Zwischen Überbehütung und Desinteresse: Wie Eltern Schule begleiten
30. VhU-Bildungsforum
Beim 30. Bildungsforum der VhU seit 2004 diskutierten rund 70 Bildungsexperten mit Josef Kraus, langjährigem Schulleiter und Präsident des Deutschen Lehrerverbandes sowie Autor des Buches „Helikopter-Eltern", ob denn die Mehrzahl der Eltern dieser Entwicklung auch gerecht werden kann, ob sie sich als kooperativ Mitwirkende engagieren oder eher als kampfbereite Vertreter der individuellen Interessen ihrer jeweiligen Kinder.
Deutlich wurde: In der Schulpraxis ist zumindest ein Anstieg bei der pädagogischen Mitsprache und beim Zugriff auf Beschwerdeformen festzustellen, bis hin zur erhöhten Bereitschaft, auch den Rechtsweg zu beschreiten. Gleichwohl trifft die Identifizierung sogenannter „Helikoptereltern", die ihr Kind rund um die Uhr „managen" und bis in alle Details des Schulalltags mitreden wollen, nur auf ein Sechstel der Eltern zu.
Während diese Eltern einen erheblichen Teil der Aufmerksamkeit von Lehrkräften binden, ist auf der anderen Seite ebenfalls ein Sechstel der Eltern völlig „schulresistent" und trotz vieler Bemühungen gar nicht erreichbar, wenn es um schulische Fragen des Werdegangs ihrer Kinder geht.
Josef Kraus sieht in diesem Zusammenhang eine gewachsene Verunsicherung in der Elternschaft. Er prägte das heutige Bild von „Helikoptereltern", die beim Nachwuchs alles und unter Kontrolle haben wollen und dabei die Schule nicht ausnehmen. So nimmt er Formen der Überidentifikation, Überbehütung, Verschonung und Verwöhnung als ein zunehmendes Problem von Schule im Umgang mit Eltern wahr.
Die Experten der schulischen Praxis, der Verwaltung und der Wissenschaft diskutierten diese Aspekte mit dem Referenten. Im Anschluss nahmen die bildungspolitischen Sprecher der Fraktionen im Hessischen Landtag, MdL Christoph Degen (SPD), MdL Wolfgang Greilich (FDP), MdL Hans-Jürgen Irmer (CDU) und MdL Matthias Wagner (Bündnis 90/Die Grünen), zum Thema Stellung.
Einig waren sich die Politiker, dass Kinder auf dem Weg der Persönlichkeitsbildung nicht nur fremdbestimmt sein dürfen, sondern auch Freiraum für eigene Erfahrungen, insbesondere bei Erleben und Verarbeiten von Erfolgen und Misserfolgen brauchen. Unterschiedliche Auffassungen wurden dagegen bei den Fragen deutlich, welche Angebote Schule den jungen Menschen machen sollte und wie eine gute, aber ausgewogene Kooperation von Schule mit der Elternschaft durch die Rahmenbedingungen der Politik begleitet und gefördert werden sollte.
Das Forum in Bildern:
Fotos: Gerd Scheffler
Ansprechpartner