Pollert: Schwächere Vermittlungsergebnisse der kommunalen Jobcenter mahnen zu Organisationsreform
Arbeitsmarkt im Januar
Frankfurt am Main. Im Januar 2026 waren 216.100 Personen in Hessen arbeitslos, rund 11.500 mehr als vor einem Monat. Höher war die Arbeitslosigkeit in einem Januar in Hessen zuletzt vor 18 Jahren.
„Auch unter schwierigeren Arbeitsmarktbedingungen erzielen gemeinsam von Bundesagentur und Kommunen betriebene Jobcenter im Durchschnitt bessere Vermittlungsergebnisse als rein kommunale Jobcenter. Dies gilt für Hessen und für Deutschland. So kann es nicht bleiben. Dieser systematische Befund ist ein klarer Hinweis darauf, dass Organisation und Steuerung eine wichtige Rolle spielen. Arbeitsvermittlung als wichtigste Aufgabe muss in allen Jobcentern absolute Priorität bekommen. Über 20 Jahre nach der letzten großen Organisationsreform ist es Zeit für einen Neuaufschlag in der Arbeits- und Sozialverwaltung“, erklärte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).
„Die Einbeziehung der Kommunen bei der Unterstützung von Grundsicherungsbeziehern ist ein wichtiger Erfolgsfaktor der letzten großen Arbeitsmarktreform und muss beibehalten werden. Und ohne Frage gibt es auch sehr vermittlungsstarke kommunale Jobcenter. Aber die insgesamt besseren Ergebnisse sprechen dafür, in einer Jobcenter-Kooperation zwischen Kommune und Arbeitsagentur die Vermittlungsarbeit den Arbeitsagentur zu überlassen. Dies reduziert das komplexe Behördengeflecht, beseitigt Schnittstellen und würde endlich zu einer einheitlichen IT-Struktur führen. In über 20 Jahren ist es nicht gelungen, einen regelmäßigen digitalen Austausch zwischen Arbeitsagenturen und kommunalen Jobcentern zu organisieren“, sagte der VhU-Hauptgeschäftsführer.
Dirk Pollert abschließend: „Land und Kommunen in Hessen tragen besondere Verantwortung, die Arbeitsverwaltung schlagkräftiger aufzustellen und an einer Reform konstruktiv mitzuarbeiten. Denn in keinem anderen Bundesland werden anteilig so viele Arbeitslose von kommunalen Jobcentern betreut“.
Weiterführende Informationen
- IW-Kurzbericht 102/2025 – Grundsicherung: Kommunale Jobcenter integrieren seltener in Arbeit
- Jobcenter in Hessen im Vergleich nach Trägertypen
- Die rund 216.000 Arbeitslosen in Hessen werden von insgesamt 36 Behörden in drei unterschiedlichen Organisationsformen betreut. Arbeitslosenversicherung: 10 hessische Arbeitsagenturen betreuen rund 81.000 Arbeitslose; Grundsicherung/Bürgergeld: 10 gemeinsame Jobcenter der Arbeitsagenturen und Kommunen unterstützen rund 61.000 Arbeitslose sowie 16 rein kommunale Jobcenter rund 74.000 Arbeitslose.
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