Rente mit 64 ²⁄₃

Pollert: Die abschlagfreie Frührente steht für Ungerechtigkeit und überfordert die kommenden Generationen. Die Bundesregierung muss geschlossen für die Rentenreform kämpfen.

18.08.2026 3 Min. Lesezeit

Frankfurt am Main. Zur anhaltenden Diskussion um die Abschaffung der abschlagfreien Frührente erklärte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU):

„Die Bundesregierung muss jetzt den Mut finden, die abschlagsfreie Frührente wie von der Rentenkommission empfohlen, zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu beenden. Das ist zwar nicht populär, aber volkswirtschaftlich und gesellschaftspolitisch richtig, wenn nicht der jungen Generation immer mehr Kosten der alternden Gesellschaft aufgebürdet und die Beitragslast nach oben getrieben werden sollen. Gesundheitliche Einschränkungen sind dagegen über die Erwerbsminderungsrente abgesichert und rechtfertigen kein generell niedrigeres Renteneintrittsalter.

Die Abschaffung der Rente mit 64 Jahren und acht Monaten ist auch keine Nebensache, sondern ein Kernvorschlag der Rentenkommission. Für die Reformfähigkeit des Landes ist es ein erschreckendes Zeichen, dass jetzt von vielen Seiten mit falschen und einseitigen Argumenten gegen deren längst überfällige Abschaffung gezündelt wird. Gerade wenn Arbeitnehmer hauptsächlich oder ausschließlich gesetzliche Rente beziehen, hilft ihnen jeder Monat länger in Arbeit zu einem höheren Rentenanspruch. Einseitig ist die Debatte, weil sie eine vermeintliche sozialpolitische Wohltat herausstreicht, aber keine Antwort auf die die immer höhere Belastung der Beitrags- und Steuerzahler durch mehr Rentner und weniger Erwerbstätige gibt.

Die abschlagfreie Frührente gibt es auch längst nicht mehr mit 63 Jahren, sondern aktuell für den Jahrgang 1962 mit 64 Jahren und acht Monaten. Aber sie wird eben nicht wie vom Gesetzgeber beabsichtigt von gesundheitlich besonders belasteten Personen in Anspruch genommen. Und es profitieren vor allem Männer, Fachkräfte und besserverdienende Personen mit überdurchschnittlich hohen Rentenansprüchen. Seit ihrer Einführung im Jahr 2014 sind dem Arbeitsmarkt dadurch deutschlandweit bereits über drei Millionen Arbeits- und Fachkräfte vorzeitig verloren gegangen. Zugleich können mit der Abschaffung der abschlagfreien Frührente die Beitragszahler zur Rentenversicherung jedes Jahr um rund 10 Milliarden Euro entlastet werden.

Bundeskanzler Merz und Bundessozialministerin Bas müssen jetzt für die bitter nötige Rentenreform kämpfen und den Bürgern ohne Wahlkampfgetöse die Fakten und die Notwendigkeit gut erklären. Hierfür gibt es auch gute Argumente: Wer länger arbeitet, erhält eine höhere Rente, stärkt das Arbeitskräfteangebot, entlastet die Rentenfinanzierung und sorgt damit für mehr Generationengerechtigkeit. Die hessische Landesregierung und die sie tragenden Parteien sollten im Bundesrat und über ihre Bundesparteien die Bundesregierung unterstützen.“

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