Schulfrieden in Hessen: Unterrichtsqualität und Eigenverantwortung im Mittelpunkt
29. VhU-Bildungsforum
Welche Chancen bot ein Schulfrieden für Hessen, und was musste über eine politische Verständigung hinaus geschehen, um die Qualität schulischer Bildung zu verbessern? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das 29. VhU-Bildungsforum am 31. März 2014 in Frankfurt. Unter dem Titel „Schulfrieden in Hessen? Bildungspolitische Konfliktlösung zwischen Chance und Widerspruch“ erläuterte Helmut E. Klein, Bildungsforscher am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Erfahrungen anderer Bundesländer und Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung von Schule und Unterricht.
Bereits in seiner Begrüßung machte Jörg Feuchthofen, Geschäftsführer Bildungs- und Gesellschaftspolitik der VhU, deutlich, dass eine politische Verständigung allein noch keine hinreichende Antwort auf die Herausforderungen der Schulen sei. Der angestrebte Schulfrieden dürfe nicht auf die Regierung oder die Opposition beschränkt bleiben. Im Mittelpunkt des Forums stand damit auch die Frage, wie eine Verständigung mit konkreten Verbesserungen für Schulen und Unterricht verbunden werden könne.
Klein ordnete die Debatte in die Geschichte der deutschen Schulpolitik ein. Über Jahrzehnte hätten Auseinandersetzungen zwischen Gesamtschule und gegliedertem Schulwesen die bildungspolitische Diskussion geprägt. Anhand von Vereinbarungen in mehreren Bundesländern zeigte er unterschiedliche Wege zu einem Schulkonsens auf. Zugleich verdeutlichte er unter anderem am Beispiel Hamburgs, dass eine Verständigung zwischen Parteien nicht zwangsläufig das Ende schulpolitischer Konflikte bedeute.
Für die hessische Landespolitik erklärte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner, die schwarz-grüne Koalition wolle die schulpolitischen Grabenkämpfe der Vergangenheit überwinden. Er verwies auf den angestrebten überparteilichen Bildungsgipfel. Der SPD-Bildungspolitiker Christoph Degen kündigte an, seine Partei werde sich diesem nicht verweigern. Klein betonte seinerseits, entscheidend seien tragfähige Ergebnisse und nicht allein die Wahl zwischen Bildungsgipfel und Enquetekommission.
Den Schwerpunkt seiner Empfehlungen legte Klein auf die innere Entwicklung der Schulen. Unter Verweis auf Untersuchungen maß er der Schulform für den Lernerfolg eine deutlich geringere Bedeutung bei als den Bedingungen des Lernens. Verbindliche Bildungsstandards, individuelle Förderung sowie die Stärkung der Entscheidungsfähigkeit und der sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler seien wichtiger als eine fortgesetzte Fixierung auf die Schulstruktur. Ein politischer Konsens könne hierfür günstige Voraussetzungen schaffen, bewirke aber für sich genommen noch keine Verbesserung der Bildungsqualität.
Konkret sprach sich Klein für mehr Fortbildung und eine systematische Personalentwicklung aus. Dazu zählte er Mitarbeitergespräche der Schul- und Fachgruppenleitungen mit den einzelnen Lehrkräften. Zudem plädierte er für eigenständige Budgets der Schulen. Größere Eigenverantwortung und eine gezielte Unterrichtsentwicklung sollten dazu beitragen, die Lernbedingungen zu verbessern.
In der Diskussion fragten einige Wirtschaftsvertreter, ob Schulleitungen durch solche zusätzlichen Aufgaben überfordert würden. Klein hielt dem entgegen, dass die vorgeschlagenen Veränderungen letztlich sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch den Lehrkräften zugutekämen. Damit rückte neben den Chancen eines schulpolitischen Konsenses auch die Frage nach den Voraussetzungen für seine Umsetzung in den einzelnen Schulen in den Blick.
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Fotos: VhU
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