Gemeinsame Pressemitteilung - Industriepaket Hessen

Gemeinsame Roadmap zur Stärkung des Industriestandorts



27.04.2026 8 Min. Lesezeit

Gemeinsame Roadmap zur Stärkung des Industriestandorts

  • Industriepaket für die kommenden drei Jahre im Trialogprozess verabschiedet
  • Es beinhaltet fünf zentrale Maßnahmenbereiche für Transformation und Wettbewerbsfähigkeit
  • Sozialpartnerschaft ist Grundlage der Industriepolitik

Im Rahmen des Industrietrialogs Hessen hat das Land gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen und Arbeitnehmern ein umfassendes Industriepaket beschlossen. Darin wurden konkrete Maßnahmen und Arbeitsprozesse für die kommenden Jahre vereinbart. Ziel ist es, den Industriestandort Hessen in einer Phase tiefgreifender Transformation zu stärken, Investitionen zu erleichtern und gute Arbeitsplätze zu sichern.

Der Hessische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori erklärte: „Hessen ist ein starkes Industrieland. Aber diese Stärke ist kein Selbstläufer. Sie lebt von den Beschäftigten, von engagierten Unternehmen und von einer Politik, die Verantwortung übernimmt. Mit dem Industriepaket geben wir klare Antworten auf die Herausforderungen der Transformation und setzen auf die Stärke einer guten Zusammenarbeit.“

Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und des Arbeitgeberverbands HESSENMETALL sagte: „Die Industrie ist das Rückgrat eines starken Wertschöpfungsnetzwerks aus Dienstleistungen, Handwerk und Handel. Mit ihrer hohen Innovationskraft und Produktivität ist sie eine zentrale Voraussetzung für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung in unserem Land. Deshalb braucht Hessen das gemeinsame Industriepaket, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken.“

„Hessen gehört zu den starken Industriestandorten in Europa. Damit das so bleibt, braucht es eine aktive Industriepolitik, die Wettbewerbsfähigkeit sichert und gleichzeitig gute Arbeit, Tarifbindung und Mitbestimmung stärkt. Entscheidend ist eine starke Sozialpartnerschaft, die Verlässlichkeit schafft und den Wandel fair gestaltet. Industriepolitik in Hessen entsteht im gemeinsamen Handeln von Land, Unternehmen und Beschäftigten. Der Industrietrialog ist dabei eine wichtige Grundlage, um gute Arbeit und verlässliche Einkommen langfristig zu sichern und neue Beschäftigung zu schaffen“, sagte Michael Rudolph, Bezirksvorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen.

Fünf Handlungsfelder für eine starke Industrie

Das Industriepaket bündelt Maßnahmen in fünf zentralen Bereichen:

  • Stärkung von Innovation und Zukunftstechnologien durch Weiterentwicklung bestehender Strukturen und gezielte Impulse in Schlüsselbranchen
  • Beschleunigung von Ansiedlungen und Erweiterungen durch zusätzliche Flächen und effizientere Genehmigungsverfahren
  • Erhöhung der Resilienz der Industrie durch Weiterentwicklung bestehender Förderinstrumente
  • Ausbau zentraler Infrastrukturen in den Bereichen Energie, Wasserstoff, Digitalisierung und Verkehr
  • ereinfachung des Zugangs zu Förderprogrammen zur passgenauen Unterstützung von Unternehmen


„Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu stärken, braucht es Weichenstellungen in Brüssel und Berlin. Darum setzen wir uns gemeinsam in Berlin und Brüssel für die hessischen Interessen der Industrie ein – wie jüngst im Bereich des Chemieagenda. Doch darauf wollen wir uns in Hessen nicht ausruhen. Der enge Austausch zwischen Land, Unternehmen und Beschäftigten zeigt: Wir packen vor Ort an und wir sind uns einig, dass wir diesen Weg in den kommenden drei Jahren in zentralen Feldern fortsetzen und ausbauen wollen. Das ist die Stärke unseres hessischen Wegs. Wir sichern Wertschöpfung, ermöglichen Innovationen und schaffen Perspektiven für gute Arbeitsplätze“, so Mansoori.

Oliver Coenenberg (Sanofi-Aventis Deutschland GmbH), Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbands HessenChemie führt dazu aus: „Hessen ist führender Chemie- und Pharmastandort mit hoher Wertschöpfung und attraktiven Arbeits- und Ausbildungsplätzen, doch die Herausforderungen in der Transformation sind groß. Das im Industrietrialog entwickelte Industriepaket setzt an entscheidenden Stellschrauben an, um Innovationen und Investitionen wieder zu stärken. Wettbewerbsfähigkeit entsteht dort, wo die Rahmenbedingungen stimmen – von Forschung über Infrastruktur bis hin zu Fachkräften. Jetzt müssen die vereinbarten Vorhaben zügig vorangebracht werden.“

Sabine Süpke, Landesbezirksleiterin des IG BCE Landesbezirks Hessen-Thüringen erklärte: „Hessen hat starke Industriestandorte – und vor allem gute Leute in den Betrieben. Diese Kolleginnen und Kollegen mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihrem Einsatz leisten einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der beschlossenen Maßnahmen. Es muss jetzt darum gehen, ihre Arbeitsplätze zu sichern und ihnen in der Transformation verlässliche Perspektiven zu geben. Wer die Industrie in Hessen stärken will, muss Ausbildung stärken und die Industrieparks weiterentwickeln. Wir haben konkrete Schritte vereinbart, um Innovation und gute industrielle Arbeit auch künftig im Land halten und ausbauen zu können.“

„Der Industrietrialog zeigt: Die Unternehmen sind bereit zur Transformation. Aber ohne wettbewerbsfähige Energiepreise und verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen läuft uns die industrielle Wertschöpfung international davon – gerade in der chemischen Industrie. Für die pharmazeutischen Unternehmen brauchen wir zudem noch echte Signale zur Bereitschaft, Innovation und Resilienz zu honorieren. Denn hier laufen aktuell Anspruch und Wirklichkeit diametral auseinander“, betonte Dr. Joachim Kreysing (Infraserv GmbH & Co. Höchst KG), Vorstandsvorsitzender des VCI Hessen.

Land, Gewerkschaften und Wirtschaft ziehen an einem Strang

Der Vizepräsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertags, Ulrich Caspar, sagte: „Das Industriepaket Hessen ist ein wichtiges Signal: Land, Gewerkschaften und Wirtschaft ziehen an einem Strang, um den Industriestandort Hessen wettbewerbsfähiger und resilienter zu machen. Entscheidend ist jetzt die konsequente Umsetzung insbesondere im Bereich der Energienetze – mit schnelleren Genehmigungen, einem beschleunigten Netzausbau auf Basis von Freileitungen um Anschlussengpässe zu beseitigen sowie einer zügigen Entwicklung der regionalen Wasserstoffinfrastruktur. Zudem sollten die Planungsprozesse für Stromerzeugung, Speicher und Netze im Sinne eines integrierten Energiesystems aufeinander abgestimmt und systematisiert werden."

Jan Meyer, Regionalleiter Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt sagte: „Wir begrüßen ausdrücklich die Kombination aus dem geplanten Tariftreuegesetz und den zusätzlichen Investitionsmöglichkeiten durch das Sondervermögen. Jetzt kommt es darauf an, beides zügig zusammenzuführen und die Mittel schnell in die Infrastruktur in Hessen einzubringen. Entscheidend ist für uns, dass diese nun endlich zu tatsächlich tariftreuen Bedingungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vergeben werden können. Die Bauwirtschaft war schon häufig der Konjunkturmotor unseres Bundeslandes, diesen Motor gilt es jetzt wieder zu starten.“

Dr. Burkhard Siebert (Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie Hessen-Thüringen) erklärte: „Hessen muss für die Industrie mit ihren wertvollen Arbeitsplätzen ein starker Wirtschaftsstandort bleiben. Dafür müssen die Rahmenbedingungen dringend verbessert werden. Auch ohne leistungsfähige Infrastruktur wird die Industrie weiter abwandern. Doch Infrastruktur schafft sich nicht von selbst. Investitionen, Beschleunigung und Fokussierung sind in diesem Zusammenhang unverzichtbar. Der Industrietrialog mit seinen kurzen Wegen zwischen Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern ist ein Schlüssel für eine starke Industriepolitik und mehr wirtschaftliche Dynamik in Hessen. Dass das Wirtschaftsministerium dieses Format nutzt, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln, ist ein wichtiges und richtiges Signal.“

Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte, betonte: „Die Beschäftigten und Unternehmen sind der Motor des Industrielandes Hessen. Tarifbindung und Mitbestimmung bieten die Chance den anstehenden Wandel gerecht und fair gestalten zu können. Es ist gut, dass in Hessen die relevanten Akteure dabei an einem Strang ziehen.“

„Hessen kann auf eine starke und innovative Lebensmittelindustrie aufbauen, sei es mit der Getränkeherstellung, der Produktion von Backwaren oder von Milchprodukten, der Verarbeitung von Obst und Gemüse sowie der Nährmittelproduktion und der Herstellung von Süßwaren. Die Lebensmittelindustrie schafft Wertschöpfung, sichert Beschäftigung und treibt Innovationen voran. Die Rahmenbedingungen für die Betriebe wie bspw. wettbewerbsfähige Energiepreise und leistungsfähige Infrastrukturen sind maßgebend für gut bezahlte und sichere Arbeitsplätze in der hessischen Lebensmittelindustrie.  So treffen steigende Energiepreise die Beschäftigten genauso hart hat wie die Unternehmen.  Dabei ist der nachhaltige Umbau des Ernährungssektors genauso alternativlos wie in anderen Industriezweigen. Für die Transformation sind Innovationen und Anpassungen bei Produkten und Herstellung nötig.  Für diesen Wandel müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten. Es braucht eine aktive Industriepolitik in Hessen, nur so können attraktive Arbeitsplätze langfristig gesichert und ausgebaut werden. Wir hoffen, dass wir mit diesem Industriepaket den Standort Hessen stärken.“, sagte Hakan Ulucay, Landesbezirksvorsitzender des Landesbezirks Südwest der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Schwerpunkte Fachkräfte, Flächen und Ansiedlung, Energieversorgung und Entbürokratisierung

Der Industrietrialog wurde als Austauschforum zwischen dem Land Hessen, Vertreterinnen und Vertretern der hessischen Industrie und der Beschäftigten im Mai 2024 begründet. In bisherigen Sitzungen ging es um die Schwerpunkte Fachkräfte, Flächen und Ansiedlung, Energieversorgung und Entbürokratisierung.

Mit dem Industriepaket geht dieser Austausch in eine neue Phase, indem eine gemeinsame Roadmap für die kommenden drei Jahre vereinbart wird. Dieses Arbeitsprogramm knüpft an bestehende Strukturen und Vorhaben an, definiert neue Handlungsfelder und vereinbart klare Schwerpunktsetzungen. Der Fokus liegt dabei klar auf Maßnahmen, die konkret und vor Ort in Hessen umgesetzt werden können.

Die fünf Schwerpunktthemen sind mit konkreten Maßnahmen und Vereinbarungen unterlegt. Die weitere Konkretisierung und ein Monitoring zur Umsetzung wird Bestandteil des Trialogprozesses bleiben.

Downloads:

Industriepaket Hessen - Gemeinsames Arbeitsprogramm im Trialog (PDF/175.76 KB)

 

Kontakt:

Katja Apelt, Pressesprecherin
HMWVW
E-Mail: presse@wirtschaft.hessen.de

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Bei der Vorstellung des Industriepakets Hessen
Foto: © Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum

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