32. VhU-Bildungsforum

VhU-Bildungsforum zum Übergang von Schule in Ausbildung: Immer mehr Unternehmen relativieren die Bedeutung von Schulnoten / Persönlichkeitsmerkmale werden Schlüsselkriterien für die Auswahl von Ausbildungsbewerbern

14.03.2016 3 Min. Lesezeit

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) empfiehlt Schulen einen erweiterten Blick auf die Persönlichkeitsprofile von Schulabgängern, um einen passgenauen Anschluss in die Berufsausbildung zu ermöglichen. Neben Noten und Abschlusszeugnissen würden für Unternehmen personale und soziale Kompetenzen der Berufseinsteiger immer wichtiger. Deshalb legten Betriebe zunehmend Wert auf eine ganzheitliche Betrachtung ihrer Bewerber. Für Schulen werde neben der Bildung fachlicher Kompetenzen auch die Förderung persönlicher Kompetenzen zu einer Querschnittsaufgabe. Beim 32. Bildungsforum der VhU am 14. März 2016 diskutierten Experten, welche Rolle Schulnoten und Abschlusszeugnisse für die Besetzung von Arbeits- und Ausbildungsstellen aktuell und künftig noch spielen.

Andreas Schneider, Ausbildungsleiter beim Technologieunternehmen TRUMPF in Ditzingen, stellte in seinem Vortrag die grundlegende Reform der betrieblichen Ausbildung und der Auswahlkriterien seines Unternehmens bei Schulabgängern vor. Er schilderte den über 100 Teilnehmern des Forums, wie sich die Bewerberauswahl des Unternehmens heute primär an ganzheitlichen berufsrelevanten Persönlichkeitsmerkmalen orientiere und Schulnoten dabei zunehmend in den Hintergrund träten. „Noten sind nicht alles“, so Schneider. „Uns ist primär wichtig, ob ein Bewerber zu uns passt.“ Darunter verstehe er „weiche Kompetenzen“, z. B. wie engagiert und lernbereit Bewerber seien, ob sie eigene Ideen hätten, offen für und neugierig auf Veränderungen seien und sich für ihre Arbeit nicht nur interessierten, sondern auch verantwortlich zeigten.

Wie bereits andere große Unternehmen, z. B. die Deutsche Bahn AG oder die Siemens AG, setze TRUMPF auf einen eigens entwickelten Onlinetest für die Bewerberauswahl. Denn obgleich Schulnoten wichtige Hinweise auf bestimmte fachliche Kompetenzen gäben, benötigten Ausbildungsleiter einen aussagefähigen Eindruck der Bewerberpersönlichkeit, wie dies in der anschließenden Diskussion der Fachleute aus Unternehmen und Schulen deutlich wurde. Hessische Schulen seien sich dieser ganzheitlichen Profilwünsche bewusst und bemühten sich um eine Förderung auch der personalen und sozialen Kompetenzen, betonten die Vertreter aus dem Schulsystem.

„Deshalb ist Hessen sowohl mit der Einführung von Kompetenzstandards als auch mit seinem landesweiten Kompetenzfeststellungsverfahren KomPo7 schon einen Schritt weiter als manches andere Bundesland“, stellte Jörg E. Feuchthofen, der für Bildung zuständige Geschäftsführer der VhU, fest und ergänzte: „Das Kompetenzfeststellungsverfahren dient freilich in erster Linie als Ausgangsbasis für eine Kompetenzentwicklung. Sinnvoll wäre daher eine zweite Testierung vor dem Schulabschluss, um sich auch als Persönlichkeit den Unternehmen empfehlen zu können. Das wäre dann für Schulabsolventen im Sinne einer guten Berufs- und Studienorientierung hilfreich“.

Einig waren sich die diskutierenden Gäste darin, dass in Zeiten von Big Data und im Zuge der industriellen Revolution „Industrie 4.0“ die digitale Transformation auch in Schule ankommen müsse. Hierfür bedürfe es jedoch sowohl einer hinreichenden technischen Ausstattung der Schulen als auch der Förderung digitaler und entsprechend didaktischer Kompetenzen in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte.

Dem Expertenkreis aus der schulischen Praxis, der Verwaltung und der Wissenschaft stellten sich auch die bildungspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen Christoph Degen (SPD), Wolfgang Greilich (FDP), Armin Schwarz (CDU) und Mathias Wagner (Bündnis 90/Die Grünen).

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Fotos: Gerd Scheffler

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