher Taten führen.“  

Vor allem die Fälle der sogenannten ‚Phantomfrachtführer‘ nehmen derzeit rasant zu. Dabei gibt sich ein Täter unter falscher Identität als echter Transportunternehmer aus, nimmt einen Transportauftrag an und entwendet das ihm im guten Glauben übergebene Transportgut. Häufig nutzen Täter falsche E-Mail Adressen oder gefälschte Dokumente zur Tatbegehung. Laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft GDV lag die Schadenshöhe, verursacht durch ‚Phantomfrachtführer‘ im ersten Halbjahr 2025 deutschlandweit bei rund 17,5 Millionen Euro. Im gesamten Jahr 2023 waren es noch rund 5 Millionen Euro.

Klaus Poppe, Geschäftsführer des Fachverband Güterkraftverkehr und Logistik Hessen e.V. (BGL Hessen), sagte: „Das Gebot der Stunde ist Aufklärung und Prävention. Neben der Strafverfolgung müssen Maßnahmen zur Prävention solcher Taten ergriffen werden. Technische Lösungen privater Anbieter zur Verifizierung von Transportunternehmen und Fahrern an der Verladerampe könnten beispielsweise einen Beitrag dazu leisten, die Nutzung falscher Identitäten zu verhindern.“  

Beim gemeinsamen Fachgespräch am vergangenen Montag im Haus der Wirtschaft Hessen haben Experten aus der Logistikbranche, der Versicherungswirtschaft, der Sicherheitsbranche und der hessischen Polizei über Auswirkungen des Kriminalitätsphänomens gesprochen und über Möglichkeiten zur Verhinderung von Ladungsdiebstählen diskutiert. Mit dabei waren: Rainer Beer, Leiter Abteilung schwere und organisierte Kriminalität beim Hessischen Landeskriminalamt, Niels Beuck, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik e.V., Björn Kupfer, Referent Transportversicherung beim GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V., Uwe Lukas, Leiter Versicherung bei der Dachser SE sowie Julia Größlhuber, Trusted Carrier Logistik GmbH, und Steffen Krüger, SSD SAFE-Services Deutschland GmbH.

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