Trotz hoher Zuwanderung schrumpft Hessens Arbeitskräftepotenzial. Teilzeitquote auf Rekordniveau
Arbeitsmarkt im März
Frankfurt am Main. Trotz einer Nettozuwanderung von rund einer halben Million Menschen seit 2014 ist das Arbeitskräftepotenzial in Hessen geschrumpft. Gleichzeitig ist die Teilzeitquote 2025 auf einen Höchststand von 30 Prozent gestiegen. Aus Sicht der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) wächst damit der Druck, mehr Erwerbspotenzial für den Arbeitsmarkt zu mobilisieren. Grundlage sind aktuelle Auswertungen zum Arbeitskräftepotenzial und zur Entwicklung der Teilzeitquote in Hessen.
Im März 2026 waren in Hessen 213.087 Personen arbeitslos, über 2.650 weniger als im Vormonat. Hessenweit gibt es rund 90.000 offene Stellen – trotz einer äußerst schwierigen Wirtschaftslage. Die VhU sieht darin ein weiteres Signal für die zunehmende Lücke am Arbeitsmarkt.
„Dass die Teilzeitquote in Hessen 2025 auf 30 Prozent gestiegen ist, zeigt, dass im Arbeitsmarkt noch viel Potenzial steckt. Mehr Menschen könnten mehr arbeiten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Vor allem durch verlässliche Kinderbetreuung, spürbar mehr Netto vom Brutto und mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten“, erklärte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der VhU. Die Politik müsse Erwerbsarbeit attraktiver machen, statt sie durch hohe Steuern und Abgaben zusätzlich zu belasten. Die Beitragssatzspirale müsse durch ausgabensenkende Strukturreformen gebrochen werden. Zugleich müssten Land und Kommunen Kinderbetreuungsangebote als entscheidenden Standortfaktor begreifen.
Dirk Pollert sagte weiter: „Die Entwicklung ist alarmierend: Trotz hoher Zuwanderung schrumpft das Arbeitskräftepotenzial in Hessen. Gleichzeitig gehen mit den geburtenstarken Jahrgängen immer mehr Beschäftigte in den Ruhestand. Deshalb müssen wir jede realistische Stellschraube wie mehr Vollzeitarbeit, mehr Erwerbsbeteiligung und eine längere Lebensarbeitszeit nutzen. Für mehr Spielraum in den Betrieben und für die Beschäftigten sind außerdem mehr Flexibilität im Arbeitszeitrecht nötig.“ Der Bundesgesetzgeber solle daher von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umstellen.
Die von der VhU vorgelegten Grafiken zeigen nach Verbandsangaben zwei Entwicklungen besonders deutlich: Zum einen schrumpft das Arbeitskräftepotenzial in Hessen trotz der Zuwanderung der vergangenen Jahre. Zum anderen ist die Teilzeitquote zwischen 2015 und 2025 in Hessen flächendeckend gestiegen.
Weiterführende Informationen:
VhU-Grafiken und Tabellen: Schwindendes Arbeitskräftepotenzial und steigende Teilzeitquote
Hessisches Statistisches Landesamt, Wiesbaden, 2025: Zu- und Fortgezogene über die Landesgrenze Hessens seit 1980
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